Landtagsabgeordneter will Situation der Frauen hinterfragen / Betroffene berichtet

Prostitution: Mehr Schutz nötig?

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ap Uelzen/Gifhorn. Prostituierte sollen eine Stimme bekommen.

Das hat sich Grünen-Landtagsabgeordneter Heiner Scholing auf die Fahnen geschrieben – er will als Mitglied des vom Land initiierten „Runden Tischs Prostitution“ die Situation der Frauen in Niedersachsen verbessern.

Zusammen mit Polizei, Vertretern von Beratungsstellen und Berufsverbänden werde versucht, Klarheit darüber zu schaffen, inwieweit kriminelle Vereinigungen die Prostitution steuern. Und mehr noch: „Es wäre auch zu klären: Reichen unsere Instrumente, um die Prostituierten zu schützen?“, so Scholing.

Erst im vergangenen Monat war eine Prostituierte aus einem sogenannten „Lovemobil“ an der B 4 zwischen Gifhorn und Uelzen entführt, vergewaltigt und ausgeraubt worden (AZ berichtete). Noch immer hofft die Polizei auf Zeugen, die Angaben zu den Tätern geben können.

Beim Landkreis Uelzen wisse man zwar um die Problematik der Überfälle an der B 4, sagt Kreissprecher Martin Theine, könne daraus aber schon aufgrund fehlender Rechtsgrundlage keine Konsequenzen ziehen. Einzig die Beamten der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen sehen in unregelmäßigen Abständen auf der Strecke im Süden des Kreises nach dem Rechten. Neben dem Risiko der Frauen, Opfer von Überfällen und Aggressionsdelikten zu werden, nennt Polizeisprecher Kai Richter die Problematik der Zuhälterei. „Da wird es sicherlich ein großes Dunkelfeld geben.“ Grund seien fehlende Angaben der Opfer, die häufig in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Zuhältern stünden.

Deutsche Gesundheitsämter müssen Untersuchungen für Prostituierte anbieten, diese seien allerdings längst nicht mehr verpflichtend wahrzunehmen, so Dr. Gerhard Wermes, Leiter des Gesundheitsamtes Uelzen/Lüchow-Dannenberg. Wie viele der Frauen die Angebote zum Aids-Test und zur Beratung nutzen, könne man nicht sicher sagen. Über dieses Thema und den Alltag im „Lovemobil“ hat die AZ mit einer Prostituierten an der B 4 gesprochen.

Die Reportage steht heute in der gedruckten sowie auch in der digitalen Ausgabe.

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