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Uelzens Polizei zieht erste Poser-Bilanz: „Deutliche Beruhigung“ in der Stadt

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Von: Lars Becker

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Sebastian Gruner und Markus Lindner (von links) leiten die Arbeitsgruppe Poser im Polizeikommissariat Uelzen. Sie bilden ihre Kollegen ständig fort.
Sebastian Gruner und Markus Lindner (von links) leiten die Arbeitsgruppe Poser im Polizeikommissariat Uelzen. Sie bilden ihre Kollegen ständig fort. © Lars Becker

Was hat sich in der Innenstadt von Uelzen getan, seitdem die Polizei den sogenannten „Posern“ auf zwei und vier Rädern mit einer Arbeitsgruppe auf die Pelle gerückt ist? Haben die Belästigungen abgenommen? Jetzt hat die Polizei eine erste Bilanz gezogen.

Uelzen – Zum 1. Juli hat die „Arbeitsgruppe Poser“ im Polizeikommissariat Uelzen damit begonnen, der Szene auf den Zahn zu fühlen – also jenen zumeist männlichen Verkehrsteilnehmern im Alter von 18 Jahren bis Mitte 30, die ihr Auto oder Motorrad nicht nur legal wie illegal „aufmotzen“, sondern auch ein Verhalten an den Tag legen, das nicht zu tolerieren ist.

Für die AZ haben die Leiter der AG, Sebastian Gruner (39) und Markus Lindner (34), im Beisein von Delia Giering (Leitung Einsatz- und Streifendienst) und Polizeipressesprecher Kai Richter jetzt eine erste Bilanz gezogen.

Einsichtigkeit so groß wie Sorge vor weiteren Kosten

Für das Quartal von Juli bis September legte Gruner konkrete Zahlen vor: Exakt 129 Vorgänge wurden angelegt. In 87 Fällen ging es dabei um das Erlöschen der Betriebserlaubnis von Fahrzeugen, gut ein Dutzend mal um Verhaltensverstöße. Hinzu kamen Verstöße gegen die Corona-Regeln, aber auch ein Motorradfahrer ohne Führerschein.

Das Gros der Leute sei nur einmal aufgefallen, die Einsichtigkeit sei ebenso groß wie die Sorge vor weiteren Kosten durch Ordnungswidrigkeiten und Nachbesserungen in Werkstätten. Auch neuerliche Vorführungen bei Tüv und Dekra kosteten Geld. „Da gab es das Montags-Phänomen, dass viele junge Fahrer Eintragungen haben legalisieren lassen“, so Gruner.

Lage hat sich mit dem Herbst weiter beruhigt

Wer innerorts ohne Sinn und Verstand herumfährt und andere mit seinem Lärm belästigt, muss inzwischen nicht mehr 20, sondern 100 Euro berappen, wenn er erwischt wird. „Das Signal von der Politik ist deutlich“, weiß Lindner. Mit dem Herbst habe sich die Lage beruhigt. Zahlen für das letzte Quartal 2021 liegen noch nicht vor.

„Unser Ziel ist es nicht, den Leuten das Geld aus der Tasche sitzen. Sondern es geht darum, dass sich andere Menschen nicht einer Belästigung oder gar Gefahr ausgesetzt fühlen müssen. Unterm Strich haben wir in der Stadt eine deutliche Beruhigung erreicht“, sagt Gruner zurückblickend auf viele Beschwerden von Anwohner und Passanten. Darauf war zunächst die Politik angesprungen. Die Polizei reagierte, zeigte offen Präsenz, kontrollierte aber auch mit hier unbekannten Zivilfahrzeugen.

Stadt und Polizei arbeiten Hand in Hand

Im Ergebnis hätten Verdrängungsprozesse eingesetzt, die Poser-Szene sei aber auch gespaltener als zuvor. „Im direkten Wohnumfeld soll es aber keine Fahrzeugansammlungen am Wochenende geben. Die Leute können und sollen sich ja treffen, aber sich passende Orte suchen“, so Markus Lindner.

Ein solcher ist das Albrecht-Thaer-Gelände. „Hier gab es keine Probleme. Die Leute hatten Klappstühle dabei, es gab keine Beschwerden über Ruhestörungen oder Müll. Das ist ein Zeichen, dass wir kooperieren können“, so Gruner, der jetzt im Winter seine Kollegen weiter darin schult, nicht zulässige Umbauten zu erkennen. Bislang wurden zwei Großkontrollen durchgeführt, die soll es auch weiterhin geben.

Delia Giering lobt, dass die Stadt Uelzen etwa in Sachen Albrecht-Thaer-Gelände im Dialog mit den Tunern sehr gut mitwirke. „Deren Angebot steht, dort im Frühjahr Bänke und Mülleimer etc. aufzustellen, wenn sich dort ein Treffpunkt etabliert.“

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