Carsten Junge wird neuer Gefängnisseelsorger in der JVA Uelzen / Iris Junge Pastorin an St. Marien

Pastoren-Ehepaar wagt Neuanfang

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Iris und Carsten Junge wagen in Uelzen den Neuanfang. Sie wird Pastorin an der Uelzener St.-Marien-Kirche, er wird Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Uelzen.

Uelzen. Lange überlegen mussten Iris und Carsten Junge nicht, als ihnen in Uelzen zwei Pastorenstellen angeboten worden. Die 51-Jährige wird Pastorin an der Kirchengemeinde St. Marien in Uelzen und der 52-Jährige wird Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Uelzen.

„Es ist ein recht großer Einschnitt und eine neue Herausforderung“, sagt Carsten Junge über seine zukünftige Arbeit in der JVA, die er am 1. Februar mit einer vierwöchigen Hospitation beginnen wird. Zuvor war er 17 Jahre Pastor im Buxtehuder Ortsteil Neukloster. Die Hospitation sei nötig, um sich über die Abläufe vor Ort zu informieren und erste Kontakte zu knüpfen.

„Die Gefängnisseelsorge ist wichtig“, erklärt Carsten Junge. Und nach kurzem Nachdenken erklärt er: „Mitarbeiter und Insassen können sich im Vertrauen an uns wenden. Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.“ Ansonsten, ordnet Junge ein, sei das Leben in einer JVA sehr gläsern. Die Insassen seien auch nicht ohne Grund da, verdienten aber einen Ansprechpartner, mit dem sie über ihre Probleme sprechen könnten. „Sie wollen nicht unbedingt über ihre Tat sprechen, sondern über alltägliche Probleme, etwa dass ihre Freundin schlussgemacht hat“, so der gebürtige Heidjer aus Neuenkirchen im Heidekreis, der in der JVA zum ersten Mal mit Straftätern zusammenarbeiten wird. Zuvor habe er schon Erfahrung in der Männerarbeit gesammelt. Vor allem wolle er dabei Brücken bauen, etwa beim Vater-Sohn-Kontakt helfen. Zum Ausgleich zur Arbeit in der JVA werde er sich wieder um den Garten kümmern, dies sei eines seiner Hobbys, so Carsten Junge.

Auch für seine Frau Iris Junge ist es ein Neuanfang nach fünf Jahren als Pastorin in Moisburg im Landkreis Harburg. „Vor Uelzen habe ich immer nur im ländlichen Bereich gearbeitet. Jetzt bin ich das erste Mal in einer Stadtgemeinde“, sagt sie. Das sei ihr zwar nicht fremd, aber auch eine Herausforderung. Aber sie und ihr Mann hätten sich bewusst dafür entschieden nochmal einen Wechsel zu wagen. „Wir haben uns gedacht: ‘Wenn nicht jetzt, wann dann’“, so Iris Junge. Auch wenn ihr 14-jähriger Sohn, das jüngste von drei Kindern nicht unbedingt vom Umzug begeistert gewesen sei. Die beiden 19 und 24 Jahre alten Töchter studieren oder haben ihr Studium gerade abgeschlossen.

„Das ist für uns eine Chance, sich neu zu entdecken“, sagt die ehemalige Rundfunkmoderatorin. Bei der Arbeit in der Gemeinde wolle sie vor allem versuchen, auch diejenigen in die Kirche zu holen, die mit ihr bisher wenig am Hut haben. „Ich möchte mich mit denen auf dem Weg machen, die da sind und gleichzeitig Kirche für andere öffnen“, sagt sie. Ein Mittel um Menschen mit den Glauben in Berührung sei etwa die Musik, so die Junges, die beide musikalisch aktiv sind. Sie spielt Klarinette und er hat in Neukloster im Chor gesungen und den Posaunenchor geleitet. Ansonsten würden sie gerne auf Reisen gehen.

Am 5. Februar stellt sich Pastorin Iris Junge offiziell der Kirchengemeinde St Marien im Gottesdienst vor.

Von Lars Lohmann

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