POLITIKER-PORTRÄTS OHNE POLITIK Dr. Merlin Franke, Bürgermeister-Kandidat für Bienenbüttel

Interview mit Dr. Merlin Franke: Der Passierschein A38 und andere Behörden

Dr. Merlin Franke und Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt im Interview
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Im Studierhaus in Allenbostel hat sich Dr. Merlin Franke den Fragen von AZ-Kolumnist Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt gestellt. In seinen Antworten geht es um Erfahrung, Vertrauen, Rouladen, ums Anpacken und seine ehemalige Lehrerin aus Wichmannsburg.

Die Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide hat in Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Kolumnisten Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt eine „untypische Interview-Serie“ mit den insgesamt zehn Bürgermeister-Kandidaten aus der Hansestadt Uelzen, aus der Samtgemeinde Suderburg und aus der Einheitsgemeinde Bienenbüttel zur Kommunalwahl am 12. September konzipiert. Die fünf Kandidaten für die Samtgemeinde Suderburg haben wir in der vergangenen Woche vorgestellt. In der heutigen und morgigen Folge stellen wir Ihnen nun – erneut in alphabetischer Reihenfolge – die beiden Bewerber für das Bürgermeister-Amt in Bienenbüttel vor. Erster Gesprächspartner ist Dr. Merlin Franke. Der amtierende CDU-Bürgermeister bewirbt sich für eine weitere Amtszeit.

Bitte nennen Sie einen „Lieblingsort“, an dem Sie sich besonders wohlfühlen.

Merlin Franke: Am Wasser: Spazieren an der Ilmenau und an der Pinne des kleinen Bootes.

Wir leben mit zahllosen Vorurteilen. Welches würden Sie – wenn Sie könnten – als erstes tilgen?

Franke: Schubladendenken.

Von Witwe Bolte bis Lucky Luke – welche Figur aus der Comic-Welt erinnern Sie?

Franke: Asterix und Obelix mit dem „Passierschein A38“ – das erinnert mich an die Arbeit mit anderen Behörden.

Unter dem Wichtigsten, was Sie je gelernt haben – was wäre das?

Franke: Anzupacken.

Derzeit amtiert Papst Franziskus. Wenn Sie in einer Privataudienz nur einen Satz zu ihm sagen könnten, wie würde der lauten?

Franke: Ich lade Sie zum Weinfest nach Bienenbüttel ein, um die Motivation zur Modernisierung unserer Kirche zu stärken.

Das Beste am Älterwerden ist … – eine Antwort bitte?

Franke: Der Erfahrungszuwachs.

Wir alle leben neben konstruktiver Kritik auch von positivem Feedback. Wenn Sie eine Fee oder einen Weisen hätten, der Ihnen täglich etwas Positives in Ihr Ohr flüstert – was würden Sie am liebsten hören?

Franke: Steh auf – es gibt wieder etwas zu verbessern.

Angenommen, Sie denken über sich und Ihre Nachwelt nach – was wäre es, womit Sie der Nachwelt gerne bekannt bleiben würden?

Franke: Dass Menschen sagen: Er war ein Guter. Er hat unser Leben verbessert.

Eine Erinnerung in die Kindheit – was fällt Ihnen zu „Spielzeug“ ein?

Franke: Lego.

Wie gehen Sie mit Unvorhersehbarem um?

Franke: Flexibel.

Bezugspersonen, die Sie prägten – ein positives Beispiel?

Franke: Meine Großeltern beiderseits.

Ein Großteil unserer Gesetzestexte basiert auf den zehn Geboten. Wenn Sie ein elftes hinzufügen könnten – wie würde es lauten?

Franke: Haltet euch an die ersten zehn.

Zum Thema „Vertrauen“ – nennen Sie bitte ein Beispiel, wo Sie dieses erleben.

Franke: Bei Menschen, die mir als Bürgermeister Vertrauen entgegenbringen.

Wenn ein Kind oder Enkelkind Sie fragen würde, was Politik ist: Wie lautete Ihre Antwort?

Franke: Mein Sohn ist dreieinhalb, meine Tochter eineinhalb Jahre alt. Ich habe also noch das Glück, etwas Zeit zum Nachdenken zu haben.

Erinnern Sie bitte eine Mahlzeit, ein Essen, das Sie an Ihre Herkunftsfamilie erinnert.

Franke: Rouladen, weil dann die ganze Familie zusammen war.

Beschreiben Sie bitte eine Person unter Ihren Lehrerinnen und Lehrern, die Sie besonders positiv beeinflusste.

Franke: Frau Hanke aus Wichmannsburg. Sie sorgte dafür, dass die ganze vierte Klasse damals die Kurve kriegte.

Wenn Sie außer der Kommunalpolitik oder Ihrem bisherigen Beruf einen anderen anstreben wollten, welcher wäre das?

Franke: Kinderarzt.

Sie haben irgendwo auf der Welt eine Ferienwohnung – und wollen sie nie verkaufen. Wo wäre diese?

Franke: Das wäre ein Boot, ein kleines in der dänischen Südsee.

Denken Sie an gegenwärtig lebende Schauspieler. Wenn einer dieser Ihre Person spielen sollte, wer wäre das?

Franke: Meine Frau würde sich freuen, wenn Hugh Jackman mich spielen würde.

Das letzte herzhafte Lachen – wann und wo und in welchem Kontext klang es in Ihre Ohren?

Franke: Beim Anziehen meiner Tochter heute Morgen.

Stellen Sie sich vor, Sie wären unsterblich. Was ändert sich dann in Ihrem Leben?

Franke: Nichts.

Ich bitte Sie, jetzt einen anderen Platz einzunehmen, sodass Sie den Platz sehen können, auf dem Sie eben saßen. Beschreiben Sie bitte einmal, wie ist der Mensch, der da eben saß?

Franke: Das sollen andere beurteilen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Fragestellungen dieser Serie wurden angeregt von:

• „Erzähl mal!“, Das Familienquiz (E. van Vliet)

• Evelyn McFarlane/James Saywell: „Das Buch vom Wenn“ (Herder, 2000)

• Roger-Pol Droit: „Fünf Minuten Ewigkeit – 101 philosophische Experimente“ (Hoffmann und Campe, 2002)

• oder stammen aus Interaktionsspiel-Sammlungen der Seminare von Hans-Helmut Decker-Voigt und Paolo J. Knill.

Der Interview-Gast – Dr. Merlin Franke

• geboren und aufgewachsen in Bienenbüttel

• nach dem Abitur 2004 Offiziersausbildung und Studium an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, Schwerpunkt Verwaltungswissenschaften

• im Anschluss Diplom und Promotion zum Thema Kreisgebietsreformen norddeutscher Flächenländer

• diverse Auslandsaufenthalte, unter anderem in Peking, Washington, Süd-Ost-Asien, Halifax

• Führungsposition bei der Bundeswehr

• seit 2013 hauptamtlicher Bürgermeister der Einheitsgemeinde Bienenbüttel

• Lieblingseis bei Fabrizio: Snickers

• beste Party seines Lebens: die „Black Party“ bei Henning

• Woher kommt die Leidenschaft für Bienenbüttel? Wegen des großen Engagements der Menschen dort.

Der Hintergrund – Wer stellt die Fragen?

Hans-Helmut Decker-Voigt, Prof. Dr. Dr. h.c.mult.

• ist seit 1980 Kolumnist der AZ

• Studium der Musik und Erziehungswissenschaften in Deutschland, Expressive Therapie und Psychologie in den USA

• Lehrstuhlinhaber und Gründungsdirektor des Instituts für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg von 1990 bis 2010, Übersetzungen in 16 Sprachen

• letzte Gastprofessur in St. Petersburg 2019/2021

• mehrfacher Ehrendoktor, unter anderem der Medizin und der Kunstwissenschaften

• Schriftsteller (Roman, Erzählung, Kolumne)

• Gründungsmitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller

• Mehr im Internet auf www.decker-voigt-archiv.de

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