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Prozess wegen mehr als 30 Straftaten: Körperverletzung beschäftigt Uelzener Gericht

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Von: Norman Reuter

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Die Kreuzung zur St.-Viti-Straße – im Hintergrund laufen die Arbeiten an der Bahnbrücke
Die Kreuzung zur St.-Viti-Straße – im Hintergrund laufen die Arbeiten an der Bahnbrücke. Hier soll der Angeklagte im Frühjahr eine Körperverletzung begangen haben.  © Reuter, Norman

Am zweiten Prozesstag gegen einen Uelzener, der wegen mehr als 30 angeklagten Taten vor Gericht steht, wurden gestern weitere sechs Zeugen gehört. Ausführlich behandelt wurde dabei ein Vorfall aus dem Frühjahr, bei dem sich der Angeklagte einer Körperverletzung schuldig gemacht haben soll. Involviert war eine seinerzeit Schwangere.

Uelzen – Die heute 38-Jährige schilderte gestern vor Gericht, sie sei an dem Tag mit ihrem E-Scooter langsam unterhalb der Bahnbrücke an der Bahnhofstraße, an der zurzeit gebaut wird, entlang gerollt. Ihr entgegengekommen sei ein Mann, der ein Fahrrad geschoben habe. Dieser habe schließlich sein Rad so gelenkt, das sie dadurch gestoppt worden sei. „Er ist ganz gezielt vor mich gezogen“, erklärte die Zeugin.
Sie habe ihn gefragt, was das solle und ihm auch gesagt: „Das ist doch assozial.“ Als die Frau ihre Fahrt fortgesetzt habe, habe sie bemerkt, dass der Mann ihr folge. „Da ist mir die Pumpe gegangen“, so die 38-Jährige. Sie habe Sorge um sich und ihr ungeborenes Kind gehabt.

Um auf sich aufmerksam zu machen, habe sie sich auf die Bahnhofstraße begeben: „Ich habe um Hilfe gerufen.“ Ein 36-Jähriger, der mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit war, nahm das wahr, kümmerte sich um die Frau in Höhe der Kreuzung zur St.-Viti-Straße. Der Verfolger sei von ihm mit deutlichen Worten aufgefordert worden, sich zu entfernen, wie der 36-Jährige gestern selbst aussagte: „,Verpiss dich‘ – irgendsoetwas war da schon dabei.“

Für ihn war sein Gegenüber kein Unbekannter. Bereits zwei Tage zuvor sei er selbst von dem Mann gestoppt worden, als er unter der Unterführung entlang gefahren sei.
Bei dem „Wiedersehen“ bleibt es aber nicht bei der verbalen Auseinandersetzung. Nachdem sich der Verfolger kurzzeitig entfernt habe, sei er von hinten gekommen und habe ihm einen „Schlag“ versetzt, schilderte der 36-Jährige. Er habe eine Schwellung am Kinn davongetragen.

Im anschließenden Gerangel seien beide zu Boden gegangen. Die Schwangere habe in der Zwischenzeit die Polizei verständigt. Noch vor dem Eintreffen der Beamten habe sich ihr Verfolger entfernt. Über ein bei der Auseinandersetzung entstandenes Foto konnte der Angeklagte jedoch identifiziert werden.

Verteidiger Dirk Offermann hakte bei der Zeugin nach, wollte minutiös Abläufe geschildert bekommen, unter anderem geklärt wissen, ob der Mann, der ihr entgegenkam, das Fahrrad auf seiner linken oder rechten Seite schob. Vom 36-Jährigen wollte Offermann wissen, ob der wahrgenommene Schlag in der Auseinandersetzung unbeabsichtigt hätte erfolgt sein können. „Nein“, antwortete der Zeuge. „Das war definitiv kein Unfall. Das war kein Zufall.“

Bereits am ersten Verhandlungstag war es um einen Vorfall mit einem Radfahrer gegangen. Dabei war ein 53-Jähriger auf seinem Rad vom Angeklagten so geschubst worden, dass er gegen einen Bauzaun gefallen war. Der Staatsanwalt hielt dem Angeklagten in diesem Zusammenhang eine verfasste Mail vor, in der der Uelzener erklärte, er werde Radfahrer zwingen abzusteigen oder sie vom Rad holen.

Eine Zeugin sagte gestern auch zu mit Kot beschmierten Briefen aus, die das Amtsgericht erreichten. Der Leiter des Kriminal-Ermittlungsdienstes in Uelzen, Dietmar Schroth-Döring, schilderte, dass der Angeklagte ihm gegenüber in einem Telefonat erklärt habe, er „gehöre vergast“. Anrufe mit beleidigenden Inhalten seien an der Tagesordnung, wenn es Schriftsätze oder Einsätze gegen den Angeklagten gebe. Aber auch so ist die Polizei mit ihm befasst: Nach Aussage Schroth-Dörings seien vom Angeklagten letzte Woche vier Anzeigen gestellt worden.

Der Prozess wird am Mittwoch, 7. September, mit den Aussagen weiterer Zeugen fortgesetzt.

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