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Protest gegen Bahn-Pläne: 250 Teilnehmer bei Lichtermarsch und Andacht in Uelzen

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Von: Oliver Huchthausen

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Pastor Ulrich steht vor den Teilnehmern der Protestaktion im Bestattungswald und hält eine Andacht.
Pastor Ulrich Hillmer (rechts) hielt eine Andacht bei der Protestaktion gegen die Streckenneubau-Pläne der Deutschen Bahn. © Oliver Huchthausen

Etwa 250 Bürger haben am Sonnabend an einem Lichtermarsch mit Andacht im Uelzener Bestattungswald teilgenommen. Dazu aufgerufen hatte die Bürgerinitiative „Kirch- und Westerweyhe DB Trassenwahn“. Pastor Ulrich Hillmer rief die Anwesenden zu Beharrlichkeit im Kampf gegen eine mögliche Neubahntrasse mitten durch den Stadtwald auf.

Uelzen – Es geht weiter mit den Aktionen der Bürgerinitiative „Kirch- und Westerweyhe DB Trassenwahn“. Mit einem Lichtermarsch vom Parkplatz am Uelzener Fischerhof zum nahe gelegenen Bestattungswald brachten am Samstagmittag fast 250 Menschen erneut ihren Protest gegen die Streckenneubau-Pläne der Deutschen Bahn (AZ berichtete) zum Ausdruck.

Unter ihnen waren auch zwei junge Mädchen, die ein Schild mit der Aufschrift „Endstation Trassenwahn“ in die Höhe hielten und unterwegs „Keine Schienen, keine Schienen“ skandierten. Es sind Lisbeth Katharina und Jonna Luisa. Die beiden Achtjährigen verbindet ein persönliches Interesse daran, dass die geplante Bahntrasse niemals kommt. Denn bei Lisbeth Katharina würden die Schienen direkt vor dem Elternhaus entlangführen und der Opa von Jonna Luisa wurde im Bestattungswald beigesetzt.

An diesem idyllischen Ort, mitten im städtischen Forst gelegen und in unmittelbarer Nähe zu der geplanten Trasse, werden schon seit 50 Jahren Gottesdienste abgehalten, erklärte Pastor Ulrich Hillmer den Anwesenden. In seiner Andacht erinnerte Hillmer, der eine Pfarrstelle in Kirchweyhe-Westerweyhe besetzt, aber auch als Seelsorger im Helios-Klinikum tätig ist, an eine ähnliche Situation vor rund 20 Jahren: „Damals wurde das neue Klinikum gebaut und es ging um die Frage der Zufahrtswege. Da sagte der damalige Bürgermeister Otto Lukat folgenden Satz: ,Der Stadtwald wird nicht angetastet‘, was seinerzeit weitere Diskussionen im Keim erstickte.“

Hillmer sagte, es sei aber auch klar, dass man es in diesem Fall mit einem Gegner von ganz anderem Kaliber zu tun habe. „Das ist jetzt eine Bundesangelegenheit, da interessiert man sich nicht für regionale Bedenken und ist offensichtlich in der Lage, geltende Gesetze auszuhebeln“. Eine Situation, der man leicht mit ohnmächtigen Gefühlen gegenüberstehen könnte. Aber es gebe Hoffnung, so Hillmer: Anhand des langen Kampfes gegen die Ortsumgehung in Kirchweyhe oder auch der noch länger zurückliegenden Proteste gegen das atomare Zwischenlager in Gorleben sehe man, dass Beharrlichkeit eine Menge bewirken könne.

Hillmer zitierte eine Geschichte aus dem Alten Testament, als sich Jakob mit Gott persönlich angelegt hatte, einem schier übermächtigen Gegner. Auch da hatte Beharrlichkeit die entscheidende Rolle gespielt. Getreu dem biblischen Vorbild legte Hillmer nach der Andacht einen Stein auf dem Waldboden ab: „Ich möchte das ab sofort bei jedem Gottesdienst tun, so lange, bis der Steinhaufen so hoch ist, dass man ihn auch von Berlin aus erkennen kann.“ Am Ende der Andacht stand eine Schweigeminute, um die Stille und Würde des Ortes bewusst wahrnehmen zu können. Passend dazu setzte leichter Schneefall ein.

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