Nur im Nachbar-Kreis Lüchow-Dannenberg gab es noch mehr Arbeitsfehltage

Krankschreibungen wegen psychischer Probleme: Kreis Uelzen bundesweit auf Platz 2

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Im Kreis Uelzen gibt es bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen nur wenige Behandlungsmöglichkeiten – entsprechend lange Wartelisten tragen zu einem längeren Krankheitsverlauf bei, meint die Barmer.

Uelzen/Landkreis. 43 Prozent mehr Menschen waren im Landkreis Uelzen im vergangenen Jahr aufgrund psychischer Probleme krank geschrieben als im Bundesdurchschnitt. Damit landet der Landkreis niedersachsenweit auf Platz 2.

Nur im Nachbar-Landkreis Lüchow-Dannenberg gab es noch mehr Arbeitsfehltage.

Diese dramatische Tendenz geht aus dem aktuellen Gesundheitsbericht der Landesvertretung Niedersachsen und Bremen der Barmer Krankenkasse hervor. Insgesamt kamen die Erwerbstätigen im Landkreis Uelzen auf durchschnittlich 20,1 krankheitsbedingte Fehltage. Auch hier liegt der Bundesdurchschnitt mit 17,7 Tagen deutlich darunter. „Die Berufstätigen bei uns hatten bedeutend mehr Fehlzeiten als die Erwerbstätigen im Land und im Bund“, fasst Landespressesprecher Michael Erdmann zusammen.

Neben den psychischen Erkrankungen seien Muskel- und Skelettprobleme, wie etwa Rückenschmerzen, Hauptursache für viele Krankschreibungen. „Die Psyche und das Muskelskelett sind eng miteinander verbunden“, erklärt Erdmann. So gingen länger anhaltende Schmerzen oft mit psychischen Belastungen einher, oder psychische Probleme äußern sich durch körperliche Schmerzen.

„Hier im Landkreis gibt es bei Depressionen nur wenige Behandlungsmöglichkeiten“, nennt der Uelzener Barmer-Regionalgeschäftsführer Stefan Pflug eine mögliche Ursache für die massive Zahl an Krankheitstagen aufgrund psychischer Probleme. „In den wenigen Praxen gibt es lange Wartelisten und Termine liegen oft in weiter Ferne.“ Die Experten raten, im Alltag auf sich zu achten und sich frühzeitig bei der Krankenkasse über Präventionsangebote zu informieren. „So ist in vielen Fällen der gelbe Schein vermeidbar“, weiß Pflug.

Am häufigsten sind in Niedersachsen Busfahrer krank, weil sie mit vielen Keimen in Berührung kommen. Berufsgruppen mit viel Stress und starker körperlicher Belastung, wie Kranken- und Altenpfleger, werden ebenfalls häufiger krank, genauso wie Call-Center-Mitarbeiter.

Je selbstständiger gearbeitet werden kann, desto geringer ist laut Statistik das Krankheitsrisiko. Generell gilt: Je höher der Bildungsgrad, desto weniger Krankschreibungen: Erwerbstätige ohne Ausbildung waren durchschnittlich 21 Tage krank, Promovierte lediglich sieben Tage.

Von Sandra Hackenberg

Krankentage Erwerbstätiger 2017 im Landkreis Uelzen im Bundesvergleich:

• aufgrund psychischer und Verhaltens-Störungen: 4,8 Tage pro Versichertem (Bundesdurchschnitt: 3,4 Tage)

• aufgrund Krankheiten des Atmungssystems (z. B. Grippe, Lungenkrankheiten): 2,1 Krankheitstage pro Versichertem (7,7 Prozent weniger als im Bundesvergleich: 2,3 Tage)

• aufgrund Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (z. B. Rücken- oder Nackenschmerzen, Arthritis): 4,6 Krankheitstage pro Versichertem (8,4 Prozent mehr als Bundesdurchschnitt: 4,2 Tage)

• aufgrund von Verletzungen/Vergiftungen und andere Folgen äußerer Umstände (Arbeits- und Sportunfälle, Drogen- und Alkoholmissbrauch): 2,2 Krankheitstage (1,4 Prozent mehr als Bundesdurchschnitt: 2,1 Tage)

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