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Parkhaus-Bau: Uelzener Politik zieht die „Notbremse“

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Von: Norman Reuter

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Auf dem Gelände an den Gleisen, mit Zufahrt über die Kaiserstraße, stand bis Sommer 2020 die alte Parkpalette. Nach ihrem Abriss sollte hier das neue Parkhaus entstehen.
Auf dem Gelände an den Gleisen, mit Zufahrt über die Kaiserstraße, stand bis Sommer 2020 die alte Parkpalette. Nach ihrem Abriss sollte hier das neue Parkhaus entstehen. © Reuter

Über Jahre wurde politisch darum gerungen, kalkuliert und Pläne entworfen: Jetzt aber zeichnet sich ab, dass am Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen kein neues Parkhaus mehr gebaut wird.

Uelzen – Die Uelzener Kommunalpolitik rückt von den Plänen, einen Neubau des Parkhauses am Hundertwasser-Bahnhof errichten zu lassen, ab. Eine Mehrheit im städtischen Bauausschuss spricht sich am Donnerstagabend dafür aus, dass ein Neubau nicht weiter verfolgt wird.

Die Kehrtwende der Politik zum Parkhaus geht auf den Vorstoß des Uelzener Bürgermeisters Jürgen Markwardt zurück, angesichts der unsicheren finanziellen Zukunftder Stadt vor allem durch den Ukraine-Krieg und die Baukosten-Explosion Großprojekte auf Eis zu legen (AZ berichtete). Die CDU im Stadtrat hat den Ball aufgenommen und einen Antrag formuliert, nach dem das Parkhaus nicht mehr gebaut werden soll, sondern stattdessen eine ebenerdige Parkanlage.

Christdemokrat Wilhelm Bauck verweist im Bauausschuss auf die Kosten für den Neubau des Parkhauses und die finanzielle Belastung für die Stadt. Zuletzt war die Summe von 11,7 Millionen Euro genannt worden. Gleichwohl brauche es Parkmöglichkeiten am Bahnhof, so Bauck. Dies sei mit einer ebenerdigen Parkanlage zu erreichen.

„Wir stehen dafür, dass die, die regelmäßig die Anlage nutzen, trockenen Fußes zu den Gleisen kommen“, sagt Wilhelm Bauck weiter. Deshalb solle eine Teilfläche überdacht werden. Wie viel Quadratmeter Überdachung es letztlich genau würden, das sei eine Frage der Kosten. „Ich befürchte, da müssen wir einen Kompromiss finden.“

Von der SPD gibt es zur Abkehr von den Bauplänen keinen Widerspruch. Sozialdemokrat Uwe Holst: „Dass wir uns leider Gottes von den Bauplänen verabschieden müssen, ist inzwischen bei allen angekommen.“

Holst stellt aber infrage, ob es jetzt sinnvoll sei, eines der großen Bauprojekte bereits jetzt zu beraten, oder ob es nicht besser wäre, ein gesamtes Sparparket für die Stadt zu schnüren. Vom Bürgermeister waren auch die Sanierung der Stadthalle und des Dorfgemeinschaftshauses in Groß Liedern sowie Straßenbauprojekte zur Disposition gestellt worden.

Pierre-Pascal Berning erklärt für die Stadtverwaltung, dass der einst von der Politik erteilte Auftrag, ein Parkhaus planen und errichten zu lassen, eine Reihe von Aufträgen ausgelöst habe. „Wir brauchen von der Politik nun Klarheit – sprich, ob die Notbremse gezogen werden soll“, so Jean-Pascal Berning. Zur Nachfrage der AZ gestern, wie viel Euro bereits in die Parkhaus-Planungen geflossen sind, erklärt die Stadt: „Für das Projekt sind bislang Kosten von rund 750 000 Euro entstanden. Unabhängig investiert worden – egal ob ein Parkhaus oder eine Parkfläche gebaut wird – sind davon rund 350 000 Euro. Die Beträge sind beispielweise für den Rückbau der alten Parkfläche, Kampfmittelsondierung und Bodenuntersuchung sowie den Kauf des Grundstückes angefallen.“

Mit sechs zu drei Stimmen bei zwei Enthaltungen spricht sich der Ausschuss letztlich für den CDU-Antrag aus und damit für eine ebenerdige Anlage, die teilweise überdacht wird.

Der Ausschuss-Vorsitzende Hans-Jürgen Heuer (CDU) gibt noch zu bedenken, dass auf einer Dachfläche in jedem Fall eine Photovoltaikanlage installiert werden soll. „Da gehört sie hin, nicht auf Felder“, so Heuer. Wilfried Teichmann gibt der Verwaltung noch mit auf den Weg, dass der Untergrund so hergerichtet werden sollte, dass für den Fall, die Hansestadt komme noch einmal zu Geld, doch noch ein Parkhaus gebaut werden könne.

Bis Sommer 2020 stand an den Gleisen mit Zufahrt über die Kaiserstraße die alte Parkpalette. Sie wies solche Mängel auf, dass eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich erschien. Bereits 2019 wurde über einen Neubau beraten.

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