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Porno-Dateien: 46-Jähriger aus dem Kreis Uelzen hat verbotene Fotos auf dem Handy

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215 kinder- und jugendpornografische Dateien finden Ermittler auf dem Handy des 46-Jährigen aus Ebstorf. Das Schöffengericht Uelzen verurteilt ihn gestern.,
215 kinder- und jugendpornografische Dateien finden Ermittler auf dem Handy des 46-Jährigen aus Ebstorf. Das Schöffengericht Uelzen verurteilt ihn gestern. © Agenturen

Das Schöffengericht Uelzen hat einen 46-Jährigen verurteilt, der mehr als 200 kinder- wie jugendpornografische Bilder auf dem Handy abgespeichert hatte. Im Juni stand bei ihm die Polizei vor der Tür – nach einem Hinweis aus den USA.


Uelzen – Es gibt Urteile, die für den Täter bei aller Härte nicht annähernd so schwer zu verkraften sind wie die persönlichen Konsequenzen aus einer Straftat oder einem Verbrechen. In diese Kategorie gehört jener Fall, den gestern Morgen das Schöffengericht am Amtsgericht Uelzen unter dem Vorsitz des stellvertretenden Direktors Rainer Thomsen verhandelt.

Ein vollumfänglich geständiger Mann aus Ebstorf wird wegen des Besitzes von 125 kinder- und 90 jugendpornografischen Dateien zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Außerdem muss er in Raten 1500 Euro an den Kinderschutzbund Uelzen zahlen und sich drei Jahre lang straffrei führen.

Ungleich schwerer wiegt für den 46-Jährigen – eingeschüchtert, wortlos-beschämt auf der Anklagebank sitzend – das, was ihm als Folge seines Fehlverhaltens privat widerfahren ist. „Seine Frau ist aus allen Wolken gefallen, als die Polizei vor der Tür gestanden hat. Die Ehe ist darüber zerbrochen. Der Kontakt zu den Kindern ist noch da, man unternimmt etwas zusammen, klammert dieses Thema aber aus“, erklärt die erfahrene Uelzener Strafverteidigerin Wiebke Schröder. Und sie fügt an: „Er hat keinerlei sexuelles Interesse an kleinen Kindern, konnte selbst seine eigenen Kinder nicht wickeln – aus Angst, ihnen weh zu tun. Er räumt die Taten im vollen Umfang ein, da gibt es nichts zu beschönigen. Für sich selbst hat er bis heute keine Antwort, warum er die Fotos weitergeleitet und auch auf dem Handy abgespeichert hat. Er ist durch das Verfahren so sehr beeindruckt, wie ich es selten bei einem Mandanten erlebt habe.“

Zeugen sind zum Prozess gar nicht geladen. „Ihre Rechtsanwältin hat mir signalisiert, dass wir die nicht brauchen“, sagt Richter Rainer Thomsen. Und tatsächlich dauern die persönlichen Angaben des Angeklagten, das Verlesen von Anklage, die Beweisaufnahme und die Plädoyers keine 20 Minuten. Zusammen mit den Schöffen benötigt Thomsen keine lange Beratungszeit – das Gericht folgt der gleichlautenden Forderung von Staatsanwaltschaft und Verteidigung nach einer Verurteilung zu 15 Monaten auf Bewährung.

Aber wie konnte es dazu kommen, dass ein unbescholtener verheirateter Mann, der schon zwei große Kinder hat, irgendwann an Fotos kam, die den Missbrauch oder sexuelle Handlungen an, vor oder mit Kindern oder Jugendlichen zeigen? Rechtsanwältin Schröder führt aus, dass ihr Mandant Chatgruppen in den sozialen Netzwerken Telegram und Instagram angehörte, in denen zunächst „freizügige Bilder nackter Frauen“ kursierten. „Dann waren irgendwann welche von Kindern und Jugendlichen dabei. Die hat er weitergeleitet und sich keine großen Gedanken gemacht“, so die Verteidigerin.

Am 7. Juni diesen Jahres steht dann die Polizei vor der Tür des Familienhauses in Ebstorf. Ihr Einsatz geht zurück auf Hinweise aus den USA: Das halbstaatliche National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) schickt dem Bundeskriminalamt Datensätze mit IP-Adressen von Geräten, die am Datenverkehr mit anstößigem Material beteiligt gewesen sein sollen. Unternehmen wie Facebook oder Provider versehen bekanntes Material mit einem digitalen Fingerabdruck. Verschickt jemand solche verdächtigen Bilder oder Videos, ergeht eine Meldung an das NCMEC.

Die Ermittler beschlagnahmen das Handy, finden insgesamt 215 Dateien. Der 46-Jährige wird angeklagt, zieht aus – und ist seit gestern wegen eines Verbrechens verurteilt.

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