„Pistole auf den Tisch“

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Rainer Fabel (rechts), Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes, begrüßte die Bundestagsabgeordneten Michael Goldmann und Christel Happach-Kasan als Referenten bei der Uelzener Agrartagung.

Uelzen/Landkreis - Von Jürgen Köhler-Götze. Eigentlich hatte man sich vorgenommen, bei der 3. Agrartagung der FDP im Hotel „Deutsche Eiche“ vor allem über Veredlung, Baugenehmigung, Verbraucherschutz und die Agrarreform 2013 auf EU-Ebene zu diskutieren. Die aktuellen Ereignisse jedoch wirbelten die Tagesordnung durcheinander. Welches Thema die Debatte bestimmen würde, war auch dem FDP-Kreisvorsitzenden Rainer Fabel klar: „Dioxin liegt in der Luft.“

„Wir haben ein Riesenproblem“, stellte Michael Goldmann, Vorsitzender des Agrarausschusses im Bundestag, fest und sprach von Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe – pro Woche. Er telefoniere fast im Zweistundentakt mit Agrarministerin Aigner und die Nachrichten, die von ihr kämen, würden mit jedem Telefonat schlechter. „Das Zeug gehört nicht ins Futtermittel“, stellte er klar. „Es kann mir niemand erzählen, dass die sich da vertan haben. Das war Vorsatz und hohe kriminelle Energie.“ Aber Goldmann schwant auch schon: „Ich kann ihnen jetzt schon sagen, wer daran schuld war. Das war der Lehrling im ersten Lehrjahr, der einen Hebel falsch umgelegt hat.“

Trotzdem ist sich Goldmann sicher: „Noch nie waren deutsche Lebensmittel so sicher wie heute.“ Niemand werde tot umfallen, wenn er sein Frühstücksei esse. Gegen Kriminelle aber sei kein Kraut gewachsen. Keine Frage auch: „Wir brauchen die intensiven Haltungsformen bei der Tierproduktion.“

Die Wut der Landwirte hingegen entlud sich in der Diskussion nicht nur in Richtung kriminelle Futter-Panscher. Die Lebensmittelüberwachung habe versagt, schimpften sie. „Wenn bei mir auf dem Hof kontrolliert wird, gucken die, ob ich auch jeden Nagel gerade in die Wand gekriegt habe, aber beim Futter wird nicht richtig kontrolliert“, donnerte ein Schweinemäster.

Auch Kreisbauernverbands-Vorsitzender Thorsten Riggert hatte sich sein Grußwort bei der Veranstaltung sicher anders vorgestellt. Er kam mit Verspätung direkt von Verhandlungen zwischen Futtermittelherstellern und Schlachthöfen. Neun Stunden habe man am Vortag verhandelt um eine Erklärung, die die Futtermittelhersteller unterschreiben sollten, damit die Schlachthöfe wieder Schweine abnehmen, berichtete Riggert. Alles schien in trockenen Tüchern, aber beim Termin am Folgetag wollten die Futterproduzenten aus versicherungsrechtlichen Gründen die Erklärung nicht mehr unterschreiben. „Früher hätte man denen eine Pistole auf den Tisch gelegt“, wirft ein Landwirt ein, „die hätten schon gewusst, was sie damit zu machen haben.“

Unter anderen Umständen hätten Aussagen von Goldmann wie die, dass er „Bürgerinitiativen gegen Mastställe akzeptabel“ findet, zumindest im Emsland, für erstauntes Raunen im Publikum gesorgt. Er empfahl, die Kompetenzen der Kommunen zu stärken, um die Ansiedlung solcher Ställe besser steuern zu können. In der aktuellen Diskussion aber überdeckte die Wut der Bauern über den erneuten Skandal alle anderen Themen.

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