Polizei und Schulleiter in Uelzen betonen gute Zusammenarbeit / Kein Ansteigen der Kriminalität

Prävention, Razzia, Ruhe

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Ein Einigungsvertrag ist ein Element des landesweiten Präventionsprojektes „Buddy“. Auf dieses und diverse weitere Maßnahmen zur Prävention weist die Landesschulbehörde Niedersachsen hin. Bei Bedarf unterstütze die Behörde Schulen auch individuell. 

Uelzen. Mehr Kriminalität an Schulen? Die AZ hatte gestern über eine deutlich gestiegene Zahl von Schulstraftaten berichtet. Landesweit, meldete zuvor die Deutsche Presseagentur, sei deren Zahl um 32 Prozent auf 5556 Fälle gestiegen.

Sind also auch Schüler in Uelzen in erhöhter Gefahr, Opfer von Körperverletzungen und Diebstählen zu werden?.

Nein, sagt Dieter Klingforth, Leiter des Polizeikommissariats Uelzen. Der Beamte verweist in diesem Zusammenhang zunächst auf die Ende Februar veröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen, die für das zurückliegende Jahr einen Rückgang der angezeigten Straftaten um 748 auf 4973 auswies. Die Beamten aus den zuständigen Sachgebieten hätten zudem keine Auffälligkeiten an den Schulen beobachtet, es gebe „keine Signale, dass wir Steigerungsraten hätten“, berichtet Klingforth.

Eine konkrete Analyse von Tatorten bei angezeigten Straftaten ergibt gestern: An allen 41 Schulstandorten im Landkreis Uelzen gab es 2016 55 angezeigte Straftaten, 2017 53 angezeigte Straftaten. In den häufigsten Fällen Diebstähle. Das landesweit wahrgenommene Phänomen steigender Straftaten an Schulen sei von daher nicht im Landkreis Uelzen zu beobachten, urteilt Klingforth.

Dazu, dass Schulen im Landkreis Uelzen keine Orte seien, an denen man sich Sorgen machen müsse Opfer einer Straftat zu werden, trage auch die Präventionsarbeit zum „Normenverständnis“ bei, erklärt Klingforth weiter. So würde Schülern mit dem Hinweis auf den Straftatbestand klargemacht, dass sie sich nicht „durchbeleidigen“ dürften. Die Zusammenarbeit mit den Schulen bezeichnet der Kommissariatsleiter als „sehr gut“.

Einschätzungen, die Andreas Grunert, Leiter der Berufsbildenden Schulen II (Georgsanstalt), teilt. „Wir haben keine Steigerung in den letzten Jahren. Und das Niveau ist insgesamt gering“, erklärt der Schulleiter in Bezug auf Gewalt und Delikte an seiner Schule. Innerhalb der Georgsanstalt interveniere man rechtzeitig – nötigenfalls auch in Kooperation mit der Polizei. So sei in der Vergangenheit bei auffälligem Verhalten einzelner Schüler oder nach Funden von Haschisch-Krümeln entsprechende Ansprachen durch Polizeibeamte erfolgt. „Die Polizei unterstützt uns sehr gut“, meint Grunert.

Ins gleiche Horn stößt Stefan Nowatschin, Leiter der BBS I. Er könne sich, so Nowatschin im AZ-Gespräch, lediglich an einen Fall einer körperlichen Auseinandersetzung von zwei, drei Schülern im Herbst erinnern, nach der zum weiteren Vorgehen konferiert werden musste – bei 2000 Schülern könne man nach einem Vorfall aber nicht von einer dramatischen Entwicklung sprechen.

Vielmehr, so Nowatschin weiter, zahle sich aus, „dass wir Präventionsprogramme haben“. Hierzu zähle die Schulsozialarbeit, Coaching sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote. Auch die allgemeine Beziehungsarbeit, vor allem durch die Klassenlehrer, leiste einen wertvollen Beitrag. Genauso wie die Regeln für das Zusammenleben, die in den Klassen aushingen. Zudem biete das „Trainigsraum-Konzept“ Schülern, die den Alltag störten, die Möglichkeit zur Reflexion mit dafür abgestellten Lehrkräften und wirke deeskalierend.

Auch aus Sicht Nowatschins läuft die Zusammenarbeit mit der Polizei gut. „Vor Jahren“ hätten die Beamten mal eine Razzia wegen Drogen durchführen müssen – „seitdem ist es ruhig“.

Von Steffen Kahl

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