Hans-Jürgen Luckard zieht sich wegen verkürzter Anwendungs-Zeiten im Thermen-Foyer um

Protest in Badelatschen

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Statt 90 nur noch 70 Minuten: Hans-Jürgen Luckard machte gestern mit einer Umzieh-Aktion im Foyer auf die verschärfte Zeitregelung in der Bad Bevenser Therme aufmerksam.

stk/wb Bad Bevensen. Da staunten Kassenkräfte und Besucher nicht schlecht: Nur mit einem Badehandtuch und Badehose bekleidet verließ Hans-Jürgen Luckard am Montagmittag die Bad Bevenser Jod-Sole-Therme, um sich in aller Ruhe im Foyer anzuziehen.

Der 66-jährige Uelzener hätte die Umkleidekabine sehr wohl gefunden – mit dem öffentlichen Anziehen protestierte er gegen verkürzte Zeiten für Anwendungen.

90 Minuten hatte der Rentner bisher für die ärztlich verordnete Gruppengymnastik. Das reichte auch noch für eine Runde Schwimmen im warmen Salzwasser der Therme. Seit dem 1. Mai hat Luckard nur noch 70 Minuten Zeit. Überzieht er nur um eine Minute, muss er 5 Euro nachzahlen. „Das ist Abzocke“, ärgert sich Luckard. „Das finde ich nicht kundenfreundlich.“

Gerade für Gehbehinderte wie ihn sei die verschärfte Zeitregelung der Jod-Sole-Therme eine Zumutung. Ältere Patienten bräuchten zudem noch Zeit zum Liegen und Entspannen. „15 Minuten brauche ich zum Ausziehen und Duschen. 15 Minuten zum Anziehen“, rechnet der ehemalige Außendienstler vor. „Man muss sehen, dass man schnell rauskommt. Wie soll ich das ohne Zeitüberschreitung schaffen?“

Uwe Winter bestätigt, dass die Zeitregelung für Anwendungen verschärft wurde. „Wer braucht 15 Minuten zum Anziehen?“, fragt der Geschäftsführer der Bevenser Kurgesellschaft. „Für alle Behandlungen – Massagen, Fango oder Krankengymnastik bekommen die Gäste von uns zusätzlich zur Behandlungszeit 30 Minuten für das Umkleiden gutgeschrieben. Dies ist eine mehr als großzügige Regelung.“ Wer wie Luckard das 25-minütige Bewegungsbad nutze, habe sogar 45 Minuten zum Umziehen, berichtet Winter. „Damit haben selbst Gäste mit Rollatoren genügend Zeit, sich in Ruhe umzuziehen, was im übrigen unsere Gäste den Mitarbeitern an der Kasse auch immer wieder bestätigen.“

Tatsächlich gehe es um etwas anderes. „Das Argument ist vorgeschoben. Die Gäste haben schnell mitbekommen, dass sie, ohne bezahlen zu müssen, schwimmen gehen können. Das ist aber gegenüber den Badgästen ungerecht, die 10 Euro Eintritt zahlen“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir haben festgestellt, dass viele Leute diese Tariflücke ausgenutzt haben. Bei der Haushaltslage können wir uns das nicht mehr leisten.“

Vor etwa einem Jahr wurde das Kurmittelhaus geschlossen, weil es hohe Defizite einfuhr. Seitdem nutzen Besucher mit Anwendungen das Spa-Vital-Center der Jod-Sole-Therme. 29 000 solcher Anwendungen verzeichnet die Therme im Jahr, 300 000 Badegäste werden gezählt. Das Problem: Sie haben nun auch Zutritt zur Therme, für die sie gar nicht bezahlt haben. Das fällt genau dann immer auf, wenn die Zeit überschritten wird und die Gäste nachzahlen müssen.

Die Sole-Therme duldet das Schwimmen, aber bei Zeitüberschreitung müsse eben gezahlt werden. „Er kann ja anschließend schwimmen. Aber er soll bezahlen“, sagt Winter in Hinsicht auf den protestierenden Gast. Dabei seien 5 Euro noch ein Entgegenkommen – der Grundtarif für das Schwimmen in der Bevenser Therme betrage 10 Euro. „Wir erklären das ausführlich, und die meisten verstehen das auch“, berichtet Winter. Die Umzieh-Aktion im Foyer wollte er gestern am liebsten komplett verhindert – aus „hygienischen Gründen“, wie der Chef der Kur GmbH erklärt. Außerdem gehe es um das „Prinzip der Gerechtigkeit“: „Sonst könnte ja jeder Gast die Zeit zum Schwimmen nutzen und sich im Foyer umziehen.“

Von Wiebke Brütt und Gerhard Sternitzke

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