„Pflicht, das Kleinod zu erhalten“

Konzept für Schloss Holdenstedt erarbeitet: Tagungen, Kultur und Jugendprojekte

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Das Schloss Holdenstedt war in den letzten gut 30 Jahren im Besitz der Stadt.

Uelzen-Holdenstedt – Armgard von der Wense hat Pläne. Mit Partnern an der Seite will sie aus dem Schloss Holdenstedt eine Bildungs- und Kulturstätte machen. Dabei ist ihr und den Mitstreitern wichtig: Der Park bleibt unbebaut.

Und: „Ganz viel Lebendigkeit“ im und um das Schloss herum solle es geben.

Die 59-Jährige besitzt ein Vorkaufsrecht, mit dem das möglich wäre. Ihre Familie ist seit Jahrhunderten in Holdenstedt beheimatet, Vorfahren erbauten das noch existente Schloss Anfang des 18. Jahrhunderts, bevor es in den 1980er-Jahren veräußert wurde. Gut 30 Jahre gehörte es zuletzt der Stadt, die nun auch einen Verkauf anstrebte und mit dem Hamburger Investor Thies Boysen einen Käufer fand. Der Vertrag mit ihm wurde vorbehaltlich des altes Vorkaufsrechts geschlossen.

Den Kaufvertrag unterschrieben Jürgen Markwardt und Thies Boysen (rechts) – vorbehaltlich des Vorkaufsrechts.

Pläne von Boysen, wonach im Schlosspark Wohnplätze für Senioren entstehen sollen, sind von der Wense und Holdenstedtern ein Dorn im Auge. „Ich habe die Pflicht, dieses Kleinod zu erhalten“, sagt sie gestern.

Ein Institut und zwei Vereine sind gegründet worden, die als Mieter des Schlosses auftreten sollen. Mit dem „Institut für kulturelle Bildung“ sollen Tagungen im historischen Bau stattfinden. Unter anderem Musiktherapie-Professor Hans-Helmut Decker-Voigt hat bereits Interesse bekundet. Das Schloss soll auch Kulturstätte bleiben. Im Erdgeschoss könne ein galerieartiger Bereich dafür entstehen, so von der Wense. Unter dem Begriff „Kinder- und Jugendforum“ sollen zudem Projekte für und mit Heranwachsenden im Schloss stattfinden. Im Park könnte ein Naturerlebnispfad angelegt werden. Der historische Bau mit seiner Geschichte und der Park seien prädestiniert für Kinder- und Jugendprojekte, sagt von der Wense.

Armgard von der Wense hat mit Partnern ein Nutzungskonzept für das Schloss erstellt.

Nach Angaben der Stadt hat Armgard von der Wense, wenn sie das Vorkaufsrecht nutzt, alle Klauseln, die mit Thies Boysen für den Kaufvertrag ausgehandelt wurden, zu übernehmen. Damit ist nicht nur der Kaufpreis zu bezahlen, sondern auch das Schloss schrittweise zu sanieren. Von der Wense kennt den Vertrag, sagt: Elektrik und Brandschutz seien drängende Aufgaben. Angaben zum Kaufpreis machte bislang keiner der Beteiligten.

Kaufsumme, Sanierung und Unterhaltung – ist das zu stemmen? Durch Nutzer gebe es regelmäßige Mieteinnahmen, sagt von der Wense. Sie verweist auf Fördermittel für historische Bauten. Unter dem Titel „Rettet den Schlosspark“ ist auch ein Spendenaufruf formuliert worden. Wenngleich sie beabsichtigt, vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, entscheiden will sie es am 22. Dezember. Die Frist läuft bis Ende des Jahres.

VON NORMAN REUTER

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KOMMENTAR

Viel Mut – aber auch das Kapital ?

Schloss und Park existieren seit Jahrhunderten. Es ist ein Ort mit Geschichte. Sie wird besonders in diesen Tagen fortgeschrieben, in denen sich mit Armgard von der Wense ein Mitglied der Erbauer-Familie aufschwingt, einen Verkauf des Ensembles an einen Hamburger Investor zu verhindern.

Dabei betont von der Wense: Sie brauche das Schloss nicht privat, sie wolle keine neue Schlossherrin werden. Es gehe vielmehr darum, den Bau und den Park in seiner unbebauten Weise zu erhalten, gleichzeitig dort mehr Leben reinzubringen. Man möchte ihr dafür anerkennend auf die Schulter klopfen. Nun dreht es sich aber eben nicht nur um ein schützenswertes kleines Haus, sondern um ein Schloss mit einem großen Park, der wie das Gebäude keinen besonders „fitten“ Eindruck macht.

Damit auch weiterhin eine öffentliche Nutzung des Schlosses möglich ist, müssen Brandschutzauflagen erfüllt und die Elektrik erneuert werden. Und das ist sicherlich nur ein Teil der nötigen Arbeiten am Gebäude. Das kostet alles – und dass ein Spendenaufruf von den Akteuren gestartet wird, gibt einem zu denken.

Sollte von der Wense wirklich nach dem Kulturgut greifen, darf eines nicht passieren: Dass wegen der finanziellen Last irgendwann das Gebäude dem Verfall preisgegeben wird. Das wäre das Ende seiner Geschichte.

VON NORMAN REUTER

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