Kreislandwirt Thorsten Riggert relativiert Hühnertrockenkot-Problematik

„Polemik pur“

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Mehre/Hamborg. Von „Polemik pur“ und „Denunziantentum“ spricht der Kreislandwirt und Vorsitzender des Bauernverbandes Nordost Niedersachsen, Thorsten Riggert, mit Blick auf die Problematik der Hühnertrockenkot-Haufen im Landkreis Uelzen.

Am Wochenende ließ der Mehrer Geflügelmäster Niels Odefey einen solchen Haufen auf einem Nachbargrundstück untersuchen. Vor den Augen von zwei Kamerateams präsentierte Diplombiologe Stefan Johnigk von ProVieh, einem Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung, die Ergebnisse (die AZ berichtete). Laut Aussage von Johnigk befinden sich im Haufen Erreger, die sich als Bioaerosole auch durch die Luft verbreiten können – das Risiko sei enorm.

Thorsten Riggert

„Der Zusammenhang, dass es sich über die Luft verteilt, ist Unsinn“, sagt wiederum Riggert. Von den gefährlichen MRSA-Keimen gebe es schließlich mehrere Stämme: Krankenhaus-MRSA und MRSA aus der Landwirtschaft. Beide Typen unterscheiden sich wesentlich bezüglich ihrer krankmachenden Eigenschaften und ihrer Resistenzgefahr. In Deutschland infizieren sich jährlich rund 500 000 Menschen an MRSA, davon sterben laut Robert-Koch-Institut rund 15 000. Die tierische Variante spielt dabei so gut wie gar keine Rolle. „Keime findet man immer in einem Misthaufen“; sagt der Kreislandwirt. Es komme laut Riggert auf die Konzentration an und außerdem überlebt ein solcher Keim auch nicht ewig.

Auch das Thema Antibiotika greift Riggert auf: „Es gibt Menschen, die werfen ihre alten Antibiotika-Tabletten in die Toilette. Die landen letztendlich dann im Klärschlamm.“

Die Wriedeler Gruppe HTK-Watch hält Riggert für einen Versuch, eine bestimmte Art der Tierhaltung abzuschaffen, indem die Mitglieder dafür sorgen, dass der Hühnerkot nicht ausgebracht werden dürfe. Das Gefährdungspotential in Bezug auf Butulismus – eine lebensbedrohliche, meist durch verdorbenes Fleisch oder nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse hervorgerufene Vergiftung – sieht Riggert hingegen nur, wenn tote Tiere im Kot vorkommen. „Auch tote Wildtiere liegen auf den Äckern und Wiesen“, gibt der Kreislandwirt zu bedenken.

Ganz andere Einwände hat Rudolf Koch, der Nachbar von Niels Oedefey. Der Geflügelmäster hatte ihm unterstellt, ih bedroht zu haben. „Das ist absolut nicht der Fall“, sagt Koch. Im Gegenteil: Odefey habe ihn übel beschimpft. Die Fläche, auf der Koch den Hühnertrockenkot lagert, ist zwar aktuell noch Grünfläche, wird aber demnächst mit Mais bepflanzt. „Auf dem Feld gegenüber ist es im Moment zu feucht, deshalb lagere ich es hier“, sagt Koch. Der Mist stammt laut Koch aus einer Legehennen-Produktion. „Die Tiere dürfen nicht mit Antibiotika behandelt werden“, weiß der Landwirt aus Mehre. Alle Behörden hätten schließlich den Hühnertrockenkot-Haufen untersucht und waren vor Ort. „Der Haufen war nur am Montag noch nicht abgedeckt, weil der letzte Lkw am Mittwoch geliefert hat“, erläutert Koch, der seit 1991 den Betrieb in Mehre führt. Auf den Hühnertrockenkot ist der Landwirt aufgrund der hohen Düngerpreise gekommen.

Von Jörn Nolting

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