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Plakate mit Gerhard-Schröder-Kritik in Uelzen aufgehängt

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Von: Lars Becker

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Plakat an Uelzener Bushaltestelle
An der Bushaltestelle vor dem Jobcenter hingen gestern noch fünf dieser Plakate, die die anonymen Aktivisten von „Dies Irae“ am Sonnabend aufgehängt haben wollen. © Lars Becker

 Anonyme Aktivisten haben klammheimlich zehn große Werbeplakate an Bushaltestellen in der Hansestadt durch solche mit politisch-satirischer Kritik an der Lobbyarbeit von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder für Russland ersetzt.

Uelzen - „Skandal um 77-jährigen Hannoveraner – ‚Muss in Russland arbeiten, weil Rente nicht reicht‘“: Die anonyme Aktionsgruppe „Dies Irae“ (lateinisch: Tag des Zorns) hat nach eigenen Angaben am vergangenen Sonnabend, 30. April, an Bushaltestellen in der Hansestadt Uelzen zehn Plakatflächen „gekapert“ und Werbeplakate durch Transparente mit politisch-satirischer Kritik an Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen dessen Lobbyarbeit für Russland ersetzt. Gestern hingen noch insgesamt fünf der Plakate beidseitig an der Bushaltestelle am Jobcenter, zwei weitere am Hammersteinplatz und eines in der Bahnhofstraße.

Die Aktivisten, die sich in einer Zuschrift an die AZ-Redaktion als „Adbuster“ bezeichnen (Gruppierungen, die Werbung im öffentlichen Raum verfremden, überkleben oder umgestalten), legen Wert auf die Feststellung, dass dabei „kein Sachschaden entstanden“ sei. Ein Mitglied habe am Abend des 30. April die zehn Werbevitrinen des Außenwerbers Ströer, mittels einfachem Steckschlüssel aus dem Baumarkt geöffnet und die Plakate getauscht. „Die ursprünglichen Plakate befinden sich eingerollt in der Werbevitrine“, teilen sie mit und mutmaßen: „Wir glauben nicht, dass es zu einer Strafverfolgung wegen dieser Plakate kommt, da sie eindeutig von der Meinungsfreiheit gedeckt sind.“

Schon zuvor seien identische Plakate in Hannover, Göttingen, Hildesheim, Braunschweig, Köln, Frankfurt am Main, Offenbach, Marburg, Kassel, Mannheim und Düsseldorf verbreitet worden – lokale Medien haben darüber berichtet.

„Wenn Gerhard Schröder noch ein bisschen Restwürde hat, würde er sich von Putin und seinen Kriegsverbrechen abgrenzen“, erklärt eine Sprecherin von „Dies Irae“. Diese Gruppe kritisiert immer wieder die kommerzielle Nutzung des öffentlichen Raums durch Außenwerbung, „um den Dauermonolog der Werbeindustrie zu unterbrechen. Durch die professionelle Anbringung wirken die Interventionen wie autorisierte Werbeplakate, wobei die politischen Inhalte häufig für Irritationen auf der Straße sorgen“, heißt es in der Selbstdarstellung.

Die Rückfrage der AZ per E-Mail an „Dies Irae“, warum man sich ausgerechnet auch Uelzen als Schauplatz für die aktuelle Plakat-Aktion ausgesucht hat, beantwortete ein Aktivist umgehend – und auch augenzwinkernd: „Ich wollte mir den Hundertwasser-Bahnhof schon immer mal ansehen.“

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