POLITIKER-PORTRÄTS OHNE POLITIK Dierk Pellnath, parteiloser Bürgermeister-Kandidat

Interview mit Dierk Pellnath: „Offen, ehrlich – und moderat impulsiv“

Dierk Pellnath  und Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt im Interview
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Im Gespräch in Allenbostel stellt sich Dierk Pellnath den Fragen von Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt.

Die Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide hat in Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Kolumnisten Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt eine „untypische Interview-Serie“ mit den insgesamt zehn Bürgermeister-Kandidaten aus der Hansestadt Uelzen, aus der Samtgemeinde Suderburg und aus der Einheitsgemeinde Bienenbüttel zur Kommunalwahl am 12. September konzipiert. In den ersten fünf Folgen stellen wir darin – in alphabetischer Reihenfolge – die Bewerber für das Bürgermeister-Amt in Suderburg vor. Vierter Gesprächspartner ist heute Dierk („Kuddel“) Pellnath, der als parteiloser Kandidat antritt.

Unter dem Wichtigsten, was Sie bisher lernten – was wäre das?

Dierk Pellnath: Menschenkenntnis.

Von Witwe Bolte bis Lucky Luke – an welche Figur aus der Comic-Welt erinnern Sie sich? Und mit welchem „Alleinstellungsmerkmal“?

Pellnath: Donald Duck, aber nicht im Heft, sondern weil er die erste Figur war, die ich farbig auf dem TV sehen durfte.

Wir leben allesamt mit Vorurteilen und Schwächen – eigenen und denen anderer. Was würden Sie – wenn Sie könnten – als Erstes aus der Welt schaffen wollen?

Pellnath: Neid.

Wenn Sie Filmschauspieler wären – welche Hauptrolle eines Ihnen bekannten Films würden Sie gerne spielen?

Pellnath: Den braven Soldaten Schweijk.

Es gibt im NDR 3 die Serie „Lieblingsorte“. An welchen erinnern Sie sich jetzt für sich?

Pellnath: Bei mir zu Hause – bei meinen Bienen.

Manche Menschen spielen, wenn sie vor anderen sprechen, mit dem Kugelschreiber, dem Fingerring…. sie halten sich quasi fest daran. Wenn Sie einen solchen Gegenstand für sich benennen könnten – welcher wäre das?

Pellnath: Eine Kerze. Ich zünde sehr oft eine an, wenn ich mit jemandem rede oder im kleinen Kreis oder auch für mich allein – so wie Sie das ja auch für das Gespräch hier getan haben.

Derzeit amtiert Papst Franziskus. Wenn Sie eine Privataudienz bei ihm hätten und nur einen einzigen Satz sagen wollen, sollen – welcher Satz wäre das?

Pellnath: Öffnen Sie die Kirche für Frauen.

Wir sind heute persönlich oder durch TV und andere Medien Zeugen von bedeutenden geschichtlichen Ereignissen. Wenn Sie direkter Zeuge eines Ereignisses in der Geschichte vor Ihnen sein könnten – wovon würden Sie gerne Zeuge sein?

Pellnath: Beim Bau einer ägyptischen Pyramide. Dies Sehen und Lernen, was bloße Menschenkraft ohne heutige Technik vermochte.

Ihre Kindheit und Ihre Spielzeuge – an welches erinnern Sie sich jetzt?

Pellnath: Meine Staboka-Rennbahn. Aber die kam nicht auf den ersten Wunsch zu Weihnachten oder Geburtstag, sondern erst nach mehreren Anlässen, zu denen ich sie mir gewünscht hatte. Ich erinnere mich auch an den Preis, der noch dranstand: 108 Deutsche Mark.

Wie gehen Sie mit Unvorhersehbarem um?

Pellnath: Moderat impulsiv.

Ein Beispiel?

Pellnath: Wir, das Vorbereitungsteam, warteten für ein Bürgerfest in Graulingen auf den Trecker mit Anhänger samt dem nötigen Birkengrün, und der kam und kam nicht. Schließlich schickte ich einen Boten los zwecks Erkundigung, was los war – und der Treckerfahrer lag zu Hause und schlief. Da rege ich mich innerlich sehr auf – äußerlich bleibe ich ruhig.

Denken Sie bitte an Bezugspersonen, die Sie prägten, an welche erinnern Sie sich jetzt?

Pellnath: Meinen Großvater – den mütterlicherseits. Der war Hausschlachter, Bienenzüchter und Rosenzüchter und rauchte gerne eine Zigarre. Eine. Und nur am Sonntag. Der Großvater konnte einfach alles.

Ein negatives Beispiel?

Pellnath: Ein Kompaniechef während meiner Ausbildung bei der Bundeswehr – und die war noch anders als die heute. Ich hatte die Führerscheine alle gemacht und wollte Fahrlehrer werden. Dieser Chef ließ mich rufen. Er kannte mich kaum, aber sagte, dass ich – solange er hier Chef sei – grundsätzlich das nicht werden würde, was ich mir wünschte.

Denken Sie bitte an das Leben allein auf einer einsamen Insel. Welche drei Gegenstände würden Sie mitnehmen?

Pellnath: Karte und Kompass. Heute auf dem Handy. Ein Taschenmesser, nicht nur zum Schnitzen. Fachliteratur in Sachen Bienen.

Was würden Sie mit einer Million im Lotto machen?

Pellnath: Großenteils sicher anlegen – für meine Familie, Freunde und eine bedürftige mir bekannte Familie mit Kindern, die unverschuldet in eine Notlage geraten ist. Unterstützung des Vereinslebens. Im Ruhestand umweltfreundliches Bereisen der Welt.

Welche Person der Zeitgeschichte würden Sie gerne einmal treffen?

Pellnath: Den 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama.

An welches Familienereignis denken Sie mit einem Lächeln zurück?

Pellnath: An die Diamantene Hochzeit meiner Großeltern mütterlicherseits. Oma und Opa waren noch fit und die Familie noch komplett.

Welche Nachricht aus den Medien war besonders nachdrücklich in diesem Jahr?

Pellnath: Nachrichten über Wetterphänomene und den damit einhergehenden Klimawandel.

Als Sie klein waren und gefragt wurden „Was willst Du werden, wenn Du groß bist?“, welches war Ihre Antwort?

Pellnath: Landwirtschaft, auch wegen Treckerfahren. Oder Schiffskoch.

Was haben Sie von Ihren Großeltern gelernt, Großvater und/oder Großmutter?

Pellnath: Vom Großvater den Ehrgeiz und die Disziplin. Von der Großmutter die Herzlichkeit.

Ich bitte Sie jetzt darum, einmal den Platz zu wechseln – so, dass Sie auf den Platz schauen können, auf dem Sie bisher saßen. Wie ist dieser Mensch, der bis eben dort auf Ihrem Platz saß? Können Sie ein paar Wörter sagen, mit denen Sie sich beschreiben?

Pellnath: Ich sehe mich offen, ehrlich, gut beobachtend und – ich wiederhole mich – moderat impulsiv.

Letzte Frage: Gibt es eine Frage, die Sie gerne gestellt bekämen – und die Sie gerne beantworten würden?

Pellnath: Die Frage wäre: „Trauen Sie sich das zu, Bürgermeister Ihrer Gemeinde zu werden?“ Da sagen mir zwar Menschen, dass ich das machen soll. Aber sie fragten gar nicht.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Fragestellungen dieser Serie wurden angeregt von:

• „Erzähl mal!“, Das Familienquiz (E. van Vliet)

• Evelyn McFarlane/James Saywell: „Das Buch vom Wenn“ (Herder, 2000)

• Roger-Pol Droit: „Fünf Minuten Ewigkeit – 101 philosophische Experimente“ (Hoffmann und Campe, 2002)

• oder stammen aus Interaktionsspiel-Sammlungen der Seminare von Hans-Helmut Decker-Voigt und Paolo J. Knill.

Der Interview-Gast – Dierk Pellnath

• gebürtiger Suderburger mit Liebe zur Natur

• wohnt in Graulingen

• Spitzname „Kuddel“

• Hobbyimker, fährt gerne Rad und bereist gerne die Welt

• aktuell ist das Ziel Deutschland – mit tollen Eindrücken und Gesprächen

• von 1973 bis 1976 Ausbildung bei der Deutschen Bundesbahn

• von 1976 bis 1988 Zeitsoldat in Munster (Kraftfahrzeugwesen, Fahrleherer für Rad- und Kettenfahrzeuge)

• von 1988 bis 1991 Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Landkreis Harburg, anschließend Tätigkeit im dortigen Bauamt

• von 1992 bis 1995 Tätigkeit in einem Ingenieur-Büro in Suhlendorf

• seit 1996 im Forderungsmanagement des Landkreises Harburg beschäftigt

• seit mehr als 14 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv

Der Hintergrund – Wer stellt die Fragen?

Hans-Helmut Decker-Voigt, Prof. Dr. Dr. h.c.mult.

• ist seit 1980 Kolumnist der AZ

• Studium der Musik und Erziehungswissenschaften in Deutschland, Expressive Therapie und Psychologie in den USA

• Lehrstuhlinhaber und Gründungsdirektor des Instituts für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg von 1990 bis 2010, Übersetzungen in 16 Sprachen

• letzte Gastprofessur in St. Petersburg 2019/2021

• mehrfacher Ehrendoktor, unter anderem der Medizin und der Kunstwissenschaften

• Schriftsteller (Roman, Erzählung, Kolumne)

• Gründungsmitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller

• Mehr im Internet auf www.decker-voigt-archiv.de

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