Suchtberatung Uelzen sieht große Gefahr bei exzessiver Mediennutzung

Pornos in Kinderhänden

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Suchtpotenzial: Zwanzig Prozent der 16 bis 19-jährigen Jungen (1,4 Prozent der Mädchen) konsumieren täglich Pornografie im Netz. Eltern müssten sich ansehen, was ihre Kinder im Internet machen, fordert Martina Lapins von der Uelzener Suchtberatung.

Landkreis Uelzen. 19 Stunden am Tag vor dem PC sitzen und in Online-Spielwelten abtauchen. Sich nicht mehr mit Freunden treffen, sondern stattdessen lieber stundenlang im Internet chatten.

Wie viel Facebook am Tag ist eigentlich noch in Ordnung? Gibt’s Empfehlungen? Wissen Eltern eigentlich, dass ihre Kinder problemlos an Online-Pornos kommen? Viele Fragen und eine Antwort: Mediensucht ist keine anerkannte Krankheit wie etwa Medikamentensucht oder Alkoholismus – dennoch gibt es sie. Das wissen die Mitarbeiter der Suchtberatung des Diakonischen Werks in Uelzen. Das Problem nur ist, Mediensucht und schädliche Mediennutzung zu erkennen.

Martina Lapins

„Wir können das nicht an Nutzungszeiten festmachen“, betont Martina Lapins, Leiterin der Uelzener Fachstelle an der Veerßer Straße. Menschen, die beispielsweise durch ihren Beruf täglich viele Stunden vor dem PC säßen, wären ja nicht gleich süchtig oder suchtgefährdet. Auch sei nicht alles schlecht: Kindern und Jugendlichen biete das Netz schließlich viele Lern- und Bildungsmöglichkeiten an, die vor 20 Jahren noch an Science-Fiction grenzten. Also was tun? „Betroffene und auch Eltern müssen auf Veränderungen achten“, betont Lapins. Oft sei das Abgleiten in eine Sucht der Versuch, sich abzuschotten. Beruf, Freunde und Hobbies würden vernachlässigt, erklärt sie. „Auf solche Signale müssen Eltern, Verwandte und Freunde reagieren.“ Das entpuppt sich in der Praxis aber als gar nicht so einfach. Denn gerade Kinder und Jugendliche sind mit dem Internet und dem PC groß geworden, wissen technische Schranken und Sperren meist zu umgehen.

Die ältere Generation habe da oft Schwierigkeiten hinterherzukommen, wissen die Uelzener Berater aus ihrer Praxis. „Eltern müssen sich ansehen, was genau ihre Kinder im Einzelnen so fasziniert am Internet. Sie müssen es verstehen lernen“, unterstreicht Lapins.

Als „nicht ungefährlich“ bezeichnet die Uelzener Fachstellen-Leiterin die Nutzung von Smartphones: „Da haben Eltern immer weniger die Möglichkeit der Kontrolle.“ Neben der Gefahr einer Mediensucht steige durch exzessive oder zumindest häufige Mediennutzung ebenfalls das Risiko, dass Kinder und Jugendliche im Internet Informationen von sich preisgeben, die ihnen schaden könnten oder dass sie solche erhalten, die ihnen schaden. Denn Kinder und Jugendliche gelangen nachweislich problemlos an nicht altersgerechte Inhalte.

Im Netz, auf dem Smartphone und auf dem Schulhof werden sie mit Online-Inhalten konfrontiert, die sie nachhaltig negativ beeinflussen können. Zwanzig Prozent der 16 bis 19-jährigen Jungen (1,4 Prozent der Mädchen) konsumieren beispielsweise täglich Pornografie. Pornokonsum gefährde die Beziehungsfähigkeit, fördere sexuelle Gewalt und berge ein hohes Suchtpotenzial, das wissen auch die Uelzener Berater. Zahlen und Daten stammen von return-mediensucht.de – einem Internetportal, das Betroffene, Eltern und Jugendliche unter anderem über Mediensucht aufklärt.

Häufiger Medienkonsum und häufige Mediennutzung sprechen nicht immer gleich für eine Sucht. Die Augen verschließen dürfe jedoch keiner. „Das wäre blauäugig anzunehmen, nur weil das eigene Kind keine Drogen konsumiere, dass es nicht trotzdem abhängig sein kann“, warnt Lapins.

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