Straftaten nach Alkoholkonsum

Neunte Bewährungsstrafe

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Uelzen. Er ist noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen: Richter Rainer Thomsen betont das „einmal“ und prophezeit dem jungen, aber nicht mehr jugendlichen Gewalttäter gestern vor dem Uelzener Schöffengericht, dass er eine so milde Behandlung für eine weitere Straftat nicht mehr erwarten könne.

Der 22-Jährige war wegen Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor dem Amtsgericht Uelzen angeklagt.

Im August 2011 hatte er beim Dorffest am Alten Spritzenhaus in Wieren bei einer Massenschlägerei nicht nur einen Beteiligten am Auge schwer verletzt, sondern auch die später eintreffenden Polizistinnen beleidigt, bedroht und verletzt. „Ja, das ist wohl so gewesen“, gesteht der Angeklagte die von Staatsanwalt Jan Hillmer verlesenen Anklagepunkte in vollem Umfang ein, „aber so genau weiß ich das nicht mehr.“

Wie auch aus dem jüngsten Urteil des Amtsgerichts Uelzen deutlich wird, verübt der Anklagte dann Straftaten, wenn er Alkohol getrunken hat. Beim Wierener Dorffest hatte der 22-Jährige über zwei Promille im Blut, als er nach seiner Festnahme die Gewahrsamszelle der Polizeistation auseinandernahm. „Inzwischen sind alle Schäden gezahlt, und er hat sein Leben geändert, hat an seinem neuen Wohnort Arbeit gefunden und eine feste Freundin“, plädiert seine Verteidigerin Rechtsanwältin Wiebke Schröder trotz der acht einschlägigen Vorstrafen für eine weitere Bewährungschance.

„Das Entscheidende bei Ihnen ist, dass mit Alkohol Schluss sein muss“, versucht Thomsen dem Angeklagten die Situation noch einmal deutlich zu machen, „wenn Sie getrunken haben, machen Sie Blödsinn, der andere Menschen schädigt.“ So hatte der Mann nur wenige Monate zuvor einen Kleinwagen aus einer Werkstatthalle gestohlen und ihn im Elbe-Seitenkanal versenkt. Das Wrack musste am folgenden Tag geborgen werden, nachdem mehrere Schiffe das Hindernis gerammt hatten. „Schwerer Eingriff in den Schiffsverkehr“ hieß es damals neben schwerem Diebstahl, Sachbeschädigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Trunkenheit im Verkehr in der Anklage.

„Damit ist der Katalog der jetzigen Straftaten einschlägig zu nennen“, betont Staatsanwalt Hillmer, so dass er dem Angeklagten nicht zugute gehalten werden könne. Zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung, weil seine Lebensumstände sich im im Sinne einer positiven Prognose im Wesentlichen verbessert hätten und man ihm den Abschluss seiner Gesellenprüfung, die demnächst ansteht, nicht verderben wolle. „Hier will ich nicht mehr sitzen“, gelobt der Angeklagte zum Ende der Verhandlung, in Zukunft ein straffreies Leben zu führen.

Von Angelika Jansen

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