Kirchweyhe: An alter B 4 müssen Radler nun auf die Straße

Radfahrer plötzlich ohne eigenen Weg

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Viele Jahre wurde der Radweg in Kirchweyhe ohne Probleme genutzt. Nach dem Bau der Ortsumgehung müssen Radfahrer entsprechend der Straßenverkehrsordnung dort jetzt auf die Straße.

Uelzen-Kirchweyhe. Eine Situation zum Kopfschütteln, zumindest für die Bewohner von Kirchweyhe: Viele Jahre lang fuhren sie mit dem Rad entlang der alten B 4, auf dem kombinierten Rad- und Gehweg durch den Ort. Damit ist jetzt Schluss.

Ein Schild hinter dem Ortseingang stellt klar: Der Radweg endet hier.

Zum völligen Unverständnis, unter anderem von Melanie Dreyer. Die Mutter von drei Kindern sieht eine Gefahr, gerade für junge Radler. Zwar habe die Ortsumgehung seit 2014 dazu geführt, dass sich der Verkehr durch den Ort insgesamt merklich verringert habe, dennoch führen weiterhin etliche Lastwagen durch den Ort. Dazu komme das Absurde der Situation: „Jahrelang ist das in Ordnung und auf ein Mal muss man mit dem Rad auf die Straße – obwohl der Radweg ja da ist.“

Zudem liege der Abschnitt auf der Strecke, die als Radweg nach Lüneburg ausgeschildert sei. Und dieser werde gerade im Sommerhalbjahr von vielen Radreisenden genutzt, wie Dreyer berichtet.

Einen völlig anderen Blick auf die Situation hat Detlef Schmidt von der Verkehrsbehörde der Stadt Uelzen. Er bezieht sich qua Amt auf die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung (StVO). Diese hätte in der Vergangenheit zwar sogar eine Pflicht zur Benutzung des kombinierte Geh- und Radweges bedingt, seit es die Umgehung gebe, sei diese aber aufgehoben. Somit gelte das Grundprinzip der StVO „Das Fahrrad ist ein Fahrzeug und gehört auf die Straße“, erklärt Schmidt.

Zwar dürfe ein Radweg innerhalb eines Ortes grundsätzlich benutzt werden, hierfür müssten Gehweg und Radweg aber baulich getrennt sein. Beispielsweise durch eine unterschiedliche Pflasterung mit Platten und Verbundpflaster. Dies, so Schmidt, sei in Kirchweyhe aber nicht ausreichend gegeben. Die Konsequenz, die Nutzung des Radweges Fahrradfahrern zu untersagen, sei von daher ohne Alternative.

Ausnahmen, so Schmidt weiter, könnten nur dann gemacht werden, wenn es „besondere Gefahren“ gebe. Beispielsweise durch Schwerlastverkehr oder durch Schulen an der Strecke, deren Schüler gefährdet würden. Dies sei in Kirchweyhe nicht gegeben.

Völlig aussichtslos scheint die Situation für die Kirchweyher dennoch nicht zu sein. Schmidt räumt ein, dass die Bürger über den Ortsrat die Möglichkeit hätten, bei der Verkehrsbehörde einen Antrag zu stellen – mit dem Ziel, den alten Radweg wieder nutzen zu dürfen.

Die Politik zeigte sich gestern von der Entwicklung überrascht. Ortsbürgermeister Karl-Heinz Günther wusste noch nichts von der Veränderung. Er konnte sich aber gut vorstellen, dass das Thema auf der nächsten Ortsratssitzung am 8. Dezember besprochen werde.

Von Steffen Kahl

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