Herbert Grönemeyer zog beim Auftakt der Deutschland-Tour in Uelzen energiegeladen alle Register

Publikumsnah mit „Samba di Uelzen“

Es wurde nur wenig Lichttechnik verwendet, zum Beispiel bei „Zeit, dass sich was dreht“.

Uelzen. Nebel steigt von der Bühne auf, die ersten Töne wogen über die 15 000 Zuschauer große Menge in der Uelzener Almased-Arena, Gänsehaut-Stimmung – Start für Schiffsverkehr: Von der ersten Minute an hat Herbert Grönemeyer beim Auftakt der Deutschland-Tournee in Uelzen alles gegeben.

Fast überrascht schien er von der guten Stimmung in Uelzen, badete im knapp drei Stunden andauernden Gejohle des Publikums und ließ sich davon tragen. Zeigten sich die Zuschauer anfangs noch verhalten, als die Vorband „Die Orsons“ originell und humorvoll versuchte, für Grönemeyer die Stimmung anzuheizen, stimmte zwischen Menschenmenge und Herbie sofort die Chemie.

Grönemeyers Tourstart in Uelzen

Grönemeyers Tourstart in Uelzen

So wie das Publikum während der Orsons noch Anfangsschwierigkeiten hatte, brauchte auch Grönemeyer ein paar Takte, bis er sich auf die Mikrofone eingestellt hatte. Mal leiser, mal zu laut begann der erste Song Schiffsverkehr, doch dann war der Sound reguliert, die Stimme nur selten gequetscht, Band und Sänger waren perfekt aufeinander eingestimmt.

Fans unterwegs zum Herbi-Konzert

Fans unterwegs zum Herbi-Konzert

Viele altbekannte Songs brachten er und seine Band, sowie die neueren Stücke von seinen Alben „Schiffsverkehr“ und „Mensch“. Es war ein gelungener Wechsel zwischen Songs wie „Männer“, „Zeit, dass sich was dreht“ und „Musik nur, wenn sie laut ist“, bei denen die Bässe anzogen, und ruhigen Stücken wie „Ein Stück vom Himmel“. Absolutes Gänsehaut-Feeling erreichte der Deutschrocker mit dem Titel „Zu Dir“, bei dem er und die Band eine stimmige Einheit bildeten. Bassist, Gitarristen und Sänger wehten über Bühne und Steg in einer harmonischen Performance, immer auf die Rückmeldung aus dem Publikum bedacht. Da war es kaum ein Makel, dass „das Klavier auf den letzten Takten den Geist aufgegeben hat, ich habe versucht, das mental zu überbrücken“, scherzte Grönemeyer.

Die erste Träne verdrückte so mancher Zuschauer aus dem andächtigen Publikum während des melancholischen Liedes „Der Weg“, bei dem Grönemeyer in Schwarz-Weiß auf der Leinwand übertragen wurde. Einer der Höhepunkte, die durch die klar perlenden Töne des Bassisten in der Live-Version überraschten, war „Wäre ich einfach nur feige“, der Song wirkte in der Kulisse vor untergehender Sonne erhaben.

Höhepunkt für den Dialog zwischen Grönemeyer und Publikum war das Lied „Mensch“, das selbst nach dem Ausklingen noch vom Publikum weiter aufgegriffen wurde. Die Menge sang so lange weiter, bis Grönemeyer und seine Band auf das Gejohle der Zuschauer eine „Samba di Uelzen“ improvisierte. Und nach mehrmaligen Aufforderungen brachte er sogar zur allgemeinen Erheiterung „die Currywurst“.

Wer im Vorfeld angenommen hatte, Grönemeyer sei live nicht so beeindruckend wie auf der Platte, wurde vom Gegenteil überzeugt. Die unterschiedlichen Charaktere der Songs waren besser ausgeprägt, bei „Kreuz meinen Weg“ glänzte der Backround-Gesang, der „November“ wirkte durch das harte Schlagzeug. Und in der Almased-Arena war echte Publikumsnähe zu spüren, von Beginn bis zur zehnten Zugabe – kein Vergleich zu der Distanz in den großen Stadien, in denen er beispielsweise im vergangenen Jahr aufgetreten war.

Von Diane Baatani

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