Gerichtsverfahren gegen Mitglieder der Douglasbande kurz vor dem Ende? / Opfer noch heute in psychologischer Behandlung

Psychiater: Ismael N. ist voll schuldfähig

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Ein psychiatrisches Gutachten kommt zu dem Schluss, dass Ismael N. (links) voll schuldfähig ist.

rast Lüneburg/Uelzen. Der 41 Jahre alte Busfahrer, der am 2. Juli 2011 auf offener Straße vor einer Uelzener Kneipe mit einer Bierflasche attackiert wurde, ist heute noch in psychologischer Behandlung: „Ich habe das Gefühl, ich komme nicht mehr klar.

Früher war ich ein lebenslustiger Mensch, so bin ich nicht mehr. Ich habe Angst, wenn ich Gruppen von Menschen sehe, gehe abends nur noch selten aus und kann nachts nicht mehr richtig schlafen. “ So schilderte der Mann der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg gestern die Spätfolgen nach seinem Schädelhirntrauma.

Angeklagt wegen versuchten Totschlags sind der heute 20 Jahre alte Ismael N. und Robert K. (19). Gegen die beiden Angeklagten, die zu der so genannten Uelzener Douglasbande gehören, die in der Vergangenheit durch mehrere Straftaten aufgefallen ist, wird bereits seit November 2011 verhandelt. Ein Ende des Verfahrens zeichnet sich allerdings ab.

Der ältere der beiden Angeklagten soll dem damals in einer Gruppe stehenden Opfer laut Anklage eine zuvor ausgekippte Bierflasche gezielt gegen den Kopf geschlagen, der Jüngere dem danach zu Boden gestürzten Mann mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben (die AZ berichtete).

Im Mittelpunkt des gestrigen Prozesstages vor dem Lüneburger Landgericht stand der psychiatrische Gutachter, der Ismael N. unter Ausschluss der Öffentlichkeit die volle Schuldfähigkeit attestierte. Was dessen Verteidiger Martin Schaar gar nicht schmeckte. Der hatte den Gutachter bereits in der Anfangsphase des Prozesses ins Visier genommen und ein Befangenheitsgesuch gegen ihn gestellt, ihm fehle die „gebotene Neutralität“. Bei der Begutachtung in der Untersuchungshaft habe der Gutachter seinen Mandanten „unter Druck gesetzt“.

Gestern bescheinigte der Psychiater Ismael N. unter anderem ein Reifeproblem, das – wie der Vorsitzende Richter später sagte – „,in dieser Altersgruppe weit verbreitet ist“. Überlegt wird, ob ein weiterer Psychiater gehört wird. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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