Sie sagen: Uns geht die Luft aus

Protestzug statt Karnevalslieder: Landwirte steuern Uelzener Betriebe an

Hermann Rosebrock (links) übergibt den Forderungskatalog an Uelzena-Geschäftsführer Uwe Radke (rechts). Rosebrock sagt: „Die Preise für Milch sind zu gering.“
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Hermann Rosebrock (links) übergibt den Forderungskatalog an Uelzena-Geschäftsführer Uwe Radke (rechts). Rosebrock sagt: „Die Preise für Milch sind zu gering.“

Uelzen – Um 11. 30 Uhr rollt die Kolonne. Zwölf Traktoren, wie Perlen aneinandergereiht, bahnen sich ihren Weg durch Uelzen. Es ist ein Bild, das allzu gut noch aus dem vergangenen Jahr in Erinnerung ist, als Landwirte auf den Straßen ihren Unmut zum Ausdruck brachten.

Gestern sind Bauern wieder unterwegs, ihre Sorgen sind nicht kleiner geworden – diesmal führt sie ihr Weg zu Betrieben in Uelzen, die Erzeugnisse der Landwirtschaft verarbeiten.

Im Gepäck: Schreiben, in denen sie Forderungen stellen und ihre Lage schildern: „In allen landwirtschaftlichen Bereichen und insbesondere bei den Tierhaltern brennt derzeit die Hütte“, heißt es in einem.

Der Protest in Uelzen ist Teil einer gestern stattfindenden bundesweiten Aktion, bei der Landwirte und Verbände aktiv werden. Der gewählte Titel „Schluss mit lustig – uns geht die Luft aus“ bezieht sich auf den traditionellen Startschuss für die Karnevalszeit am 11.11., der in diesem Jahr coronabedingt ausfällt.

Dafür haben sich in Uelzen gestern Bauern um 11.11 Uhr zur ersten Station vor der Uelzena eG versammelt – im Betrieb wird Milch weiterverarbeitet. Hermann Rosebrock vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM): „Die Preise für Milch sind zu gering.“ Es würden mindestens weitere 15 Cent benötigt, um die Kosten für die Milcherzeugung decken zu können. Gisela Webs, ebenfalls BDM, beklagt, dass der Einzelhandel wie auch die Molkereien mit Gewinnspannen arbeiteten. Am Ende der Kette stünden die Milchviehhalter – ohne Gewinn. „Unsere Spareinlagen gehen in die Betriebe, wir haben keine Reserven mehr“, so Webs. Die Dürre der letzten Jahre habe die Lage noch verschlimmert. Es müsse für teures Geld Futter eingekauft werden.

Die Forderung: Der Milchpreis muss auskömmlich sein. Damit das finanziert werden könne, müsse die Tüte dann auch im Supermarkt mehr kosten.

Für die Uelzena nimmt gestern Uwe Radke, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, die Forderungen der Landwirte entgegen. „Wir sitzen jeden Monat mit unseren Landwirten am Tisch“, gibt er zu bedenken.

Georg Sander von Nordzucker (rechts) nimmt kurz Stellung: „Wir haben die gleichen Interessen wie ihr.“

Abfahrt zur nächsten Station: Nordzucker. Mit staatlichen Zahlungen in anderen Ländern der EU an Rübenbauern komme es zu einer Wettbewerbsverzerrung, ärgern sich die hiesigen Bauern. Auch beim Einsatz von Unkrautvernichtern und Insektiziden werde unterschiedlich verfahren. „Wir wollen Wettbewerbsgleichheit“, sagt der Ebstorfer Landwirt Bastian Wolle.

Georg Sander, Leiter des Bereiches Landwirtschaft im Zuckerwerk, tritt vors Tor, äußert sich kurz: „Wir haben die gleichen Interessen wie ihr“, lässt er die Landwirte wissen, beklagt ebenfalls die Unterschiede innerhalb der EU.

Letzte Station: die Heilmann AG als Kartoffelhändler. Andreas Meyer, Landwirt aus Bienenbüttel: „Ich brauche drei Zertifizierungen für den Kartoffelanbau in Deutschland.“ Das bedeute einen Aktenordner mit Kriterien, die erfüllt werden müssten. Vier Mal werde der Landwirt kontrolliert – in anderen Länder würden nicht so strenge Vorgaben gemacht. Das Paradoxe: Kartoffeln aus dem Ausland würden nach Deutschland importiert.

Die Heilmann AG erklärt gestern, sich die Schreiben in Ruhe anschauen zu wollen. Man werde dann reagieren. Von Nordzucker und Uelzena ist gestern Vergleichbares zu hören. Die Protestaktion fordert bis zum 19. November eine Antwort. „Wir kommen wieder und holen sie ab“, kündigt Hermann Rosebrock an.

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