Die Motor-Radler

Polizei Uelzen bietet Sicherheitstraining für Pedelec-Fahrer an 

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Er stellt sich der Aufgabe: Joachim Evers versucht beim Fahren, einen Becher auf eine Stange zu setzen. 

Uelzen – Bei Senioren sind sie beliebt: Wer ein Pedelec fährt, muss nicht so fest in die Pedalen treten – ist damit in der Regel aber auch schneller unterwegs. Ein Risiko. Die Uelzener Polizei reagiert mit einem Sicherheitstraining.

Er will es nicht mehr missen. Karl-Heinz Meiritz ist mit seinem Pedelec unterwegs – in Uelzen, im Landkreis oder auch an der Elbe. Der Tacho am Pedelec „berichtet“ von knapp 16.000 Kilometern, die Meiritz in den vergangenen Jahren zurückgelegt hat. Der Hilfsmotor am Rahmen hilft beim Radeln. Jetzt reißt der 72-Jährige keine Kilometer ab, auf dem DRK-Gelände hat er einen mit zerschnittenen Tennisbällen ausgewiesenen Parcours zu durchfahren. Anstrengend ist das, ein „Brrrrr“ ist aus seinem Mund zu hören.

Polizei codiert viele Pedelecs

Silke Munstermann, Polizistin

Belastbare Zahlen dazu, wie viele Rad- oder gar Pedelec-Fahrer im Landkreis unterwegs sind, gibt es nicht. Nach einer Studie zur Mobilität in Deutschland besitzen in Gebieten mit kleineren Städten und mit ländlichem Raum, was für den Landkreis Uelzen zutrifft, etwa 74 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren ein Fahrrad, ein Pedelec oder ein E-Bike. Wenn die Uelzener Polizei Räder codiert, zählt sie mehr Pedelecs als gewöhnliche Drahtesel – „daher wissen wir, dass es doch einige Pedelec-Fahrer im Landkreis sind“, sagt Silke Munstermann, die bei der Uelzener Polizei für die Präventionsarbeit zuständig ist. Erstmals bietet sie nun speziell für Pedelec-Fahrer ein Sicherheitstraining an. Es geht ihr um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.

Wer mit dem Pedelec unterwegs ist, muss nicht mehr so stark in die Pedalen treten. „Es ist leichter zu fahren. Ich spare Kraft ein“, sagt Liesel Wallis. Das hat Folgen. „Der Körper ist entspannter. Man ist aber auch flotter unterwegs“, weiß Joachim Evers.

Pedelec-Fahrer können entscheiden, ob der Hilfsmotor nur leicht unterstützen oder sie richtig in Bewegung versetzen soll. Ab 25 Stundenkilometer schaltet er sich automatisch ab. Für Radfahrer ist das ein ordentliches Tempo.

Silke Munstermann selbst fährt auch ein Pedelec, erlebte, wie schnell es mit der Beschleunigung gehen kann. „Ich hatte schon manch brenzlige Situation zu meistern“, sagt sie.

Autofahrer müssen wissen, dass sich Radler unter Umständen mit deutlich höheren Tempo nähern können. Pedelec-Fahrer müssen wissen, dass ihre Geschwindigkeit unterschätzt werden kann. So wird beim Sicherheitstraining das Bremsen geübt. Erst sachte, dann kräftiger. Joachim Evers legt an einer ausgebreiteten roten Schnur eine Vollbremsung hin. Das Hinterrad hebt ab. Evers pariert. „Es heißt, wenn man die Arme durchstreckt, ist das Risiko über den Lenker zu gehen, geringer“, erklärt Munstermann.

Immer wieder ist der abgesteckte Parcours zu durchfahren. Ein Kreisverkehr ist nachempfunden worden. Weil der Radius klein und die Strecken kurz sind, kann keine Geschwindigkeit aufgenommen werden. Bei geringem Tempo haben Teilnehmer Mühe, die Spur zu halten. Dabei sollen sie auch die Richtung mit dem Arm anzeigen und ausgelegte Symbole im Blick haben. Es sind komplexe Aufgaben, die aus dem Verkehr gegriffen seien, wie Munstermann sagt. Im Straßenverkehr müsse auf vieles geachtet werden.

Kraftersparnis durch Hilfsmotor

Pedelecs sind wegen der Kraftersparnis bei Senioren beliebt. Aber gerade sie müssten möglichst gut für den Straßenverkehr gerüstet sein. Also die nächste Runde durch den Parcours mit einer weiteren Aufgabe. Ein Becher soll auf eine Stange gesetzt werden, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren.

Die Aufgabe verlangt den Teilnehmern viel ab. Nur wenigen will das „Kunststück“ gelingen. Also noch einmal. Eine Teilnehmerin kippt bei dem Versuch mit dem Pedelec. Die Räder haben durch die eingebaute Technik Gewicht, wiegen mit bis 35 Kilogramm mehr als gewöhnliche Fahrräder. Die Teilnehmerin will nicht aufgeben. Sie rappelt sich auf. Die nächste Runde steht an.

Silke Munstermann will nach Möglichkeit nun öfter solche Sicherheitstrainings anbieten. Joachim Evers findet das gut. „Wir gehen hier mit einem sichereren Gefühl hinaus, als diejenigen, die ein solches Training noch nicht gemacht haben.“

VON NORMAN REUTER

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