Vergabe für weitere fünf Jahre: klärende Gespräche gefordert

Politik stimmt für bisherigen Ausrichter des Uelzener Weihnachtsmarktes

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Bemühten sich um die Organisation des Weihnachtsmarktes, um ihn wieder zu beleben: Ingo Schulte (links) und Bruno Szwajkiewicz. Sie hatten im Ausschuss das Nachsehen: Die Politik stimmte mehrheitlich für Andreas Matuschak.

Uelzen. Als Ingo Schulte den Heimweg antrat, hatte ihn nicht nur die Stimme wegen einer Erkältung verlassen. Ihm fehlten auch im sprichwörtlichen Sinne die Worte.

Als Pächter der Ratsweinhandlung wollte er gemeinsam mit Bruno Szwajkiewicz – er organisiert das Stadtfest – künftig den Uelzener Weihnachtsmarkt ausrichten. Der städtische Ausschuss für Wirtschaftsförderung entschied sich bei der Vergabe für die kommenden fünf Jahre am Donnerstag gegen das Duo und für den bisherigen Organisator Andreas Matuschak. Er, Schulte, stecke „emotional so tief drin“, wenn es um den Weihnachtsmarkt gehe, dass er die Entscheidung vorerst nicht kommentieren wolle, sagte er der AZ. Gut zweieinhalb Stunden widmete sich der Ausschuss dem Uelzener Weihnachtsmarkt. Andreas Matuschak, mit Mitarbeiterin und Power-Point-Präsentation, stellte als Erster sein Konzept vor. Seit.

Für Non-Food-Händler bietet der Markt nicht genügend Raum.
– Andreas Matuschak

15 Jahren stemmt Matuschak bereits im Auftrag der Stadt den Markt, einem bundesweiten Trend folgend stelle er ihn unter das Motto „nordische Weihnachten“. Rot-weiße Hütten wie in Schweden, viele Lichter, mit bekannten Beschickern. Für Non-Food-Händler biete der Markt „nicht genügend Raum“, als dass sie Erfolge beim Verkauf haben könnten. Neu: Ein Eingangsportal an der Verbindung zur Bahnhofstraße und eine acht Meter hohe weihnachtliche Tanne mit mit einem Holzdach auf 2,50 Höhe am Karussell.

Matuschak will ein einheitliches Bild. Daran mangelte es im vergangenen Jahr, ein Händler habe es sich den Vorgaben in Bezug auf die Gestaltung der Hütten entzogen, so Matuschak – der Händler sitzt am Donnerstag mit im Raum: Es ist Ingo Schulte.

Der Pächter der Ratsweinhandlung, so sagt er bei der Vorstellung seines Konzeptes, wolle mit seiner Bewerbung nicht provozieren, er erkenne auch den hervorragenden Vortrag von Matuschak an. Schulte spricht frei, DIN-A-4 Ausdrucke helfen ihm dabei. Warum sie sich beworben haben? „Weil wir glauben, dass wir soweit sind, den Weihnachtsmarkt organisieren zu können.“ Sie hätten sich das Ziel gesetzt, den Markt wieder zu beleben. „Das kann nur gut gehen, wenn alle zufrieden sind“. Aber Zufriedenheit unter den Händlern sei rar: „Matuschak betreibt den Weihnachtsmarkt seit 15 Jahren und das mit abnehmender Qualität.“ Dabei gebe es für die Händler „massive Rechnungen und Nachberechnungen“. Der Besucher erlebe einen räumlich „zerfledderten“ Markt, auf dem er nur essen und trinken könne. Er und Szwajkiewicz, der im Ausschuss keine Aussagen trifft, wollten „etwas anderes“: Einen Weihnachtsmarkt, der weihnachtlich ist. Unabhängig von Schwedenrot – er könne seine Hütte, die er zu anderen Anlässen auch benötige, nicht umstreichen. Der Markt solle zentriert rum die Kirche zu finden sein, die Öffnungszeiten wolle man anpacken: Von 15 bis 20 Uhr und sonnabends bis 21 Uhr. „Was nutzt es, wenn sich Händler, weil kein Besucher kommt, die Beine in den Bauch stehen?“

Außerdem soll jeder Beschicker für eine weitere Hüte eine Patenschaft übernehmen. Und um ein möglichst breites Angebot zu bekommen, müssten darin unterschiedliche Händler zu finden seien. „Ich bin in guten Gesprächen dazu.“ Für die Politiker bleiben die Aussagen von Schulte zu vage. „Das ist mir zu unkonkret“, sagt Kristina Nenke (SPD).

Matuschak betreibt den Weihnachtsmarkt seit 15 Jahren, mit abnehmender Qualität.“
– Ingo Schulte

Die Verwaltung weist darauf hin, dass die Öffnungszeiten nicht nach hinten verlängert werden könnten – wegen eines gerichtlichen Vergleichs, wie AZ auf Anfrage erfährt. Was die Ausschussmitglieder umtreibt am Donnerstag, ist Unzufriedenheit der Händler. Christian Mocek (CDU) ist zwar entrüstet, dass Schulte von einem Niedergang des Marktes spricht, hat aber auch von Querelen gehört. Er schlägt vor, dass man Matuschak nun erst einmal für ein weiteres Jahr den Weihnachtsmarkt anvertraut. Jan Henner Putzier erklärt, dass die Querelen ausgeräumt werden müssten, die Verwaltung solle ein Gespräch zwischen Matuschak und die Beschicker organisieren. Der Ausschuss folgte diesem Vorstoß und stimmte für eine Vergabe des Weihnachtsmarktes für fünf Jahre an Matuschak.

Ingo Schulte ließ am Donnerstag offen, ob er 2016 noch zu den Beschickern des Marktes gehören wird.

Von Norman Reuter

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