„Die Lage ist angespannt“

Pflegekräfte werden auch im Landkreis Uelzen gesucht

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Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte von drei auf vier Millionen im Jahr 2035 steigen. Dafür werden laut dem Institut der deutschen Wirtschaft 150.000 zusätzliche Altenpfleger benötigt.

Uelzen/Landkreis – Mehr als 17 000 Pflegestellen sollen nach einer Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts in deutschen Krankenhäusern unbesetzt sein. Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte von etwa drei Millionen im Jahr 2015 auf vier Millionen im Jahr 2035 steigen.

Das geht aus einer Simulationsrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor. Bis 2035 gebe es demnach einen Bedarf von 150 000 zusätzlichen Altenpflegern.

Stefan Müller-Teusler, Paritätischer.

„Die Lage ist angespannt, aber noch zu bewältigen“, sagt Stefan Müller-Teusler, Geschäftsführer beim Paritätischen in Uelzen. Etwa 60 bis 70 Mitarbeiter sind hier im Pflegebereich beschäftigt. „Auf konventionelle Stellenausschreibungen im Pflegebereich haben wir keine Bewerber mehr, das läuft stattdessen über Mund-zu-Mund-Propaganda“, erklärt Rüdiger Schlechter, Bereichsleiter Altenpflege des Deutschen Roten Kreuzes in Uelzen. 160 Angestellte im Pflegebereich zählt das DRK in Uelzen. Den Fachkräftemangel gebe es laut Schlechter schon länger. Neu sei nun auch ein Engpass an Pflegehelfern.

Die MediClin Seepark Klinik Bad Bodenteich kann derzeit laut dem kaufmännischen Direktor Ulrich Fernim alle Pflegestellen besetzen. „Wie in fast allen Kliniken in Deutschland sind auch bei uns im Bereich der Pflege vereinzelt Stellen offen. Einen Großteil der offenen Stellen vergeben wir an die Absolventen unserer Schule“, sagt Sonja Mengering, Sprecherin des Helios Klinikums Uelzen.

Rüdiger Schlechter, DRK.

Sowohl Müller-Teusler als auch Schlechter erwarten aufgrund der neuen Generalistikausbildung als Pflegefach-Mann/-Frau ein Problem in der Altenpflege, da Pfleger in Krankenhäusern besser bezahlt würden. Zuvor wurde entweder als Alten-, Gesundheits-, Kranken- oder Kinderkrankenpfleger ausgebildet. Schlechter: „Die Ausbildungen in den Schulen beginnen im Oktober, das heißt, es fehlen zehn Monate, sodass wir in drei Jahren das nächste Vakuum bekommen.“ Fernim bezeichnet die Zusammenlegung als positiv. „Die Spezialisierung nach zwei Jahren, zum Beispiel für den Bereich Altenpflege oder Kinderkrankenpflege, ist aus meiner Sicht notwendig, um sich vertiefte Kenntnisse in einem bestimmten Bereich anzueignen“, erklärt der kaufmännische Direktor der Seepark Klinik. Mengering begrüßt die Zusammenlegung der Ausbildungsberufe. Sie sagt: „Das neue Gesetz liefert einen wichtigen Schritt zur Aufwertung des Pflegeberufs, indem es erstmals bestimmte Tätigkeiten einer Pflegefachperson zuordnet.“

Müller-Teusler und Schlechter haben Erfahrungen mit Pflegekräften vom Balkan, sodass sie das neue Fachkräfte-Einwanderungsgesetz der Bundesregierung begrüßen. Es tritt im März in Kraft. Arbeitskräfte vom Balkan und auch zum Beispiel von den Philippinen sollen dann leichter in Deutschland arbeiten können. „Bei den bürokratischen Hürden muss noch nachgebessert werden. Momentan dauern die Verfahren sehr lange, bis die Fachkräfte dann tatsächlich anfangen können zu arbeiten“, sagt Fernim. Mengering verweist darauf, dass künftig die Vorrangprüfung entfalle. Dies könnte den Prozess der Fachkräfte-Einwanderung gegebenenfalls etwas verkürzen.

Müller-Teusler und Schlechter begrüßen den von der Bundesregierung angepeilten Tarifvertrag für die Altenpflege. Für Fernim ist die diesbezügliche Finanzierung noch nicht geklärt. „Es ist denkbar, dass die Beiträge zur Pflegeversicherung steigen und damit die Beitragszahler noch mehr belastet werden“, gibt er allerdings zu bedenken.

VON TIMO HÖLSCHER

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