POLITIKER-PORTRÄTS OHNE POLITIK Benjamin Gießel, SPD-Bürgermeister-Kandidat für Suderburg

Interview mit Benjamin Gießel: „Mein Zuhause ist meine Tankstelle für alles“

Benjamin Gießel und Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt im Interview
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Benjamin Gießel (links) hat sich als einer von fünf Bürgermeister-Kandidaten für die Samtgemeinde Suderburg den Fragen von AZ-Kolumnist Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt gestellt. Wir stellen die Bewerber in alphabetischer Reihenfolge vor.

Die Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide hat in Zusammenarbeit mit ihrem Kolumnisten Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt eine „untypische Interview-Serie“ mit den insgesamt zehn Bürgermeister-Kandidaten aus der Hansestadt Uelzen, aus der Samtgemeinde Suderburg und aus der Einheitsgemeinde Bienenbüttel zur Kommunalwahl am 12. September konzipiert. In den ersten fünf Folgen stellen wir darin von heute an – in alphabetischer Reihenfolge – die Bewerber für das Amt in Suderburg vor. Erster Gast: Benjamin Gießel. Er kandidiert für die SPD.

Nennen Sie bitte ein Vorbild, das Sie prägte.

Benjamin Gießel: Meine Oma (mütterlicherseits). Sie hatte vier eigene Kinder und zwölf Enkel und begegnete ihnen allen in Liebe und Zuwendung.

Stichwort Märchen – welches fällt Ihnen vielleicht gerade ein?

Gießel: „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff, da geht es um Traum und Rückkehr in die Realität und Ressourcenbildung.

Wir leben alle auch von positivem Feedback. Wenn Sie eine Fee oder einen Weisen hätten, der Ihnen täglich etwas Positives zuflüstert – was würden Sie am liebsten hören?

Gießel: Auch wenn etwas nicht richtig war, es geht trotzdem voran.

Manche Menschen halten sich bei Reden oder Nachdenken an einem Kugelschreiber fest. Wenn Sie einen Gegenstand benennen sollten, der Sie tröstet und beruhigt – welcher wäre das?

Gießel: Die Zigarette. (Anmerkung der Redaktion: Benjamin Gießel ist nach eigener Aussage Genussraucher)

Stichwort Kindheit – welche Erinnerung haben Sie an ein besonders wichtiges Spielzeug?

Gießel: Fußball, überhaupt Ballspiele.

Wenn Sie sich ein außergewöhnliches Talent wünschen könnten, welches wäre das?

Gießel: Raumfahrttechnik.

Wie gehen Sie mit Unvorhersehbarem um?

Gießel: Ruhig bleiben, überlegen, handeln. Dafür gibt es bei den Funkern in der Bundeswehr, zu denen ich gehörte, das Kürzel: Erst denken, dann Taste drücken, dann sprechen.

Bitte benennen Sie einen Ihnen besonders wichtig gewordenen Film?

Gießel: Mel Gibsons „Braveheart“.

Wir haben Eigenschaften und wir wünschen uns welche. Nach welcher würden Sie sich sehnen?

Gießel: Musikalisch sein, Musik gestalten.

Das Beste am Älterwerden ist …? Vervollständigen Sie diesen Satz bitte.

Gießel: Erfahrung.

Im NDR gibt es die Serie „Lieblingsorte“. Nennen Sie bitte einen der Ihren?

Gießel: Mein Zuhause in Suderburg ist meine Tankstelle für alles.

Wir haben zahllose Vorurteile. Welches würden Sie, wenn Sie könnten, als Erstes in der Welt tilgen wollen?

Gießel: Die Meinung „Kleider machen Leute“.

Unter dem Wichtigsten, was Sie je gelernt haben – was wäre es?

Gießel: Menschenführung.

Wir sind oft durch die Medien Zeuge von geschichtlichen Ereignissen in unserem Leben. Wo würden Sie gerne in der Geschichte, vor Ihrem Leben, Zeuge gewesen sein?

Gießel: Bei der Mondlandung.

Was wäre es, womit Sie Ihrer Nachwelt gerne bekannt bleiben würden?

Gießel: Mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Sie verreisen auf eine einsame Insel. Drei Dinge, die Sie mitnehmen?

Gießel: Das ist einfach, schließlich möchte ich ja lange auf der Insel bleiben… Meine Frau, meinen Sohn und ein Boot, damit wir wieder wegkommen.

Was würden Sie mit einem Lottogewinn von einer Million machen?

Gießel: Oh, da fällt mir sehr viel ein, aber wie ich mich kenne, würde ich das Geld wieder investieren.

Welche Person der Zeitgeschichte würden Sie gerne einmal treffen?

Gießel: Helmut Schmidt hätte ich gerne einmal getroffen.

An welches Familienereignis denken Sie mit einem Lächeln zurück?

Gießel: Die Geburt meines Sohnes, als er das erste Mal die Augen in meinen Armen geöffnet hat.

Welche Nachricht aus den Medien war besonders nachdrücklich in diesem Jahr?

Gießel: Dass die Anzahl der Coronafälle in Deutschland sinkt und man wieder zum „normalen“ Leben zurückkehren kann. Die Nachricht über die gesamte Hochwassersituation in Ahrweiler und Umgebung hat mich besonders nachdrücklich berührt.

Als Sie klein waren und gefragt wurden: „Was willst Du werden, wenn Du groß bist?“ – welche war Ihre Antwort?

Gießel: Als Kind wollte ich zu den Sternen reisen, ich wollte Weltraumfahrer werden. Meine Neugier als Kind galt schon immer technischen Dinge wie zum Beispiel Computer, Flugzeuge etc..

Was haben Sie von Ihren Großeltern gelernt?

Gießel: Von meinem Großvater das Skatspielen und von meiner Oma, wie man(n) Königsberger Klopse kocht.

Nehmen Sie jetzt bitte einen anderen Platz ein und schauen Sie auf den Platz, auf dem Sie eben noch saßen. Bitte beschreiben Sie einmal: Wie ist der Mensch, der dort saß?

Gießel: Freundlich und hilfsbereit.

Gibt es eine Frage, die Sie gerne gestellt bekommen möchten?

Gießel: Ja, was ist Ihnen wichtig an den Menschen, die Ihnen begegnen? Und meine Antwort wäre: Ehrlichkeit.

Herzlichen Dank.

Die Fragestellungen dieser Serie wurden angeregt von:

• „Erzähl mal!“, Das Familienquiz (E. van Vliet)

• Evelyn McFarlane/James Saywell: „Das Buch vom Wenn“ (Herder, 2000)

• Roger-Pol Droit: „Fünf Minuten Ewigkeit – 101 philosophische Experimente“ (Hoffmann und Campe, 2002)

• oder stammen aus Interaktionsspiel-Sammlungen der Seminare von Hans-Helmut Decker-Voigt und Paolo J. Knill.

Der Interview-Gast – Benjamin Gießel

• geboren 1980

• bis 1989 glückliche Kindheit in der DDR

• anschließend zufriedene Jugend im Landkreis Uelzen

• verheiratet

• ein Sohn (2 Jahre alt)

• keine Haustiere

• zwischen 1997 und 2014 drei abgeschlossene Berufsausbildungen: Informationselektroniker, staatlich geprüfter Techniker für Elektrotechnik Fachrichtung Luft- und Raumfahrttechnik, examinierter Altenpfleger

• von 2002 bis 2010 Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr, stationiert bei den Heeresfliegern in Faßberg

• Auslandsaufenthalte im deutsch-französischen Ausbildungszentrum Tiger (Unterstützungs-Hubschrauber) in Le Luc en Provence, Cote d´Azur, Frankreich und beim Forschungsprojekt S.O.F.I.A in Palmdale/Kalifornien (USA)

• seit 2012 Geschäftsführer des Ambulanten Pflegedienstes Medikom in Suderburg

• im Ehrenamt: Vorsitzender des Kreisverbandes Uelzen

im Sozialverband Deutschland, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Suderburger Land und stellvertretender Vorsitzender des Ausbildungsverbundes Uelzen

Der Hintergrund – Wer stellt die Fragen?

Hans-Helmut Decker-Voigt, Prof. Dr. Dr. h.c.mult.

• ist seit 1980 Kolumnist der AZ

• Studium der Musik und Erziehungswissenschaften in Deutschland, Expressive Therapie und Psychologie in den USA

• Lehrstuhlinhaber und Gründungsdirektor des Instituts für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg von 1990 bis 2010, Übersetzungen in 16 Sprachen

• letzte Gastprofessur in St. Petersburg 2019/2021

• mehrfacher Ehrendoktor, unter anderem der Medizin und der Kunstwissenschaften

• Schriftsteller (Roman, Erzählung, Kolumne)

• Gründungsmitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller

• Mehr im Internet auf www.decker-voigt-archiv.de

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