Uelzener Kirchenkreistag diskutierte über Sparquote / Frist für konkreten Stellenplan bis Juni

Pastoren sägen am eigenen Stuhl

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Uelzen. Der Uelzener Kirchenkreistag hat sich auf seiner Sitzung am Mittwochabend im Gemeindehaus von St. Petri nach langer Diskussion mehrheitlich auf ein Spar-Konzept geeinigt.

Demnach wird bis 2016 unter anderem eine Pfarrstelle gekürzt, eine Viertel Diakonstelle und Stellenanteile im Diakonischen Werk. Ebenso wird im Küsterdienst, in Pfarramtsskretariaten und in der Kirchenmusik die Spar-Quote zu spüren sein.

In welchen Gemeinden beispielsweise die ganze Pfarrstelle einzusparen ist, soll noch in den einzelnen Regionen des Kirchenkreises besprochen werden, bevor das Landeskirchenamt informiert wird. Auf der nächsten Sitzung im Juni wird voraussichtlich über den konkreten Stellenplan bis 2016 abgestimmt. Das Landeskirchenamt hatte dem Kirchenkreis ursprünglich eine Frist bis Ende 2011 gesetzt.

Auf der Sitzung haben die Delegierten über die Bereiche heftig diskutiert, in denen Mittel aus der Landeskirche verwendet werden. Nachdem im vergangenen Jahr einzelne Gruppen erarbeitet haben, welche Aufgaben „Kirche“ leistet und weiterhin leisten soll, stand auf der Sitzung nun die Kürzung in fast allen Bereichen um 5,5 Prozent im Raum.

Der Stellenplan- und Strukturausschuss erwartet von den Mitgliedern des Kirchenkreistages Vorschläge für die Umsetzung der Spar-Vorgabe der Landeskirche. Im Jahr 2016 erhalte der Kirchenkreis nur noch rund 5,6 Millionen Euro, machte der Vorsitzende des Ausschusses, Pastor Uwe Mestmäcker, deutlich. Da die Zahl der Gemeindemitglieder im Kirchenkreis innerhalb der vergangenen Jahre um 4000 gesunken sei, gebe es weniger Finanzmittel aus Hannover. Alternativ könnten etwa in Bereichen wie der Kirchenmusik die Gemeinden sich überlegen, wie sie Gelder akquirieren, um ihren Aufgabenbereich trotz Kürzung um 5,5 Prozent weiterhin im selben Umfang verfolgen zu können.

Die Sparquote wollte ein Großteil der Delegierten nicht unkommentiert hinnehmen. Pastor Hermann Charbonnier etwa forderte, in einem Schreiben an die Landeskirche mit aufzuführen, dass bei einer Stellenkürzung „die Arbeit im Umfang einer Viertel Diakon-Stelle wegfällt“.

„Wir sind an der Belastungsgrenze angekommen““, erklärt er. Das gelte für alle Bereiche, in denen gekürzt werde.

Pastor Reinhard Klingbeil befürchtet, dass aufgrund der Maßnahmen Ehrenamtlichen künftig noch mehr zugemutet werden müsse: „Ich beobachte jetzt schon, dass die Ehrenamtlichen doch viel mehr belastet sind als die Hauptamtlichen und das Gefühl haben, die Aufgaben wachsen ihnen über den Kopf.“

Problematisch sei, dass „die Beteiligten in den Kompetenzgruppen oft über ihre eigene Stelle zu befinden haben, quasi am eigenen Stuhl sägen sollen“, gestand Propst Jörg Hagen. Über die Möglichkeit der Stellenkürzung zu diskutieren, ohne sich darunter die Personen vorzustellen, sei schwierig, weiß auch Jörg Bode, Leiter des hiesigen Kirchenkreisamtes. Andererseits hätten sie die Chance mit zu entscheiden, welchen Bereich es trifft.

Für das Diakonische Werk in Uelzen gilt künftig, dass das Landeskirchenamt die Mittel pro Gemeindemitglieder verteilt und nicht mehr entsprechend der Aufgabenbereiche. Das bedeute, dass manche Kirchenkreise plötzlich über mehr Diakonie-Mittel verfügen als zuvor. Für die Diakonie in Uelzen gebe es hingegen etwa 51 000 Euro weniger als zuvor.

Bevor das Diakonische Werk sich mit dem Diakonieverband Lüneburg-Bleckede zusammenschließt, muss für den Uelzener Part beschlossen werden, wie die Sparquote von 5,5 Prozent umgesetzt wird. Da zum Jahresende eine Mitarbeiterin der Ehe- und Lebensberatung in den Ruhestand geht, wird die Stelle ersatzlos gestrichen. Zudem soll in der Uelzener Bahnhofsmission der Stellenanteil um 0,9 Stellen und in der Verwaltung um 10 Prozent gekürzt werden.

Von Diane Baatani

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