Pizza vom Bringdienst

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Das Bahnhofsrestaurant „Arte“ gibt Gästen immer häufiger den Anlass zu Beschwerden – und der Pächter ist offenbar abgetaucht.

Uelzen. Die Feier war lange vorbereitet, die Vorfreude groß. Schließlich kamen die rund 60 ehemaligen Abiturienten des Herzog-Ernst-Gymnasiums aus halb Europa, um 25 Jahre nach Bestehen ihrer Reifeprüfung miteinander zu klönen und ein paar gemütliche Stunden zu verbringen. Doch das Treffen an einem Freitagabend im Juni im Uelzener Bahnhofs-Restaurant Arte geriet zu einem Fiasko – zumindest, was die Bewirtung betrifft. Denn in dem Gastronomiebetrieb, einem Aushängeschild des Bahnhofs, herrschen seit Monaten chaotische Zustände. Von Thomas Mitzlaff

Die Bahn hat längst die Konsequenzen gezogen, dem Pächter Rainer Bruns, der nach AZ-Informationen seit Monaten die Pacht schuldig bleibt, schon im April fristlos gekündigt. Doch Bruns darf weitermachen, bis ein Nachfolger gefunden ist. „Dann müsste er das Lokal sofort räumen“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Die Bahn will so verhindern, dass der Betrieb bis zu einer Neuverpachtung leer steht – denn das wirft kein gutes Bild auf den deutschen Bahnhof des Jahres 2009, der tausende Touristen anlockt.

Doch es scheint zweifelhaft, ob sich die Bahn mit dieser Vorgehensweise auf Dauer einen Gefallen tut. Denn immer häufiger kommt es zu Klagen von Gästen. So wie im Fall der 60 HEG-Schulabgänger, die ihr silbernes Abitur feiern wollten. Zwar waren die Tische gedeckt, doch zu essen bekamen die Wenigsten. Manche bestellten schließlich resigniert Pizzen vom Bringdienst – toleriert vom freundlichen, aber hoffnungslos überlasteten Personal. „Die haben es noch nicht einmal schaffen können, uns mit Getränken zu versorgen“, schildert eine Teilnehmerin. „Dabei waren wir alle fröhlich, hatten uns viel zu erzählen – da kann man doch eigentlich ein gutes Geschäft machen.“ Doch nur wer sich zum Tresen „durchschlug“ und Beharrlichkeit bewies, konnte im Verlauf des Abends mehr als ein Bier trinken.

Für die Teilnehmer der Feier war das enttäuschend, „wir hatten uns gerade auf diese Örtlichkeit gefreut“, schildert eine Uelzenerin. Schließlich habe man sich schon vor fünf Jahren dort getroffen, „da haben wir oben in der Galerie bei einem italienischen Büfett gefeiert und man hatte eigens zwei Servicekräfte für uns abgestellt“.

Doch der Glanz vergangener Jahre ist längst verblasst im Arte, die Bahn zog nunmehr die Konsequenz. Pächter Rainer Bruns, dem jüngst schon ein Lokal im Hamburger Stadtteil Ottensen geräumt worden war, ist praktisch nicht erreichbar – mehrere Versuche der AZ mit Bitte um Rückruf blieben erfolglos. Auch das Personal bekommt den Chef nur selten ans Telefon, „unser Geld nehmen wir uns einfach aus der Kasse“, heißt es.

Es gebe mittlerweile Interessenten für das Lokal, sagt Meyer-Lovis. Doch die Branche durchlebe eine schwierige Zeit, jemanden für das „Arte“ zu gewinnen, sei nicht einfach. „Wir sinddeshalb sehr interessiert an weiteren Anfragen“, betont der Bahnsprecher. Bis jemand gefunden ist, darf Bruns weitermachen.

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