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Polizei stoppt in Uelzen Auto-Poser

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Von: Norman Reuter

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Polizist Markus Lindner untersucht ein manipuliertes Fahrzeug.
Ob nun aus Ersparnisgründen oder um Fahrgeräusch zu manipulieren – bei diesem Fahrzeug ist der Vorschalldämpfer der Auspuff-Anlage durch ein einfacheres Rohr ersetzt worden, wie Polizist Markus Lindner feststellt. © Privat

Vor zwei Wochen Lüneburg, jetzt Uelzen: Die Polizei widmet sich mit Kontrollen der Autoposer-Szene. Dabei hat sie in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober Ruhestörer, die Verkehrssicherheit, aber auch die Clankriminalität im Blick.

Uelzen – Als sich die beiden Polizeikräfte Sebastian Gruner und Markus Lindner gegen 23.30 Uhr dem hochpreisigen Auto nähern, das sie soeben auf dem Hammerstein-Platz gestoppt haben, bleibt der Fahrer ruhig. Der Beifahrer indes hat mehr Gesprächsbedarf: „Jetzt mal ehrlich“, setzt er mehrfach an. Der Vorwurf, dass der Wagen bewusst lautstark durch die Gudesstraße, vorbei an den Nachtschwärmern, gesteuert wurde, sei haltlos, lässt er Gruner und Lindner wissen.

Gut ein Dutzend Polizeikräfte sind in Uelzens Innenstadt im Einsatz. Eine bereits seit mehreren Monaten geplante Kontrolle steht an, die sich gezielt Autoposern widmet. Solche machen in der Hansestadt schon länger von sich reden, waren Anlass für die Sperrung der Marktstraßen an den Sommer-Wochenenden im vergangenen Jahr (AZ berichtete).

„Poser sind Verhaltensstörer“, umreißt Oberkommissar Sebastian Gruner das Problem. Er leitet eine eigens in der hiesigen Polizei-Inspektion geschaffene Arbeitsgruppe zu Autoposern. Ihr Profil: Männlich, im Alter zwischen 20 und Mitte 30. Und: „Oftmals Wiederholungstäter“, so Gruner.

Nicht zwangsläufig muss ein Wagen, um damit die Ruhe zu stören, aufgemotzt sein. Die sogenannten Tuner, die ihre Wagen tieferlegen, größere Reifen aufziehen, mit speziellen Auspuff-Anlagen und Extras ausstatten, sehen sich mit den Posern allzu oft in einen Topf geworfen, was der Polizei mitunter den Vorwurf einbringt, sie würden bewusst Tunern das Leben schwermachen wollen.

Gruner erklärt, es sei zwischen den legalen, in den Fahrzeugschein eingetragenen und den illegal vorgenommenen Umbauten zu differenzieren. Mancher Wagen werde unerlaubt so umgebaut, dass er zu laut sei. In der Nacht zu Sonnabend werden Autos, die zu laut erscheinen, zum Gelände des Polizeikommissariats eskortiert. Dort ist eine Schallmessstelle aufgebaut. „Gerichtsverwertbar“, so Gruner, wird festgehalten, was Wagen an Lärm erzeugen. Es ist noch früh am Abend, als ein tiefergelegter Opel-Corsa zur Prüfstelle muss. Er habe den Wagen beschädigt für 300 Euro gekauft und an ihm geschraubt, erzählt der Halter der AZ. „Ein Auto von der Stange ist mir zu langweilig“, sagt er.

Laut Fahrzeugschein dürfen 80 Dezibel zu hören sein, gemessen werden mehr als 90. Der Halter versteht das nicht: „Das Auto ist TÜV-geprüft.“ Auf der Hebebühne zeigt sich: Es ist ein Innenschall-Dämpfer-Typ eingebaut worden, der nicht in den Papieren zu finden ist.

Ein Bußgeld für solche Fälle, so Gruner, schmerzt weniger als die auch zu zahlenden Verwaltungsgebühren. Das könne ins Vierstellige gehen. Hinzu komme die Zeit, die aufgebracht werden müsse, um die Änderungen noch eintragen zu lassen.

Wenn Polizei und Justiz sich Autoposern widmen, dann haben sie auch die Clankriminalität im Blick. Das Landeskriminalamt hat im Zusammenhang mit einer Autoposer-Kontrolle vor zwei Wochen in Lüneburg erklärt: Sie sei auch gegen Akteure „krimineller Clanstrukturen“ gerichtet gewesen, die sich häufig in der „Autoposer-Szene“ bewege. Und es war die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza, die erst am vergangenen Donnerstag auf Einladung der CDU in Uelzen über Clankriminalität sprach und den Bogen zur Autoposer-Szene spannte: Mitglieder von Großfamilien stellten sich bewusst über das Recht des Staates. Gezielt protzten und provozierten sie, um zu demonstrieren, dass sie die Stärkeren seien. „Das hat etwas mit Machtanspruch zu tun“, so Havliza. Das Mittel der Wahl dafür seien hochwertige Autos und eine provozierende Fahrweise.

Die Polizei setzt in der Nacht zu Freitag eine Zivilstreife in der Uelzener Partymeile an der Gudesstraße ein. Sie meldet den Einsatzwagen, wenn ein Auto für Schaufahrten immer wieder vorbeikommt. Bis zu 100 Euro sind dafür zu bezahlen. Ein Autofahrer in einem Mietwagen treibt es so weit, dass ihm Polizeikräfte androhen, ihm für die Nacht den Autoschlüssel abzunehmen, sollte er noch einmal eine Runde drehen.

Andere in schicken Wagen lassen den Motor aufheulen oder knattern, wie es bei dem angehaltenen Wagen auf dem Hammerstein-Platz der Fall ist. Der diskutierende Beifahrer bekommt mit auf den Weg, er könne sich im Verfahren als Zeuge äußern. Dann eilen Gruner und Lindner los, um den nächsten auffälligen Fahrer anzuhalten.

In der Nacht werden 20 Wagen sowie 30 Personen genauer kontrolliert. Zwölf Verfahren zu Ordnungswidrigkeiten werden eingeleitet. Sebastian Gruner gibt sich keiner Illusion hin: Das Phänomen des Autoposens wird fortbestehen, meint er. „Aber“, so der Oberkommissar, „wenn die Fahrer Druck kriegen, sind Verdrängungsbewegungen festzustellen.“

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