1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Stadt Uelzen

Ladendieb schlägt, tritt und beißt zu - Einzelhändler berichtet von häufigen Angriffen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lars Becker

Kommentare

Trotz solcher Schilder haben es Einzelhändler immer wieder mit Ladendieben zu tun und begeben sich in Gefahr, wenn sie versuchen, eine flüchtende Person aufzuhalten. Das wurde im Prozess am Amtsgericht Uelzen deutlich.
Trotz solcher Schilder haben es Einzelhändler immer wieder mit Ladendieben zu tun und begeben sich in Gefahr, wenn sie versuchen, eine flüchtende Person aufzuhalten. Das wurde im Prozess am Amtsgericht Uelzen deutlich. © dpa

Immer wieder sehen sich Beschäftigte im Einzelhandel mit dem Risiko konfrontiert, dass auf frischer Tat ertappte Ladendiebe nicht nur flüchten wollen, sondern auch aggressiv werden. Das wird im Prozess am Amtsgericht überdeutlich.

Uelzen – Großer Aufwand, relativ geringe Strafe: Auf diesen Nenner lässt sich der Prozess in Saal 1 des Amtsgerichtes Uelzen bringen. Angeklagt ist ein 33-jähriger Algerier. Er soll im November 2018 bereits in der Uelzener Kneipe „Nightlife“ zwei Jacken geklaut haben. Drei Wochen später soll er dann nach einem missglückten Ladendiebstahl in einem großen Kaufhaus der Stadt einen Angestellten mit der Faust ins Gesicht und in den Bauch geschlagen, ihm in den Genitalbereich getreten und in den Arm gebissen haben.

Der geduldete Asylbewerber bringt es im Auszug aus dem Bundeszentralregister bereits auf 13 Eintragungen: wegen Diebstahls, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, sexueller Belästigung und des Erschleichens von Leistungen. Mehrere Geldstrafen hat er bekommen, die er nicht bezahlen konnte. Deshalb sitzt er aktuell in der Justizvollzugsanstalt Bremen – und wird in Handschellen in den Saal geführt. Der Prozess beginnt erst 40 Minuten später, weil die Verteidigerin mit dem Zug aus Bremen anreist – der sich verspätet.

Strafe: 100 Tagessätze zu je drei Euro

Über eine Dolmetscherin folgt der Angeklagte der Verhandlung. Den Diebstahl der Jacken gibt er direkt zu, zur körperlichen Auseinandersetzung mit dem Einzelhändler äußert er sich zunächst nicht – erst im letzten Wort vor der Urteilsverkündung. Da bekundet er, dass es ihm leidtue, dass er den Mann verletzt habe und dass er hoffe, er könne ihm verzeihen.

Strafrichter Walter Graf Grote wertet das als spätes Geständnis. Am Ende wird der 33-Jährige wegen einfacher und nicht wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Diebstahls zu einer weiteren Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je drei Euro verurteilt. Die Höhe ist bei Gefängnis-Insassen vorgeschrieben, in Summe also 300 Euro. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht.

„20 bis 30 Mal bin ich schon geschlagen worden“

Was alle Prozessbeteiligten merklich betroffen macht, sind die Schilderungen des Zeugen, der vor dreieinhalb Jahren Schläge, Tritte und Bisse eingesteckt hatte. Der 31-Jährige konnte sich an den konkreten Fall eigentlich nur deshalb erinnern, weil es der bislang einzige war, bei dem ihm ein erwischter Ladendieb in die Genitalien getreten hatte. Mehrere Tage hatte er unter Schmerzen gelitten.

Der Mann schilderte, dass körperliche Übergriffe für ihn und seine Kollegen fast an der Tagesordnung stünden. Pro Monat käme es deswegen zu ein bis zwei Anzeigen. Ruhiger sei es nur zwischenzeitlich gewesen, als ein Sicherheitsdienst eingesetzt worden war. Den aber gibt es jetzt nicht mehr – also muss er meistens selbst versuchen, Ladendiebe zu stellen. „Da waren so viele andere Körperverletzungen – 20 bis 30 Mal bin ich schon geschlagen worden“, sagt er.

Wenn die Schiebetür nicht schnell genug öffnet...

Hilfreich erweist sich bisweilen, dass die beiden automatischen Schiebetüren im Laden zeitlich so getaktet sind, dass ein flüchtender Dieb in schöner Regelmäßigkeit mit Wucht gegen die zweite Tür rennt – weil die sich nicht so schnell öffnet, wie der Flüchtende rennt. „Das passiert eigentlich jedem, der wegrennt“, so der Zeuge. Darüber müssen selbst Richter, Staatsanwalt und Verteidigerin schmunzeln.

Dem Angeklagten ist das damals auch passiert, andere Kunden hielten den Mann fest, bis die Polizei kam. Jetzt will der gelernte Installateur möglichst schnell aus dem Gefängnis, eine Ausbildung machen und arbeiten.

Auch interessant

Kommentare