Prozess gegen Kunde von Cannabis-Plantage: 21-Jähriger erhält Bewährung

Drogen-Kauf bei „Omi“

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Uelzen. „Die Omi hat wieder Kuchen da.“ Mit Sätzen wie diesem haben Personen aus dem Landkreis Uelzen sich darüber verständigt, wenn ein neuer Deal fällig war:

Wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde am Amtsgericht Uelzen erneut ein Kunde einer Anbauerin einer Cannabis-Plantage verurteilt. Der 21-Jährige aus dem Kreis Uelzen erhielt eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung, weil er bei „Omi“, wie er die 54-jährige Anbauerin aus der Region nannte, dreimal 100 und einmal 50 Gramm Marihuana gekauft hatte.

Im Rahmen der Verhandlung vor dem Schöffengericht beteuerte der Angeklagte, dass er lediglich als Vermittler agiert habe: Wenn ein Bekannter von ihm Nachschub haben wollte, informierte der 21-Jährige die Frau, die Indoor-Plantagen in angemieteten Wohnhäusern in Schafwedel im Landkreis Uelzen, in Clenze und Proitze (Landkreis Lüchow-Dannenberg) und in Schweimke (Landkreis Gifhorn) bewirtschaftete. Er erhielt im Voraus das Geld seines Bekannten, bezahlte damit die „Omi“, wenn sie vor seinem Haus vorfuhr und ihm die Drogen-Beutel überreichte, und zweigte für sich selbst ein bis zwei Gramm ab, sagte der 21-Jährige. Anschließend gab er dem eigentlichen Kunden die nicht mehr komplette Marihuana-Menge. Lediglich bei der ersten Lieferung kaufte der 21-Jährige seinem Bekannten 30 Gramm von der Bestellung ab. So schilderte der Angeklagte die Situation an vier Tagen im Oktober 2012.

Sein Bekannter wurde in der Verhandlung als Zeuge dazu vernommen. Dessen Aussage widersprach der des Angeklagten. Der Zeuge, gegen den bereits im Vorfeld wegen seiner Drogen-Käufe ein Strafbefehl erlassen worden war und der nun 2000 Euro Geldstrafe zahlen muss, will nicht dem 21-Jährigen Geld für die insgesamt 350 Gramm ausgehändigt haben. Vielmehr hätten er, der Angeklagte und noch ein weiterer Bekannter zusammengelegt und sich die Lieferungen zu dritt geteilt. Die Aussage eines weiteren Zeugen ließ das Schöffengericht an der Wahrheit dieser Version zweifeln. Es glaubte der Version des Angeklagten, betont der Vorsitzender Richter Rainer Thomsen, für die Art der Verurteilung sei das jedoch unerheblich.

Im Februar war eine Plantage der 54-jährigen Drogenhändlerin in Schweimke aufgeflogen (AZ berichtete). Sie und ihr 60 Jahre alter ebenfalls beteiligter Mann waren beim Drogenverkauf in einer Wohnung in Bad Bodenteich zusammen mit Abnehmern festgenommen worden. Die Frau war im Juni zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung und ihr Mann zu einem Jahr und acht Monaten Haft ebenfalls auf Bewährung verurteilt worden. Seitdem war bereits eine Reihe von Strafbefehlen und Urteilen gegen ihre Kunden erlassen worden.

Von Diane Baatani

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