Homosexuelle Polizisten der Region haben Ansprechpartner / Wenige Beratungen

Outing als Karrierekiller ?

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Uelzen/Harburg. Schwule und Lesben im Polizeidienst scheuen ein Outing vor allem, weil sie das Bekenntnis zur sexuellen Orientierung als möglichen Karrierekiller fürchten. Zu dieser Einschätzung kam gestern Jan Meier im AZ-Gespräch.

Er ist einer von zwei „Ansprechpartnern für gleichgeschlechtliche Lebensweisen“ in der Polizeidirektion Lüneburg, deren Arbeit gestern in Harburg auch noch einmal vorgestellt wurde.

Wie Meier sagte, sei dies seit Längerem geplant gewesen, durch das Outing des früheren Fußballnationalspielers Thomas Hitzlsperger sei das Thema jedoch gerade jetzt hoch aktuell. Wie berichtet, hat sich der 31-jährige Hitzlsperger wenige Monate nach dem Ende seiner Profi-Laufbahn in einem Zeitungsinterview zu seinen Gefühlen für Männer bekannt und angedeutet, wie belastend für ihn teilweise Sprüche früherer Teamkollegen gewesen seien.

Um solche Situationen im Polizeidienst zu verhindern und ein Berufsklima zu schaffen, in dem Schwule und Lesben ihre Orientierung nicht verstecken brauchen, gebe es seit 2006 die „Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen“ in Niedersachsen, schildert Jan Meier. Er selbst habe die Aufgabe 2007 in der Polizeidirektion Lüneburg übernommen.

Seine Kollegin Svenja Schuhmann sei dann ein Jahr später dazugestoßen. Im Arbeitsalltag erlebe er einen sehr unkomplizierten Umgang der Polizisten mit schwulen und lesbischen Kollegen und Homosexuellen in der Bevölkerung. Die Zahl derjenigen Polizisten, die sich wegen ihrer sexuellen Orientierung an ihn und Svenja Schuhmann wendeten, sei aber bislang gering gewesen. Meier sieht dies zum einen in der Furcht vor Stolpersteinen beim Vorankommen im Berufsleben begründet, aber auch in Ängsten von jungen Kollegen begründet, die, wenn sie neu auf einer Wache seien, die Reaktionen der Kollegen nicht einschätzen könnten. Er erinnerte daran, dass Homosexualität bis in die 1990er Jahre in Deutschland strafrechtlich verfolgt wurde. Zudem glaubt Meier, dass das Beratungsangebot noch nicht allen Kollegen bekannt sei.

Neben der Beratung unterstützen Jan Meier und Svenja Schuhmann die polizeiliche Arbeit, wenn es beispielsweise um Delikte mit homophobem Hintergrund und um Straftaten beispielsweise in gleichgeschlechtlichen Beziehungen geht. Zudem wird auch Öffentlichkeitsarbeit betrieben, die Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Polizei stellen sich in Vereinen und Gruppen für Homosexuelle vor. „Schwulen und Lesben sollen keine Angst haben, wenn sie als Opfer von Gewalttaten zur Polizei gehen“, sagt Meier. Damit werde auch ein Zeichen an die Täter gesetzt.

Von Norman Reuter

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