Drei junge Männer, drei Anklagen

Polizeibekanntes Trio beschäftigt zurzeit Richter und Schöffen in Uelzen

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Bei dem Prozess geht es unter anderem um eine Schlägerei, zu der es an der Oberschule in Uelzen gekommen ist.

Uelzen – Richterin und Schöffen haben Platz genommen. Mit der Verhandlung kann aber nicht begonnen werden. Einer der jungen Angeklagten fehlt.

Ein Prozess am Amtsgericht zeigt, womit sich Justiz und Polizei in Uelzen zu befassen haben: mit Heranwachsenden, mitunter noch nicht 18 Jahre alt, die im Zusammenhang mit Körperverletzungen in der Innenstadt von sich Reden machen, die sich zudem respektlos und „aggressiv“ gegenüber Polizisten verhalten.

Richterin Dr. Claudia Hagelmann greift zum Telefon, erreicht den fehlenden Teenager. Zehn Minuten später hat er sich im Gericht eingefunden. Es kann losgehen – alle drei Angeklagten sind anwesend. Polizisten werden an diesem Tag im Zeugenstand über die Beschuldigten sagen, dass sie bereits öfter mit ihnen zu tun hatten.

Saufgelage endet mit Schlägerei

Verhandelt werden jetzt drei Vorfälle in einem Prozess. Ein Mann soll am Kaufland geschlagen worden sein. An der Gudesstraße soll es zu einem anderen Zeitpunkt eine Auseinandersetzung gegeben haben. Und im dritten Fall handelt es sich um eine Schlägerei auf dem Gelände der Oberschule. Immer involviert: mindestens einer der Angeklagten.

Das Gericht will klären, welche Rolle sie spielten und ob sie gegebenenfalls zu bestrafen sind. Im Fall der Schlägerei sagt ein 18-Jähriger, von Beruf Altenpfleger, aus: Einen der Angeklagten habe er „zum Saufen“ an die Oberschule eingeladen. Mit dem zweiten Beschuldigten im Schlepptau sei er gekommen. Friedlich blieb es nicht.

Zeuge mit Erinnerungslücken

Der Zeuge kann sich nur noch daran erinnern, dass einer aus der Runde, der nicht auf der Anklagebank sitzt, einem der Beschuldigten „eine Schelle gab“. Dann sei das eskaliert. Weitere Angaben kann er nicht machen. Die Staatsanwältin wundert sich darüber, dass er dieses eine Detail in Erinnerung behalten habe, mehr nicht sagen könne. „Ich war ja auch betrunken“, gibt der Zeuge an.

Vorgeworfen wird den drei Männern unter anderem gefährliche Körperverletzung – kein Kavaliersdelikt. Ralf Munstermann, Leiter des Uelzener Streifendienstes, sagt: „Körperliche Auseinandersetzungen sind ein männliches Problem, eines von jungen Männern.“ Die Polizei hat 2018 für den Landkreis Uelzen 104 Fälle von Körperverletzungsdelikten erfasst, bei denen Heranwachsende im Alter zwischen 14 und 21 als Beschuldigten geführt wurden (siehe „Zum Thema“).

Weitere Ermittlungsverfahren

Munstermann wünscht sich bei solchen Fällen eine möglichst schnelle Aufarbeitung durch die Justiz. Das helfe dabei, dass der Staat auch als Autorität von den Tätern wahrgenommen werde.

Im vorliegenden Prozess gestaltet sich die Aufarbeitung nicht so leicht. Ein weiterer Zeuge vermag kaum etwas zu sagen, redet leise und wird bald wieder entlassen. Am 20. Februar soll nun voraussichtlich das Urteil gefällt werden. Gegen einen der Beschuldigten wurde das Verfahren aber schon eingestellt. Für einen anderen wird es womöglich nicht die letzte Gerichtsverhandlung sein. Wie die Staatsanwaltschaft in Lüneburg auf Anfrage bestätigt, gibt es gegen den 17-Jährigen zwei weitere Ermittlungsverfahren. Die AZ erfuhr: Es geht wieder um körperliche Gewalt.

VON NORMAN REUTER

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