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Prozess zu Kot-Briefen: Uelzener findet Worte der Entschuldigung

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Amtsgericht Uelzen
Am Amtsgericht wurde weiter der Fall der Kot-Briefe behandelt. © Lars Becker

Letzte Zeugenaussagen, eine Befragung und Worte der Entschuldigung - das war gestern das Programm beim vierten Verhandlungstag im Prozess wegen Kot-Briefen und Beleidigungen.

Uelzen ‒ Das Gerichtsverfahren gegen einen Uelzener, der immer wieder mit Kot beschmierte Schreiben im Briefkasten des Amtsgerichts deponierte, unter anderem einen Radfahrer gegen einen Bauzaun geschubst haben soll und immer wieder beleidigende E-Mails, unter anderem an den Landrat Dr. Heiko Blume, sandte, ist gestern vor dem Amtsgericht auf die Zielgerade eingebogen: mit letzten Zeugenaussagen, einer Befragung des Angeklagten durch den beauftragten Sachverständigen Dr. Reiner Friedrich sowie einer mündlich vorgetragenen Entschuldigung des Uelzeners.

Dieser sagte nach einleitenden Worten seines Pflichtverteidigers: „Mir ist eine Sicherung durchgebrannt. Es war nicht okay, Herrn Blume oder Herrn Schroth-Döring so hart anzugreifen.“ Letzterer, Leiter des Kriminal-Ermittlungsdienstes im Uelzener Polizei-Kommissariat, hatte unter anderem eine E-Mail vom Angeklagten erhalten, in der dieser gegenüber Schroth-Döring erklärte, dieser gehöre vergast.

Der mündlichen Entschuldigung gingen auch bereits E-Mails an das Personal des Amtsgerichts voraus, die Entschuldigungen enthielten, wobei einzelne Formulierungen, etwa „Kreaturen“, darin auch wieder als Beleidigungen aufgefasst werden könnten.

Die mündliche Entschuldigung jetzt wurde insoweit eingeschränkt, als dass der Angeklagte im Zusammenhang mit Vorfällen, bei denen er einen Radfahrer an der Veerßer Straße geschubst und eine E-Scooter-Fahrerin an der Bahnhofstraße gestoppt haben soll, andere Erinnerungen zum Ablauf hat. In beiden Fällen kam es auch zu Handgreiflichkeiten.

In Bezug auf die Äußerungen gegenüber dem AfD-Landtagskandidaten und Ratsherrn Christian Dörhöfer – der Angeklagte bezeichnete ihn als „Nazi“ – fallen dem Uelzener entschuldigende Worte ebenfalls schwer. Gestern wurden zu diesem Fall auch noch einmal Formulierungen aus Facebook-Kommentaren übergeben. Die Polizei hatte ihrerseits keine Hinweise dazu finden können, dass eine solche Bezeichnung gerechtfertigt wäre.

Die Öffentlichkeit im Amtsgericht ist gestern für den Teil ausgeschlossen worden, in dem Dr. Reiner Friedrich als Facharzt für Psychiatrie den Angeklagten befragte. Der Sachverständige ist beauftragt, ein Gutachten zur Schuldfähigkeit vorzulegen.

Am Montag kommender Woche ist vorgesehen, dass Staatsanwaltschaft und Pflichtverteidiger ihre Plä-doyers halten. Ein Urteil ist an diesem Tag denkbar. AZ

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