Prozess wegen Vergewaltigung: Vernehmung per Videoaufnahme

Opfer muss nicht aussagen

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Landgericht Lüneburg: Das 15-jährige Opfer einer Vergewaltigung braucht nicht selbst am Prozess teilzunehmen.

aja Uelzen/Lüneburg. Ihrem Kind bleibt die belastende Aussage vor dem Lüneburger Landgericht erspart: Die Mutter der 15-Jährigen wirkte deshalb gestern in der Verhandlung gegen einen 23-jährigen Uelzener, der ihre Tochter im vergangenen Jahr bei einer Party am Lüneburger Kreidebergsee vergewaltigt haben soll, erleichtert.

Ihrem Kind bleibt die belastende Aussage vor dem Lüneburger Landgericht erspart: Die Mutter der 15-Jährigen wirkte deshalb gestern in der Verhandlung gegen einen 23-jährigen Uelzener, der ihre Tochter im vergangenen Jahr bei einer Party am Lüneburger Kreidebergsee vergewaltigt haben soll, erleichtert. Statt einer Aussage der 15-Jährigen wurde die über einstündige Videoaufnahme von der polizeilichen Vernehmung unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Gerichtssaal abgespielt – „damit die Prozessbeteiligten einen Eindruck von der Aussagesituation erhalten“, hatte Verteidigerin Wiebke Schröder angeregt. Wie berichtet, hatte der Angeklagte den Tatvorwurf in vollem Umfang eingeräumt. Bereitwillig beantwortete er gestern weitere Fragen, die bei der Staatsanwaltschaft, der Großen Jugendkammer und der Nebenklage unter dem Eindruck der Videoaussage aufkamen.

In der Nacht zum 1. August 2013 war die 15-Jährige nicht nach Hause gekommen. Voller Sorge machte sich deren Mutter mit der älteren, schon erwachsenen Tochter in Lüneburg auf die Suche nach der 15-Jährigen. Noch in der Nacht wurde der 23-jährige Uelzener in Lüneburg festgenommen.

Zur Feststellung aller für das Urteil erheblichen Tatsachen werden Protokolle von Ärzten und Polizisten vor Gericht verlesen. Stück für Stück ergeben die Schriftstücke ein Bild von dem Vorfall. Für den Angeklagten wäre ein Urteil nicht die erste Strafe. Vor zwei Jahren wurde er vor dem Amtsgericht Uelzen wegen schwerer räuberischer Erpressung in einem minderschweren Fall verurteilt. „Er neigt dazu, seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen“, merkt der Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Thorsten Heß aus Lüneburg, an, der ein Verfahren wegen Schmerzensgeldes für die 15-Jährige verfolgt. Über ein Schreiben seiner Anwältin hatte der Angeklagte die Pflicht zur Zahlung anerkannt.

Am nächsten Prozesstag werden noch Sachverständige zu Wort kommen, bevor ein Urteil gesprochen wird. Dem Angeklagten drohen mehr als drei Jahre Freiheitsstrafe.

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