Baukosten fallen höher aus, als bisher angenommen

Parkhaus-Bau am Uelzener Bahnhof: „Alles auf Null setzen“

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Die bisherige Parkpalette am Bahnhof ist abrissreif. Ein Neubau wird 3,2 Millionen Euro teurer als bisher angenommen. Die Politik wird erneut über das Vorhaben beraten.

Uelzen – Ein neues Parkhaus am Bahnhof wird mindestens 3,2 Millionen Euro teurer als bisher angenommen. So wird die Politik erneut über das Projekt beraten.

Und Ratsmitglieder kündigen an: Bei solchen Kostensteigerungen müsse auch noch einmal über die Zukunft des Theaters und der Stadthalle gesprochen werden.

„Desaströs“ nennt Karl-Heinz Günther (CDU) die Entwicklung. Von einem „Schlag ins Kontor“ spricht Klaus Knust (SPD). Und Karl-Heinz Schmäschke (Grüne) sagt: „Das ist unmöglich.“ Uelzener Politiker finden teils deutliche Worte in diesen Tagen zum Parkhaus-Neubau mit 400 Stellplätzen am Bahnhof. Ihnen ist mitgeteilt worden, dass das Vorhaben mindestens 3,2 Millionen Euro teurer wird. Nach Berechnungen des beauftragten Architekten liegen die Kosten nun bei 10,2 Millionen Euro.

Ralf Munstermann, UWG-Fraktion

Zu befürchten sei, sagt Ralf Munstermann von der UWG im Stadtrat, dass dieser Betrag noch nicht das Ende der Fahnenstange sei. Er erinnert daran, dass es zu dem Bau des Parkhauses noch keine Ausschreibung gegeben habe, bei der es angesichts des Baubooms noch einmal zu Überraschungen kommen könne. Zuletzt hatte dies der Landkreis bei seinen Plänen für die neue KGS-Sporthalle erlebt (AZ berichtete).

Angesichts der Kostensteigerung beim Parkhaus wird die Politik sich erneut mit dem Vorhaben befassen. Und Munstermann erklärt, dann müsse noch einmal grundsätzlich über die anstehenden Bauprojekte in der Stadt gesprochen werden – also auch über das Theater und die Stadthalle. Beide sollen in den nächsten Jahren saniert werden. Munstermann fragt: Ist das noch zu finanzieren, wenn es auch dort womöglich zu Kostensteigerungen kommt? „Was wir uns nicht leisten können, ist, in einen neuen Schuldenstrudel zu geraten“, so Munstermann.

Karl-Heinz Schmäschke, Grüne/Piraten/FDP und Linke

Karl-Heinz Schmäschke, Vorsitzender der Gruppe Grüne, FDP, Piraten, Linke, sagt: Die Politik habe die Aufgabe, verantwortungsvoll mit den Finanzen umzugehen. Deshalb müsse noch einmal „grundlegend nachgedacht“ werden. So findet auch Schmäschke, dass Stadthalle und Theater erneut zum Thema werden sollten. In jedem Fall sei beim Parkhaus „alles auf Null zu setzen“ und es seien Alternativen zu betrachten. Er rechnet vor, dass sich die Politik mit einer Kostensteigerung um fast 50 Prozent konfrontiert sieht.

Klaus Knust, SPD-Fraktion

Klaus Knust, Chef der SPD-Fraktion, bezeichnet die neue Situation als „absolut unerfreulich“. Fairerweise müsse aber daran erinnert werden, dass bei den politischen Beratungen zum Parkhaus die Stadtverwaltung erklärt habe, dass es sich bei den bisherigen Zahlen um Kostenschätzungen gehandelt habe und es noch zu Veränderungen kommen könne. 3,2 Millionen Euro zusätzlich seien trotzdem ein Schlag ins Kontor und seine Fraktion werde beraten, wie man damit umgehe.

Die CDU reagierte zunächst mit Unverständnis auf die Kostensteigerung. CDU-Chef Karl-Heinz Günther schloss in einer ersten Reaktion nicht aus, dass die Politik einen Rückzieher in Sachen Neubau machen könnte. Klar ist indes, dass das alte Parkhaus auf Dauer nicht mehr genutzt werden kann. Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung nicht möglich ist.

Susanne Niebuhr, WIR für Uelzen

„WIR für Uelzen“ spricht sich trotz der Kostensteigerung für einen Neubau aus. Denn eine reine Stellplatzanlage als Alternative würde nur 75 Prozent der bislang vorhandenen Stellplätze, die von den Pendlern dringend benötigt würden, umfassen. Sollte die Ausschreibung ergeben, dass Preise aufgrund des aktuellen Baubooms ins Uferlose steigen, müsse ein weiteres Mal ausgeschrieben werden. Sollten erneut „Mondpreise“ genannt werden, dann müsse gegebenenfalls umgedacht werden.

VON NORMAN REUTER

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