Forderung: In der EU muss es fair zugehen

Protest in Uelzen: Rübenbauern sind wütend

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Mitarbeiter des Uelzener Nordzucker-Werks und Rübenanbauer sind am Mittwoch in Uelzen zu einer Protest-Aktion zusammengekommen.

Uelzen – Die Geduld ist aufgebraucht. Das ist die Botschaft an die Politik. Landwirte aus der Region und Mitarbeiter von Nordzucker sind am Mittwoch zu einer Protest-Aktion in Uelzen zusammengekommen.

Beklagt wurde, dass es innerhalb der Europäischen Union eine politisch verschuldete Wettbewerbsverzerrung gebe.

Konkret: In elf Ländern werden für den Anbau von Zuckerrüben Sonderbeihilfen gezahlt – Deutschland ist nicht darunter. Eine solche Situation führe im schlimmsten Fall dazu, dass Unternehmen in Nicht-Subventionsländern in wirtschaftliche Schieflagen geraten, so Nordzucker-Sprecher Christian Kionka. Womöglich müssten Werke schließen. Für Nordzucker mag sich das gestern keiner ausmalen. Die Region lebt vom Rübenanbau und der Zucker-Produktion.

Rund 700 Landwirte aus dem Landkreis Uelzen und gut 1200 weitere aus dem norddeutschen Raum beliefern das Uelzener Zuckerwerk, in dem zu Kampagnenzeiten auch rund 300 Männer und Frauen arbeiten. „Es wird immer schnell gesagt, Landwirte könnten auch andere Früchte anbauen. Aber der Anbau der Zuckerrübe ist für Landwirte hier in der Region auch existenziell“, so Eckhard Hinrichs, Vorsitzender des Rübenanbauer- und Aktionärsverbands Nord gestern.

Heinrich-Hubertus Helmke, Geschäftsführer des Dachverbandes Norddeutscher Zuckerrübenanbauer betonte, dass mit dem Protest ausdrücklich nicht gegen die EU gewettert werden solle. „Wir wollen einen gemeinsamen EU-Markt. In diesem muss es aber einheitlich und fair zugehen“, so der Geschäftsführer. Die Politik dürfe nicht zulassen, dass in einzelnen Länder andere Regelungen gelten, unterstrich Nordzucker-Sprecher Kionka.

Heinrich-Hubertus Helmke vermochte noch ein weiteres Beispiel nennen, wodurch es zu einer Wettbewerbsverzerrung kommt. In Deutschland sei der Einsatz sogenannter neonicotinoider Beizmittel inzwischen verboten. Dabei handelt es sich um Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen. Für zwölf Länder in der EU gebe es Ausnahmeregelungen. „Das darf nicht sein.“

Bei Protest-Aktionen wie nun in Uelzen soll es nicht bleiben. Die Zuckerwirtschaft, also Anbauer und Firmen, wird in der nächsten Woche mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zusammensitzen und mit über das Thema sprechen.

VON NORMAN REUTER

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