Von Woche zu Woche

Politik quält Schüler, Eltern, Lehrer

Mit gesenktem Haupt studiert Otto Lukat die Papiere, Jan Hermann, Schulelternratsvorsitzender der Grundschule Molzen, steht gestikulierend vor ihm. Soeben hat Hermann dem Stadtoberhaupt eine Liste mit 1900 Unterschriften zum Erhalt der Grundschule übergeben.

„Ob Eltern, Lehrer, oder andere Befürworter – ein Dorf kämpft für den Erhalt seiner Grundschule“, sagt der Elternvertreter. Wann sich die Szene abspielt? Im September 2012. Mittlerweile heißt der Bürgermeister Jürgen Markwardt und der Molzener Schulelternvertreter noch immer Hermann. Er könnte auch heute noch Unterschriftenlisten übergeben. An der Situation hat sich nichts geändert. Noch immer droht der Bildungseinrichtung wie auch anderen Grundschulen die Schließung.

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Seit mehr als zwei Jahren gärt die Diskussion um die Zukunft der Grundschulen in Uelzen. Längst flossen 28 Millionen Euro des Landes mit dem Zukunftsvertrag in die Stadtkasse, mit dem einst die Diskussion ihren Ausgang nahm – bedingt auch durch die sinkenden Schülerzahlen. Eine Arbeitsgruppe aus Politikern tagte, erarbeitete verschiedene Modelle, welche Schulen geschlossen und andere zu Ganztagsschulen ausgebaut werden können. Monate vergingen. Es wurde gewichtet, eine Entscheidung fiel nicht. Fürchtet die Politik den Zorn der Eltern, und das Unverständnis von Verwandten und Freunden der Eltern? Allesamt Wähler.

Was es heißt, den Eltern mit Vorschlägen zu Schulschließungen zu kommen, erlebten die Politiker in diesem Sommer. Der Ratssaal war randvoll mit wütenden Vätern und Müttern, als man die Modelle vorstellte. So wurde auf die Schnelle verabredet, die Entscheidung auf belastbare Zahlen zu gründen – eine Umfrage zu Ganztagsschulen wurde initiiert, bei der sich die Politiker erst um die Formulierungen der Fragen stritten, und schließlich – nachdem die Ergebnisse nun vorliegen – im bisher letzten Akt dieses Trauerspiels im Schulausschuss in dieser Woche um Zahlen und deren Bedeutung rangen. Am Ende wurde gesagt: Wir wollen ja die Einführung von Ganztagsschulen. Was nicht gesagt wurde, ist, wann nun eine Entscheidung zur Zukunft der Grundschulen fällt und es ist auch nicht mehr zu erwarten, dass bevor ein weiteres Jahr endet, noch etwas in dieser Frage zu hören sein wird. Dabei liegt alles auf dem Tisch.

Die Politik quält mit ihrem Zaudern Eltern, Lehrer und Schüler – und am Ende auch sich selbst.

Von Norman Reuter

Über das Thema Grundschulschließungen macht sich auch Chefredakteur Thomas Mitzlaff Gedanken und redet von einem zweifelhaften Management.

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