Caritas leitet Projekt über Wünsche und den Umgang mit Geld im Kindergarten in Groß Liedern

Ein Pferd, ein Auto oder ein Bett?

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„Taler, Taler, Du musst wandern“: Lenya lässt unauffällig im DRK-Bewegungskindergarten in Groß Liedern einen begehrten Euro in die Hände von Henry fallen. Die Kinder, die im Sommer eingeschult werden, nehmen derzeit an einem Projekt der Caritas zum Umgang mit Geld teil.

Uelzen. „Mir fällt nichts ein. Ich habe schon alles fürs Ballett. Und ich habe auch schon ganz viele Kleider. “ Die fünfjährige Lenya ist wunschlos glücklich. Beim Projekt „Taler, Taler. . .

“ im DRK-Bewegungskindergarten in Groß Liedern beschäftigen sie und die anderen Kinder im Vorschulalter sich mit dem Thema Geld. Was wünscht Ihr Euch, um glücklich zu sein, fragt Astrid Jansen-Kuhnke von der Caritas Uelzen/Lüchow-Dannenberg.

Während Lenya sich dann doch für ein Kleid entscheidet, wünscht sich Celine ein Kuscheltier und Damian Tyrese eine Katze. „Ich wünsche mir, dass ich endlich mal Auto fahren kann“, sagt der sechsjährige Henry und malt ein Auto auf ein Papier, „und dass meine Omi und mein Opi nicht sterben und dass Frieden herrscht.“ Auf spielerische Weise verdeutlicht die Schuldnerberaterin den Kindern, dass es Unterschiede unter den Menschen gibt. Sie zeigt auf eine Skizze mit einem Kind im selben Alter wie Lenya und Henry: „Felix besitzt nichts außer dem, was er trägt: einen Schlafanzug und Hausschuhe“, sagt Astrid Jansen-Kuhnke. Die Fünf- und Sechsjährigen stellen fest: Felix würde sich nicht als erstes ein Pferd oder ein Auto wünschen. Und dann kommen eine Reihe von Ideen aus der Runde: Kleidung, Zahnbürste, Spielzeug, ein Bett.

Dieses Beispiel ist nicht abwegig, erklären im Anschluss an die erste Projekteinheit die Mitarbeiterin der Caritas und die Erzieherin Imke Barenschee. Manche Kinder seien zu Ostern so reich beschenkt worden wie zum Geburtstag oder zu Weihnachten, berichten sie. Andere hingegen würden zu Ostern lediglich Schokoladeneier vorfinden.

Deshalb ist es aus Sicht von Astrid Jansen-Kuhnke sinnvoll, Kinder schon früh im Umgang mit Geld zu schulen. „Gerade junge Erwachsene, die nie verzichten mussten und deren Wünsche immer erfüllt wurden, bekommen Probleme, wenn sie auf eigenen Beinen stehen.“ So berichtet sie von einer Klientin, die mit 18 Jahren schwanger geworden sei und von der Geldhöhe, die sie zuvor als Taschengeld zur Verfügung gehabt habe, plötzlich sich selbst als Alleinerzieherin und ihr Kind versorgen musste. „Sie war innerhalb kürzester Zeit verschuldet“, sagt Jansen-Kuhnke. Deshalb findet sie: „Kinder sollten lernen, dass man für manche Dinge sparen muss.“

Dass man zur Erfüllung vieler Wünsche Geld benötigt, will sie den Fünf- und Sechsjährigen des Kindergartens Groß Liedern, die im Sommer eingeschult werden, in den kommenden Wochen noch verdeutlichen – dann sollen Schokoladen-Taler echte Münzen ersetzen. Nach den drei Projekteinheiten gibt es auch ein Gespräch mit den Eltern, denen das Ergebnis vorgestellt werden soll. In den CJD-Kindergärten Oetzen, Rosche und Suhlendorf hat Astrid Jansen-Kuhnke dieses Projekt schon veranstaltet. Sie und ihre Kollegen besuchen auch Schulklassen zur Sensibilisierung im Umgang mit Geld.

Von Diane Baatani

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