Ein Verein wird zum Vermieter

Projektstart: Lebensraum Diakonie organisiert nun sozialen Wohnraum

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Das Team der sozialen Wohnraumhilfe (von links): Pia Doerr, Tanja Klomfass, Kirn Khalsa und Beate Steinmann.

Uelzen – Tanja Klomfass vom Verein Lebensraum Diakonie hat in der sozialen Beratung immer wieder Menschen vor sich sitzen, die bei der Suche nach einer Wohnung gescheitert sind. Weil sie Schufa-Einträge besitzen. Weil die staatlichen Leistungen nicht reichen. Oder weil sie aus der Obdachlosigkeit kommen.

Ihnen will der Lebenraum Diakonie nun dabei helfen, eine Wohnung in der Region zu bekommen.

Der Verein mit kirchlichem Hintergrund hat das Programm „soziale Wohnraumhilfe“ für den Landkreis Uelzen gestartet. Das Vorgehen: Der Verein mietet Wohnungen an, diese werden weitervermietet – eben an Menschen in Lebensumständen, die eine Wohnungssuche erschweren. Erst recht in Zeiten, in denen es zu wenig Wohnraum gibt. In der Nachbarstadt Lüneburg existiert eine solche soziale Wohnraumhilfe bereits seit einem Jahrzehnt. „Der Verein hat dort 180 Wohnungen im Bestand“, so Tanja Klomfass. Die Mieter werden nicht sich selbst überlassen sein. Der Verein beschäftigt für das Projekt Pia Doerr, die sich als Sozialarbeiterin um die Menschen kümmern wird. Kirn Khalsa ist Ansprechpartner, wenn Reparaturen zu erledigen sind. Mit dem Team stellt der Verein sicher, dass Wohnungen beispielsweise nicht verwahrlost zurückgelassen werden – ein Horrorszenario für Vermieter, die deswegen womöglich davor zurückschrecken, Menschen ohne vorherigen festen Wohnsitz oder mit Schufa-Einträgen als Mieter zu nehmen. Bei der „sozialen Wohnraumhilfe“ ist das Team des Vereins Lebenraum Diakonie Ansprechpartner für den Vermieter, der Verein zahlt auch die Miete, sodass der Vermieter nicht die Sorge haben muss, kein Geld zu bekommen. Tanja Klomfass erinnert an die Zeiten 2015, als der Landkreis für die Flüchtlinge Wohnungen suchte und auch fündig wurde, weil die Eigentümer im Landkreis einen „sicheren“ Mieter sahen.

Beate Steinmann, die beim Verein nun für die Wohnungsakquise zuständig ist, berichtet, dass sich Vermieter offen für das Projekt zeigen. Eine erste Familie konnte bereits untergebracht werden. Beate Steinmann macht sich aber nichts vor: „Es wird noch schwierig genug, ausreichend Wohnungen zu finden.“ Deswegen ergeht auch die Bitte an Vermieter, sich beim Lebensraum Diakonie zu melden, sollten sie freien Wohnungen anbieten können.

Der Verein will mit dem Projekt nichts verdienen. „Es wird plus minus null ausgehen“, so Tanja Klomfass. Zum Start stehen dem Verein Fördergelder der Glücksspirale zur Verfügung. Weil die Mieterklientel fast ausschließlich auf Transferleistungen des Staates angewiesen sein wird, für die Mietobergrenzen gelten, soll künftig die Finanzierung des Projekts wie folgt sichergestellt werden: Die Wohnungen werden für einen Betrag knapp unterhalb der Mietobergrenze gemietet. Mit dem Differenzbetrag bis zur Obergrenze werden die Ausgaben für die Sozialarbeiterin, den Techniker oder auch für die Wohnungsakquise finanziert.

VON NORMAN REUTER

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