Ist die Sperrung der Marktstraßen an den Wochenenden erst der Anfang?

Plädoyers für autofreie Uelzener Innenstadt

Die Uelzener Marktstraßen: Zurzeit ist der Durchfahrtsverkehr an Wochentagen erlaubt. Aber bleibt das so? Aus der Politik kommen Vorschläge.
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Die Uelzener Marktstraßen: Zurzeit ist der Durchfahrtsverkehr an Wochentagen erlaubt. Aber bleibt das so? Aus der Politik kommen Vorschläge.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Ist die Sperrung der Marktstraßen in Uelzen an den Wochenenden im Sommer nur der Anfang? CDU-Bürgermeisterkandidatin Dr. Wiebke Köpp und die SPD im Rat haben Vorstellungen zum Verkehr in der Stadt. 

Uelzen – Noch steht das erste Wochenende, an dem die Uelzener Marktstraßen für den motorisierten Verkehr gesperrt sein werden, aus. Aber in der Politik wird bereits weiter gedacht. Die CDU-Bürgermeisterkandidatin Wiebke Köpp findet, Stadtgesellschaft und Rat sollten über eine autofreie Innenstadt nicht nur am Wochenende ins Gespräch kommen. Von der SPD im Rat liegt sogar nun ein Antrag vor. Demnach sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit der motorisierte Verkehr auf den Marktstraßen grundsätzlich auf ein Minimum reduziert werden kann.

Wiebke Köpp sieht ein Spannungsfeld. „Das Auto ist nach wie vor bei uns das Verkehrsmittel Nummer eins“, sagt sie. Das habe unterschiedliche Gründe, unter anderem das bisherige ÖPNV-Angebot. Gleichwohl leideten die Menschen im Innenstadtbereich: „Lärm, Abgas und Raser“, zählt sie auf.

Eine Innenstadt ohne Lärm, Abgas und Raser würde sie begrüßen. Aber klar ist für Köpp auch: „Wir müssen den Komfort für die Menschen erhalten“, damit ein autofreier Bereich Akzeptanz finde. Autos nur „auszusperren“, sei kein Weg – weder für Bewohner noch für Handel oder Tourismus. „Wir brauchen kluge Lösungen.“

Sie nennt Beispiele: Ein Elektroshuttle, der Menschen von Parkplätzen abholt und in die Innenstadt fährt. Oder versenkbare Poller, die per Handy bedient werden können, wenn beispielsweise eine Pizza abgeholt werden soll. „Ja, das wird Geld kosten. Aber Stadtgesellschaft und Rat sollten darüber reden“, so Köpp.

Klaus Knust, Vorsitzender der SPD-Fraktion, stellt zunächst klar: „Wir wollen die Innenstadt nicht totlegen.“ Aber auch er berichtet von dem Lärm und den Abgasen, die für die Menschen eine Belastung darstellten. Daher findet die SPD: Der reine Durchfahrtsverkehr soll aus den Marktstraßen „ausgeschlossen“ werden – sieben Tage die Woche. „Wer zum Arzt muss, in die Kirche will, dort wohnt, der soll weiterhin reinfahren können“, verdeutlicht Knust. Es gehe darum, den motorisierten Individualverkehr möglichst auf ein Minimum zu bringen.

Sichergestellt sein soll eine Anbindung an Parkplätze. Entsprechende Konzepte und Maßnahmen sollten dafür erarbeitet werden. Ob das nun neue Wege sind für eine gute fußläufige Erreichbarkeit der Marktstraßen oder Stadtbusse, die anders geführt werden – darüber sei zu sprechen.

Die SPD im Rat verweist in ihrem Antrag darauf, dass sie bereits 2007 einen Entwicklungsbereich Innenstadt forderte und konkret beantragte, die Gudesstraße in eine Fußgängerzone umzuwandeln. 2019 habe man dann noch einmal mit dem Vorschlag einer Einbahnstraßenregelung versucht, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu erhöhen.

Bisher hätten sich für die Forderungen nach einer wirksamen Verminderung des motorisierten Individualverkehrs in der Innenstadt keine tragfähigen Mehrheiten erzielen lassen, so die Sozialdemokraten. Aktuell zeichne sich aber in der gesellschaftlichen Diskussion ein Konsens hinsichtlich einer besseren Nutzung des öffentlichen Raumes für Kommunikation, Begegnung, Handel und Dienstleistung ab.

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