Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen sieht ungewisser Zukunft entgegen

Auf dem Opferaltar?

Foto vor dem WSA-Gebäude, drinnen ging es dann um die Zukunft der Einrichtung: Frank Steinmann, Rainer Fabel, Torsten Staffeldt, Uwe Klatt. Foto: Wendlandt

Uelzen. Ob Hauptzollamt oder Deutsche Telekom, Landeszentralbank oder auch Bereitschaftspolizei – der Aderlass an Behörden und anderen großen Arbeitgebern, den Uelzen in den vergangenen Jahrzehnten hinnehmen musste, ist schier unendlich.

Jetzt sind die Agentur für Arbeit sowie das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) im Streich-Gespräch – Anlass für den FDP-Landratskandidaten Rainer Fabel, in die Offensive zu gehen: Mit dem Bundestagsabgeordneten Torsten Staffeldt holte er gestern den Experten seiner Partei für Schifffahrt und Wasserstraßen nach Uelzen, der auch im Verkehrsausschuss des Bundestags sitzt. Staffeldt diskutierte mit der Personalratsspitze des WSA über die geplante Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung.

Für den gesamten Elbe-Seitenkanal (ESK) und 88 Kilometer Mittellandkanal ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen zuständig, in den Verantwortungsbereich der insgesamt 240 Mitarbeiter fallen mit zwei Schleusen in Esterholz und Sülfeld sowie dem Schiffshebewerk in Scharnebeck auch drei große Bauwerke. Obwohl der ESK eine der wichtigsten Wasserstraßen in Norddeutschland ist, droht ihm bei der geplanten Reform die Abstufung von der höchsten Bedeutung „Vorrangnetz“ ins „Hauptnetz“, das wäre gewissermaßen die zweite Liga. Grundlage dafür ist ein umstrittener Berechnungsschlüssel über die Gütertonnen, die pro Jahr über die jeweilige Wasserstraße transportiert werden. Ab 10 Millionen Tonnen wäre der ESK im Vorrangnetz angesiedelt, errechnet wurden aber nur 9,5 Millionen Tonnen – die Grundlage dieser Auswertung sah auch Staffeldt als „sehr zweifelhaft“ an, da sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, versicherte er gestern.

Denn eine Abstufung des ESK würde womöglich nicht nur eine deutliche Beschneidung des WSA Uelzen bedeuten – dazu würden auch alle zukünftigen Investitionen für den Kanal in Frage gestellt. Für die Schifffahrt wäre das fatal, denn derzeit laufen die Planungen für den Bau einer Schleuse bei Lüneburg – das dortige Schiffshebewerk kann den Andrang nicht mehr bewältigen und auch größere Binnenschiffe nur mit umständlichen Koppel-Manövern durch die Anlage schleusen.

Dem WSA droht derweil der Entzug des 88 Kilometer langen Abschnitts auf dem Mittellandkanal. Für die Binnenschifffahrt hätte auch das fatale Folgen, machten der Personalratsvorsitzende Uwe Klatt und sein Stellvertreter Frank Steinmann deutlich. Denn die Transportunternehmen müssten sich dann mit verschiedenen Behörden „herumschlagen“, derzeit haben sie mit dem WSA Uelzen einen festen Ansprechpartner. Und auch die schnelle Instandsetzung von Schleusen und Hebewerk, für die es bei einem Ausfall derzeit eine rund um die Uhr erreichbare Notfall-Truppe gibt, wäre in Gefahr, wenn weiter Personal abgebaut werde, betonte Steinmann: „Personell kriechen wir schon jetzt auf dem Zahnfleisch.“

Torsten Staffeldt sagte zu, bei der für die Umstrukturierung zuständigen Kommission konkret nachzufragen, welchen Sinn eine Wegnahme des Mittlellandkanals denn haben solle oder ob hier stur nach Landesgrenzen entschieden wurde. Die Zeit drängt – denn schon in zwei Jahren soll die Reform umgesetzt sein. Und Uelzen müsse als strukturschwache Region endlich mal als Sieger aus dieser Neuorganisation hervorgehen, forderte Fabel.

Von Thomas Mitzlaff

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