AZ besucht die Uelzener SPD-Basis

Partei-Arbeit im Umfragetief

Uelzener Sozialdemokraten treffen sich mit Interessierten einmal im Monat zu einem Stammtisch im Astefix, um sich über aktuelle Themen oder auch den Zustand der SPD auszutauschen.
+
Uelzener Sozialdemokraten treffen sich mit Interessierten einmal im Monat zu einem Stammtisch im Astefix, um sich über aktuelle Themen oder auch den Zustand der SPD auszutauschen.

Uelzen – Für viele Wähler ist die SPD aktuell keine Option mehr. In einer jüngsten Umfrage kommt die Partei auf 11,5 Prozent. Nachdem Andrea Nahles zurückgetreten ist, fehlt auch noch eine neue Spitze. Kommentatoren sprechen von einer Partei in der Krise.

Manfred Daum ist nicht zu bremsen. Seit fast 40 Jahre ist Daum Mitglied der SPD.

Ein Großteil dieser Zeit hat er für die Partei im Uelzener Rat gesessen, hat Entscheidungen zur Stadtsanierung oder zum Bau des Rathauses getroffen. Eingetreten ist er in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands wegen der großen Fragen, die das ganze Land betreffen. Sie sind es auch, die ihn jetzt umtreiben und auf die – seiner Auffassung nach – die SPD zu wenig Antworten hat: „Die haben in Berlin einen solchen Berg vor den Füßen“, schimpft er. „Warum packen sie es nicht an?“, fragt er in die Runde.

Die Uelzener Sozialdemokraten laden einmal im Monat zum Stammtisch ein. Willkommen sind Parteimitglieder und Interessierte, die sich austauschen wollen. Ob nun zu lokalen Themen, Bundespolitik oder zum Zustand der Partei, nach dem die AZ an diesem Abend fragt.

Stimmung auf lokaler Ebene ist „gut“

Die SPD hat im Mai die Europawahl krachend verloren. Vorsitzende Andrea Nahles nahm ihren Hut. In Umfragen kommt die Partei aktuell auf noch 11,5 Prozent, das wären etwa 6 Millionen Wählerstimmen und damit 14 Millionen weniger als zur Zeit der Schröder-Wahl 1998.

Was die Arbeit auf lokaler Ebene betrifft, da lässt Klaus Knust nichts auf seine Parteikollegen kommen. „Das funktioniert. Hier ist die Stimmung gut“, sagt der Oldenstädter, der die SPD-Fraktion im Stadtrat anführt. Mit Blick auf Hannover und Berlin können Sozialdemokraten an diesen Abend dann aber doch nicht an sich halten. Ländlichen Regionen wie Uelzen würden beispielsweise zunehmend Behörden und Ämter entrissen, ärgert sich Manfred Daum – „und dann wundert man sich, dass die Menschen das Gefühl haben, vernachlässigt zu werden.“ Und wer sich vernachlässigt fühle, der wende sich anderen zu.

Die AfD kommt nach aktuellen Umfragen auf 13 bis 14 Prozent. Die Grünen verzeichnen Rekordwerte. Sie liegen gleich auf mit der CDU, könnten den Kanzler stellen. Jan Henner Putzier, Ortsvereins- und Unterbezirkschef, nennt die Grünen ein „One-Hit-Wonder“ – mit der Ökologie könne man in diesen Zeiten punkten. Und für eine Partei mit nur einem Thema sei es leichter, sich zu positionieren, als für die SPD, die sich um weit mehr kümmere. Sozialdemokrat Wilfried Teichmann stimmt mit ein: Die Grünen seien nur ein „Fachgeschäft“.

Genug Arbeit vorhanden

Die Digitalisierung schreitet voran. Die Jahre fallen wärmer aus. Die Mieten steigen. Es gebe spürbare Veränderung, sie würden bei den Menschen Fragen zu ihrer Zukunft aufwerfen, sagt Holst. Und es fehlten die Antworten, die gegeben werden müssten. Also Arbeit gibt es genug, meint auch Daum. Angepackt werden müsse dieser Berg aber eben werden.

Rumgemäkelt würde stets auch an den Vorsitzenden, so Knust. In den vergangenen 20 Jahren zählte die Partei neun Chefs. Nach dem Abschied von Andrea Nahles läuft ein Bewerbungsverfahren. Bis September können sich Kandidaten bewerben, die Basis soll gehört werden. Ein Führungsduo gilt als wahrscheinlich.

„Viel erreicht“ in der GroKo

Eine, die es noch mal wissen will, ist die Flensburgerin Bürgermeisterin Simone Lange. Sie ist keine Freundin der großen Koalition. 2018 waren die Parteimitglieder über ein Wiedereintritt die GroKo befragt, zwei Drittel sprachen sich für eine Regierungsbeteiligung aus. Die AZ fragt seinerzeit nach der Haltung hiesiger Sozialdemokraten – eine Mehrheit spricht sich dafür aus. Weil der Koalitionsvertrag gut verhandelt worden sei; weil bei Neuwahlen die SPD noch Stimmen verlieren werde, heißt es damals. Nun beim Stammtisch wird erklärt, das „viel“ erreicht worden sei in der Regierung. Fredericke Knust meint aber: „Das hilft uns ja nichts.“

Im September und Oktober sind wieder Wahlen. Die Menschen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg sind aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Manfred Daum will, egal wie die Urnengänge ausgehen, der SPD treu bleiben. „Ich bin eng mit der Partei verbunden. Sie ist mir nicht gleichgültig“, sagt er.

VON NORMAN REUTER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare