Versammlung musste aber aufgelöst werden

Polizei lobt Vernunft der Bürger: „Bei den Leuten hat es geklickt“

Ein Polizeieinsatz in der Dunkelheit. In Uelzen fahren Streifen derzeit häufiger, um die Einhaltung des Versammlungsverbots zu kontrollieren.
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Ein Polizeieinsatz in der Dunkelheit. In Uelzen fahren Streifen derzeit häufiger, um die Einhaltung des Versammlungsverbots zu kontrollieren.

Uelzen – Für den AZ-Leser, der am Dienstagabend auf dem Weg die Groß Liederner Straße entlang war, bot sich ein Bild, das ihn zusammenzucken ließ: Auf einem offenbar leer stehenden Firmengelände prasselte ein munteres Lagerfeuer, mehrere Männer unterhielten sich laut und fröhlich.

„Das darf doch wohl nicht wahr sein“, dachte sich der Spaziergänger und sah noch einmal genauer hin.

„Mindestens drei Leute standen um die Flammen, aber weitere Stimmen sind aus einer nahen Halle zu hören gewesen“, beschreibt der Beobachter die Szene. Für den Zeugen eine höchst heikle Sache, gilt doch wegen der Corona-Krise derzeit ein umfassendes Kontaktverbot in ganz Deutschland, das Versammlungen von mehr als zwei Leuten untersagt. Kurzerhand rief der Zeuge am Montagabend die Polizei, damit nach dem Rechten gesehen werde.

Kai Richter, Polizeisprecher.

„Einen solchen Einsatz hat es gegeben“, bestätigt Polizeihauptkommissar Kai Richter, Sprecher der Polizei. Ein Streifenwagen sei vor Ort gewesen, zwei Beamte hätten dort dann eine kurze Ansprache gehalten und die kleine Gruppe auf die aktuelle Gefahrenlage hingewiesen: „Weitere Maßnahmen waren nicht erforderlich“, so Richter. Das Geschehen habe sich dann aufgelöst. Und diese Erfahrung deckt sich mit der der Polizei in Uelzen: „Es hat offensichtlich am vorigen Wochenende bei den Leuten ,klick’ gemacht“, betont der Polizeisprecher.

Noch vor kurzem habe es unter anderem Zusammenkünfte von jungen Leuten an der Markthalle gegeben. Aber inzwischen habe sich nach den Erfahrungen der Streifenbesatzungen gezeigt, dass die Bürger ganz offensichtlich mit deutlich mehr Sensibilität unterwegs seien.

Übrigens unterstützt auch die Bereitschaftspolizei derzeit mit verstärkten Fahrten, um darauf zu achten, dass keine spontanen Versammlungen stattfinden. Mit der strikten Handhabung wollen Bund und Länder verhindern, dass es zu einer weiteren Ausbreitung des Corona-Virus kommt.

Dazu präzisiert Martin Theine, Sprecher des Landkreises Uelzen: „In der Öffentlichkeit ist ein Abstand von 1,50 Metern zu anderen Personen zu wahren. Das gilt auch für die Fahrt mit Bus und Bahn.“ Außerdem seien Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit, die das Abstandsgebot von Mensch zu Mensch gefährden, untersagt. Dazu gehören außer Gruppenbildung auch Picknicken und Grillen. Zusammenkünfte und Ansammlungen im öffentlichen Raum seien auf höchstens zwei Personen beschränkt. Ausgenommen von dieser Beschränkung sind Angehörige sowie Personen, die in einer gemeinsamen Wohnung leben.

Die Lebensmittelmärkte in Stadt und Kreis haben bereits reagiert und sorgen mit Wachdiensten dafür, dass sich nur eine kleinere Zahl Kunden gleichzeitig im Geschäft aufhält. Wer einkauft, muss zwingend einen Einkaufswagen verwenden. Damit soll sichergestellt werden, dass der Abstand zum Vordermann eingehalten wird. Im Landkreis Uelzen sind derzeit elf Menschen bestätigt mit dem Corona-Virus infiziert, davon fünf im Stadtgebiet Uelzen. 32 Verdachtsfälle sind kreisweit festgestellt. Diese Zahlen nennt Martin Theine, Sprecher der Kreisverwaltung. Für alle 43 Fälle gelte Quarantäne.

VON MICHAEL MICHALZIK

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