Prozess gegen Douglas-Bande: Uelzener Nebenkläger leidet an Verletzungsfolgen

Opfer erinnert sich kaum

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Zwei 18 und 19 Jahre alte Uelzener stehen wegen versuchten Totschlags vor Gericht.

Uelzen/Lüneburg. In der Verhandlung wegen versuchten Totschlags in der Uelzener Innenstadt sind nach den Aussagen des Opfers und eines weiteren Zeugen vor der Jugendkammer des Landgerichts Lüneburg noch einige Fragen offen geblieben.

Nach bisherigen Angaben sollen junge Männer aus der so genannten Uelzener Douglas-Bande dem Nebenkläger Manfred V. (Name geändert) Anfang Juli nachts auf der Gudesstraße mit den Scherben einer zerschlagenen Bierflasche lebensgefährliche Verletzungen am Kopf zugefügt haben. An die entscheidende Situation habe das 42-jährige Opfer keine Erinnerungen mehr.

„Ich habe nur eine Erinnerung, wo ich eine Gruppe um mich herum habe, die mich irgendwohin drängen wollte.“ An eine Personen-Gruppe erinnere er sich zwar, aber einzelne Gesichter seien ihm nicht im Gedächtnis geblieben, berichtet Manfred V. Dass die Auseinandersetzung nahe der Kneipe Hutladen stattgefunden habe, „das ist so ein Gefühl“.

Mit einem Schädel-Hirn-Trauma, Stirnhöhlen-Frakturen und gebrochenen Nasennebenhöhlen sowie Risswunden und Schürfverletzungen an Gesicht und Kopf wurde der Nebenkläger Manfred V., von Beruf Busfahrer, ins Uelzener Krankenhaus eingeliefert. Der anfängliche Verdacht auf eine Hirnblutung habe sich nicht bestätigt. Die Brille des 42-Jährigen sei im Laufe der Auseinandersetzung verschwunden.

Bis jetzt bleibt bei dem Nebenkläger ein Taubheitsggefühl an der Nase. „Ich bekomme nicht richtig Luft“, schildert er. Und wenn er sich hinsetze oder aufstehe, werde ihm schwindelig. Seine seit dem Vorfall wackelnden Zähne habe er noch nicht richten lassen, aber richtig zubeißen könne er noch nicht wieder. Und es sei „eine gewisse Angst“ geblieben, „dass mich irgendwann alles einholt“, erklärt der Uelzener. Daher schlafe er unruhig und wenn er über den Fall in der Zeitung liest, habe er keine emotionale Verbindung zu der Situation. „Ich lese in der Zeitung, als ob es jemand anders ist. Ich will damit nichts zu tun haben.“ Auch das sei ein Grund dafür, weshalb der 42-Jährige kaum mit anderen Menschen aus seinem Umfeld über das Erlebnis spreche. Selbst mit dem Türsteher einer Kneipe, den er während der Schlägerei noch zu Hilfe gerufen habe, habe Manfred V. anschließend nicht mehr darüber gesprochen.

Etwa sechs Gläser Wein und drei Gläser Bier habe er zwischen 18 und drei Uhr nachts getrunken. Dadurch sei er nicht beeinträchtigt gewesen, sondern „ganz normal“, betont Manfred V. „Ich bin nicht herumgetorkelt.“ Auch Verständigungsschwierigkeiten habe er nicht gehabt, sagt er deutlich, als der Gerichtsmediziner das Wort „Alkoholmissbrauch“ aus dem Papier des Uelzener Klinikums zitiert.

Etwa zwei Monate nach dem Vorfall in der Innenstadt begann der 1,89 Meter große und 110 Kilogramm schwere Nebenkläger wieder als Busfahrer zu arbeiten.

Die beiden 19-jährigen Angeklagten Ismail N. und Robert K., die aus der Gruppe heraus an der Tat beteiligt gewesen sind, sitzen seit Juli in Untersuchungshaft. Weiteren Aufschluss über den Hergang soll die Untersuchung einer Bierflasche geben, die im Prozess gestern Vormittag dem zuständigen Gerichtsmediziner übergeben wurde.

Von Diane Baatani

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