„Pflege am Boden“

50 Teilnehmer veranstalten Flashmob auf der Rathauskreuzung

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50 Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Pflegeheimen gehen auf der Uelzener Rathauskreuzung zu Boden. Mit dem sogenannten Flashmob demonstrieren sie für eine bessere Bezahlung.

aja Uelzen. In der Uelzener Innenstadt haben am Samstagmittag mehr als 50 Teilnehmer mit einem Flashmob für Aufregung gesorgt. Schlag halb zwölf legten sie sich auf der Kreuzung bis in die Fußgängerzone auf den Boden und hielten Zettel in die Luft.

„Pflege am Boden“ stand darauf. „Das ist nicht zu übersehen“, würdigte Vitalmarktbesucherin Lehrerin Indra Salooja die Aktion.

Pflegekräfte aus umliegenden Krankenhäusern und Pflegeheimen waren dem Aufruf zum Flashmob gefolgt. Während Passanten zunächst irritiert waren und nicht verstanden, warum sie auf der Kreuzung vor dem Alten Rathaus nicht mehr voran kamen, blieben andere interessiert stehen. „Weil uns das alle angeht“, wie Vitalmarkt-Besucher Matthias Schott sagte.

Die Pflegekräfte forden vom Gesetzgeber eine Reform der Pflegepolitik, die sowohl die Situation für Pflegende aber vor allem für Gepflegte und deren Angehörige verbessern soll. Matthias Schott findet es wichtig, dass sich die Demonstranten dafür einsetzen. Einsetzen ja, aber hinlegen trauten sich vor allem ältere Bürger nicht. „Ich weiß ja nicht, ob ich wieder hochkomme“, sagte eine Dame mit Rollator, die ihre Pflegekräfte beim Flashmob unbedingt unterstützen wollte und demonstrativ mit ihrem Rollator zwischen den am Boden liegenden Menschen stehen blieb.

Den Pflegekräften geht es um den Fachkräftemangel, der sich durch eine angemessene Bezahlung, die den Beruf attraktiver macht, auffangen ließe, meint Pflegekraft Lisa-Marie Neumann. „Mehr Schulabgänger würden sich für diesen Beruf entscheiden.“ Bislang würden die von den hochqualifizierten Fachkräften erbrachten Leistungen von den Kranken- und Pflegekassen weder bei der stationären Pflege noch in der ambulanten Pflege zu Hause angemessen vergütet. Beispielsweise werde ein Toilettengang im ambulanten Dienst mit drei Minuten angesetzt, berichtet Neumann. „Das wiederpricht nicht nur jeglicher Lebenserfahrung, sondern auch der Würde der Menschen, die auf Fürsorge und Betreuung angewiesen sind.“ Körperpflege und Nahrungsaufnahme würden ebenso knapp kalkuliert.

„Es ist schlimm, dass die Pflege so zu Boden geht“, bekundete Monika Großmüller ihre Solidarität mit dem Flashmob, nachdem sie die erste Schrecksekunde überwunden hatte.

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