Landgericht: Uelzener Kneipier soll Gast ausgeraubt haben / Zeuge unterzeichnet Falschaussage

Ein Prozess wie eine TV-Geschichte

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Uelzen/Lüneburg. „Er soll ja gar nicht ins Gefängnis“, sagt gestern ein Zeuge beim Prozess gegen einen Uelzener Kneipier im Landgericht Lüneburg. Der ehemalige Gast des Angeklagten sackt in seinem Stuhl immer tiefer.

Laut Anklage soll der 51-jährige Gastwirt einen Mann geschlagen und ausgeraubt haben. Der Zeuge, der den Vorfall am 5. Januar 2012 miterlebt haben will, verstrickt sich jedoch in Widersprüche. Unruhig rutscht er auf seinem Stuhl herum, blickt ständig zwischen dem Nebenkläger und dem Angeklagten hin und her. Mehrmals weist ihn der Vorsitzende Richter Franz Kompisch an, die Wahrheit zu sagen.

Mit einem etwa 50 Zentimeter langen Gegenstand soll der Angeklagte einen Gast in der Uelzener Kneipe etwa zehn Mal auf die Schulter geschlagen haben. Schließlich habe er dem Opfer die Geldbörse abgenommen und 70 Euro zurückbehalten. Der Gastronom räumt ein, mit dem hölzernen Halter einer Küchenrolle seinen Bekannten geschlagen zu haben. Auslöser für die Tat sei jedoch ein Fausthieb des Gastes gewesen. Zudem habe der Gast ihm zuvor den Inhalt eines Likör-Glases ins Gesicht und auf die Kleidung gekippt. Den Halter samt Papierrolle hat der Gastronom gestern für die Verhandlung mitgebracht. Dass er Geld entnommen haben soll, weist der Angeklagte von sich.

Der Zeuge hingegen hat den Raub in einer schriftlichen Aussage geschildert, will diese aber in der mündlichen Vernehmung nicht wiederholen. Der Prozessauftakt stellt die Geduld der Kammer auf eine harte Probe. Auch wenn „vieles im Sinne einer TV-Geschichte“ ablaufe, sagt Kompisch, so bitte er dennoch um den nötigen Ernst. Immer wieder erklärt er dem Zeugen, dass eine Falschaussage eine Freiheitsstrafe bedeute. Und dass dem Gastronom fünf bis 15 Jahre Gefängnis drohen, wenn er tatsächlich einen Raub begangen habe.

„Dummheit kann man Ihnen nicht attestieren“, sagt Richter Ulrich Subatzus zum Zeugen, „aber Sie winden sich wie ein Aal.“ Ein Schöffe schüttelt nur noch ungläubig den Kopf. „Sie eiern herum“, ärgert sich auch der Verteidiger des Angeklagten, Volker König, „ich werde Strafanzeige wegen Falschaussage erstatten.“ Schließlich ist klar: Der Zeuge hat die Aussage, die er im vergangenen Sommer der Staatsanwaltschaft zugeschickt hat, nicht selbst geschrieben. Getippt wurde sie vom Nebenkläger, vom Zeugen lediglich unterzeichnet. „Ich soll nicht umfallen“, habe er vor dem Prozessauftakt ständig vom Nebenkläger zu hören bekommen. Dieser wolle schließlich Schmerzensgeld und die 70 Euro zurückerhalten sowie den Gastwirt in seine Schranken weisen. Diese Aussage beeidigt der Zeuge.

Anschließend schlägt die Kammer vor, das Verfahren einzustellen. Die Staatsanwaltschaft fordert vom Angeklagten im Gegenzug eine Zahlung von 1200 Euro – darauf will sich der 51-Jährige nicht einlassen. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Von Diane Baatani

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