Nach Schließung: Drängendste Arbeiten sind erledigt / Politik berät ab November über große Sanierung

Prüfer kommt wieder ins Theater

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Mithilfe von 29 Bedientauen können Kulissen, Vorhänge und Lichttraversen herabgelassen werden. Sie wurden jetzt erneuert, wie Dennis Schaaf, der im Theater hinter den Kulissen tätig ist, zeigt.

Uelzen. Sätze von Schiller und Shakespeare sind nicht zu vernehmen. Stattdessen „werfen“ sich im Bühnenraum in mehreren Metern höhe Fachleute für Theaterbau Kommandos zu. Auf dem Bühnenboden liegen Taue.

Viele Jahre haben die meterlangen Seile Kulissen, Schweinwerfertraversen und Vorhänge gehalten. In den vergangenen Tagen wurden sie gegen neue ersetzt – eine der Auflagen des Dekra-Prüfers.

Er war, wie berichtet, im September zu dem Ergebnis gekommen, dass wegen nicht behobener Mängel ein sicherer Spielbetrieb im Theater an der Ilmenau nicht mehr gewährleistet ist. Seitdem ist das Theater geschlossen. Anfang der Woche sollen die drängendsten Arbeiten nun erledigt sein. Für Dienstag sei eine neue Abnahme mit der Dekra geplant, berichtet Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull bei einem kleinen Rundgang durch das Theater.

Ist der Gutachter an diesem Tag zufrieden, wäre der Boden bereitet für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs – allerdings nur auf Zeit. In dem fast 50 Jahre alten Theater ist noch weit mehr in Stand zu setzen, damit sich dauerhaft der Vorhang wieder heben kann.

Karsten Scheele-Krogull

Karsten Scheele-Krogull deutet auf den Bühnenboden. „Der muss erneuert werden“, sagt er. Mehrmals sei der Boden in den vergangenen Jahrzehnten abgeschliffen worden, eine weitere Behandlung sei nicht möglich. Weit mehr Arbeit und Geld müsste die Stadt aber in die Jahrzehnte alte Hydraulik stecken, mit der der Eiserne Vorhang bewegt wird, der im Brandfall Bühnen- und Zuschauerbereich trennt. Mit der Hydraulik lässt sich auch die Vorderbühne absenken. Eine neue Anlage ist erforderlich, denn Ersatzteile gibt´s wohl nicht mehr.

Insgesamt gut vier Millionen Euro wären in die Hand zu nehmen, um die Technik des Theaters auf Vordermann zu bringen. Die Kommunalpolitik wird entscheiden, ob die Mittel bereitgestellt werden, und damit das Theater erhalten bleibt. Stadtsprecherin Janin Thies informiert, dass sich die Politik ab November mit der Thematik auseinandersetzen wird, zunächst im Kulturausschuss, Mitte des Monats dann in der Ratssitzung. Es ist gewissermaßen der zweite Akt im Schauspiel um das Theater.

Fraktionen im Rat haben bereits erklärt, sich für den Erhalt des Theaters aussprechen zu wollen. Der Grünen-Politiker Karl-Heinz Schmäschke zeigt sich etwas zurückhaltender, betont, dass es allein mit der Erneuerung der Technik im Theater nicht getan ist. Das Gebäude selbst wäre auch noch zu sanieren. Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull sagt, dass es Pläne für die Sanierung der Fassade und des Daches gebe.

Im Rathaus wurde schon einmal gerechnet, was zusätzlich zu den vier Millionen Euro aufzubringen wäre. Stadtsprecherin Janin Thies nennt einen Betrag von zwei Millionen Euro, macht in der Summe gut sechs Millionen Euro.

Fast 800 Sitzplätze zählt das Theater. Mit den 1970er-Jahren erlebte der Technische Leiter, Fritz-Eckhard Müller, Zeiten, in denen das Haus richtig gut besucht war. Heute sind ausverkaufte Veranstaltungen die Ausnahme. Rechnen sich die Investitionen angesichts der heutigen Auslastung? Hat der Bau eines neuen, modernen Veranstaltungszentrums, das von der Politik als Ersatz für die Stadthalle aufs Tableau gehoben wurde, womöglich mehr Sinn? Oder gar beides?

Die Stadt kündigt an, den Ratsleuten als Entscheidungsgrundlage „die Sanierungskosten des Theaters, die Kosten für ein Veranstaltungszentrum und eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Varianten“ zur Verfügung stellen zu wollen.

Von Norman Reuter

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