1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Stadt Uelzen

Posse in Rosche: Grund- und Oberschule dürfen Geräte nicht gegenseitig nutzen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bernd Schossadowski

Kommentare

Susanne Prehm, Leiterin der Grundschule Rosche, wundert sich: Der Landkreis hat im Schulgebäude einen zweiten Kopierer (rechts) installiert, den nur die Oberschule nutzen darf. Links der Kopierer der Grundschule.
Susanne Prehm, Leiterin der Grundschule Rosche, wundert sich: Der Landkreis hat im Schulgebäude einen zweiten Kopierer (rechts) installiert, den nur die Oberschule nutzen darf. Links der Kopierer der Grundschule. © Schossadowski, Bernd

Klingt wie ein Scherz, ist aber wahr. Den Computerraum dürfen sich die Schulen in Rosche teilen, beim Kopierer aber darf nicht einmal Papier vom jeweils anderen genommen werden.

Wenn Susanne Prehm, Leiterin der Grundschule Rosche, den Computerraum im Schulgebäude betritt, fällt ihr Blick auf zwei große Kopierer. Der hintere gehört der Grundschule – sie befindet sich in der Trägerschaft der Samtgemeinde Rosche. Der vordere darf hingegen nur von der Oberschule genutzt werden, die sich im selben Gebäude befindet und für die der Landkreis zuständig ist. Eine gegenseitige Nutzung der Geräte oder auch nur des Kopierpapiers durch die Lehrkräfte ist nicht erlaubt. Das kann Prehm nicht verstehen. „Das ist Kinderkram, was das passiert. Der Landkreis kocht sein eigenes Süppchen. Ich finde das furchtbar, das ist keine gute Art und Weise der Zusammenarbeit“, ärgert sie sich.

Was wie eine Behörden-Posse klingt, ist bittere Realität. Bis vor Kurzem haben sich beide Schulen einen Kopierer geteilt. Doch in den Osterferien erschien plötzlich ein Mitarbeiter des IT-Verbundes Uelzen, beauftragt vom Landkreis, in der Schule und installierte einen eigenen Kopierer – jenen, auf den nur das Kollegium der Oberschule zugreifen darf.

Fataler Nebeneffekt: Der Mitarbeiter des IT-Verbundes nahm den alten Kopierer ohne Rücksprache mit der Samtgemeinde einfach vom Netz, sodass er der Grundschule nicht mehr zur Verfügung stand. Möglicherweise dachte er, ein Gerät reiche für beide Schulen aus. „Ich habe mich wahnsinnig darüber geärgert“, sagte Samtgemeindebürgermeister Michael Widdecke in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses. Nachdem er den IT-Verbund angerufen hatte, wurde der Kopierer der Grundschule sofort wieder angeschlossen. Trotzdem stellt Widdecke klar: „Die Schule gehört der Samtgemeinde Rosche, der Landkreis ist dort Gast.“

Susanne Prehm betont, dass die Kollegien beider Schulen einen sehr guten Draht zueinander hätten. „Katastrophal“ verlaufe indes die Zusammenarbeit mit dem Landkreis. „Man macht uns von außen Stress“, sagt sie. Dass die Grundschule noch nicht mal das Kopierpapier der Oberschule nutzen dürfe, sei nicht nachvollziehbar: „Das macht uns ein bisschen mürbe“, gibt Prehm zu. „Es ist nicht praktikabel, hier zwei riesige Kopierer direkt nebeneinander stehen zu haben. Das nimmt nur Platz im Computerraum weg.“

Rolf Seidler, Rektor der Oberschule, sieht das genauso. „Wir arbeiten super zusammen. Früher war es einfacher. Für uns wird es jetzt komplizierter“, sagt er mit Blick auf die beiden Kopierer.

Dagegen verteidigt Kreissprecher Marcus Christ das Vorgehen. Der Landkreis modernisiere derzeit alle weiterführenden Schulen digital. Das Schul- und Kulturamt habe hierzu einen Maßnahmenkatalog entworfen, den der IT-Verbund, dem die Samtgemeinde Rosche nicht angehört, im Auftrag des Kreises abarbeite. „Ein Baustein dieser Modernisierung ist eine neue Druckerlösung für alle Schulen in Trägerschaft des Landkreises. Dieses neue Druckerkonzept setzt einheitliche Standards an unseren Schulen“, erklärt Christ. Dafür sei ein langfristiger Vertrag geschlossen worden.

Aufgrund der unterschiedlichen Trägerschaft zwischen Grund- und Oberschule ergeben sich laut Christ verschiedene Anforderungen im IT-Betrieb. „Ein Nachteil wird durch das Aufstellen eines eigenen Gerätes nicht gesehen. Vielmehr trägt nunmehr jede Schule ihre eigenen Kosten“, sagt Christ. Im Übrigen sei der Drucker in den Osterferien an die Oberschule Rosche geliefert und dort in Betrieb genommen worden. „Daher war hier zu keiner Zeit ein fortlaufender Betrieb – auch nach den Ferien – gefährdet“, betont Christ.

Auch interessant

Kommentare