Gewerkschafter zur Situation von Lokführern

Probleme mit dem Traumberuf: Gestrichene Metronom-Verbindungen und freie Stellen

Lokführer – lange zumindest für viele Jungen ein Traumberuf, heute für viele Eisenbahnunternehmen Mangelware am Arbeitsmarkt. Der Beruf habe sich seit den 90iger Jahren in manchen Bereichen zum Schlechten verändert, berichtet ein Gewerkschafter. Archivfoto: Philipp Schulze
+
Lokführer – lange zumindest für viele Jungen ein Traumberuf, heute für viele Eisenbahnunternehmen Mangelware am Arbeitsmarkt. Der Beruf habe sich seit den 90iger Jahren in manchen Bereichen zum Schlechten verändert, berichtet ein Gewerkschafter.
  • vonSteffen Kahl
    schließen

Uelzen. Heute und morgen noch fallen auf der Strecke Uelzen-Hamburg drei Verbindungen aus. Grund für ihre vorrübergehende Streichung durch die Uelzener Metronom Eisenbahngesellschaft war unter anderem die dünne Personaldecke.

Wie bei anderen Untenehmen fällt es auch in Uelzen schwer, ausreichend geeignetes Personal zu finden, elf Lokführerstellen sind unbesetzt (AZ berichtete). Dennoch sagte Unternehmenssprecher Björn Pamperin jüngst gegenüber der AZ, Lokführer sei weiterhin ein „Traumberuf“.

Harald Ketelhöhn

Harald Ketelhöhn äußert sich hierzu differenzierter. Er ist Lokführer in Diensten der Deutschen Bahn und stellvertretender Bezirksvorsitzender in der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) Nord. „Ich mache das nach wie vor gerne“, sagt Ketelhöhn. Er lobt das kollegiale Miteinander bei der Bahn, beschreibt den Umgang mit Fahrgästen positiv und zeigt Begeisterung für das Fahren der tonnenschweren Fahrzeuge und die Leistung, die nötig sei für deren Beschleunigung. Gerade in der jetzigen Jahreszeit werde zudem das Thema Verantwortung besonders wichtig. Glatt werde es auf den Schienen, die Gleise durch Feuchtigkeit und herunterfallendes Laub schmierig und das Anhalten erfordere unter diesen Gegebenheiten „eine Menge Feingefühl“.

Unter diesen Bedingungen die Fahrzeiten einzuhalten sei durchaus eine Herausforderung, meint Ketelhöhn und spricht damit die schwierigen Seiten des Jobs an.

„Die Belastungen sind deutlich gestiegen“, sagt der Gewerkschafter. Der Ausschreibungswettbewerb durch die Landesnahverkehrsgesellschaft zwänge die Unternehmen zu hoher Effektivität. Entwickelt habe sich vielfach ein Schichtsystem mit sehr langen Früh- und Spätschichten, die teils um drei Uhr morgens begännen und um zwei Uhr nachts endeten. Zudem fordere die LNVG mehr Wochenendfahrten, wodurch sich der Wochenend-Takt kaum noch von dem unter der Woche unterscheide. „Mein Dienstplan bestimmt das Leben meiner Familie“, sagt Ketelhöhn.

Hinzu kämen zusätzliche betriebliche Aufgaben für die Lokführer. „Früher konnten die Zugbegleiter auch noch technische Fehler beheben, heute macht das alles der Lokführer.“ Aus der früheren Teamarbeit sei so eine alleinige Verantwort geworden.

Zudem leide der Beruf Lokführer unter seinem Image. „Total kontraproduktiv“ sei beispielsweise die Aussage von Bahnchef Rüdiger Grube, Züge könnten ab 2023 ohne Lokführer fahren. „Wer erlernt noch einen Beruf, den er nach drei Jahren Ausbildung noch kurz ausüben kann“, fragt Ketelhöhn. Auch Lokführer-Streiks hätten am Image gekratzt – „aber die waren nötig“, so der Gewerkschafter. Seit der Privatisierung der Bahn 1992 habe der Wettbewerb über Personalkosten stattgefunden, die GDL mit der Tarifeinführung 2007 entgegengewirkt. Das Einstiegsgehalt liege jetzt bei 2600 Euro, plus Zulagen.

Die Uelzener Eisenbahngesellschaft lobt der Gewerkschafter in diesem Zusammenhang: „Metronom hat immer hohe Ansprüche an die Lokführer gestellt – aber auch gut gezahlt.“ Für die Gewinnung weiteren Personals ist aus Sicht von Harald Ketelhöhn wichtig, die positiven Seiten des Berufs herauszustellen und: „Bei der Arbeitszeit noch was tun.“

Von Steffen Kahl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare